Sein Name sei relativ schnell gefallen, als die Vereinsleitung des FC Basel das Profil ihres neuen Trainers definiert habe: Jener von Marcel Koller. Der Name dieses 57-jährigen Zürcher Trainers, der zuletzt die österreichische Nationalmannschaft betreute und seit Donnerstag offiziell der Nachfolger von Raphael Wicky ist beim FCB. «Wir haben am Mittwoch gesehen, dass wir Bedarf haben auf der Position des Trainers und sind sehr froh, dass wir jetzt eine Lösung gefunden haben», eröffnete Bernhard Burgener die gestrige Medienkonferenz, in deren Rahmen Koller vorgestellt wurde. «Wir haben mit drei Personen geredet, aber er war an erster Stelle», ergänzt der FCB-Präsident. «Er war schnell unser Topfavorit», erklärt auch FCB-Sportchef Marco Streller.

Doch was macht Koller zu dem Mann, der den FC Basel in seiner schwierigen Situation retten kann? «Er hat einen grossen Leistungsausweis sowie eine riesige Erfahrung. Und genau das braucht es in dieser jetzigen, speziellen Situation», sagt Streller. Damit meint er nicht nur den Fakt, dass der FCB in der Meisterschaft nach nur zwei Spielen bereits fünf Punkte Rückstand auf die Berner Young Boys aufweist und die Teilnahme an der Champions League nach dem desolaten Auftritt gegen PAOK bereits verpasst hat. Streller meint vor allem auch die Tatsache, dass Koller lediglich eineinhalb Tage Zeit hat, um die Mannschaft auf sich und seinen Fussball einzuschwören, bevor er seinen ersten Ernstkampf bestreitet. Dieser findet bereits morgen Abend gegen GC statt. Ausgerechnet gegen GC. Bei den Zürchern hat Koller seine gesamte aktive Spielerkarriere verbracht und den Klub später als Trainer zum Meistertitel geführt.

Kollers neue Assistenten

Es ist aber nicht nur die Erfahrung, die die FCB-Leitung von Koller überzeugt hat. Sondern auch, dass er Ruhe einbringen könne, auch in harten Zeiten. «Er war in Köln Trainer. Ich kenne das Umfeld aus meiner Zeit als Spieler dort. Das ist alles andere als einfach. Wenn man einmal dort gewesen ist, dann ist man gestählt.» Diese Abgeklärtheit brauche es, auch, weil Streller einen Trainer will, der sagt: «Ich bin der Chef. Vor allem in der Kabine. Und das kann er.» Koller sei genau der starke Mann mit einer starken Meinung, den man gesucht habe. «Einen wie ihn zu finden, war unser Ziel.» Die Gespräche zwischen den beiden Parteien seien äusserst kollegial und von Vertrauen geprägt gewesen, wie beide Seiten sagen. Streller: «Wir haben uns relativ schnell gefunden.» Dass zwischen der Entlassung von Raphael Wicky und der Vorstellung Kollers doch eine Woche lag, habe insbesondere mit den Vertragsdetails zu tun.

Diese mussten nicht nur für Koller, sondern auch für seine beiden Assistenten Carlos Bernegger und Thomas Janeschitz ausgearbeitet werden. Bernegger kennt Koller aus gemeinsamen GC-Zeiten, Janeschitz von seiner letzten Station in Österreich. «Sie wissen beide, welchen Fussball ich spielen lassen will. Wenn man so wenig Zeit hat, ist es wichtig, dass man die Assistenten nicht auch noch einführen muss», erklärt Koller seine Wahl. Das Zugeständnis des FCB, Koller seinen Staff selber zusammenstellen zu lassen, hat aber auch Folgen: So gehört Matías Delgado per sofort nicht mehr zum Trainerstaff der ersten Mannschaft. Ein Entscheid, den Streller dem Ex-Captain am Donnerstagmorgen mitgeteilt hat.

FCB-Sportchef Marco Streller über die Verpflichtung von Marcel Koller.

FCB-Sportchef Marco Streller über die Verpflichtung von Marcel Koller.

Strellers neue Rolle

Aber nicht nur im Staff werden Rollen neu verteilt, sondern auch jene von Streller wird neu definiert werden. Seit seinem Amtsantritt als Sportchef-Neuling hatte er auch einen Trainer-Neuling an der Seite. Jetzt kommt in Person von Koller einer mit einem riesigen Erfahrungsschatz. «Wie genau meine Rolle aussehen wird, werden wir noch bereden.» Man müsse schauen, was das Beste für die Mannschaft sei. «In der Vergangenheit war das, dass ich näher am Team dran war. Das werde ich in Zukunft nicht mehr sein.» Die Kabine sei des Trainers Territorium und Streller sehr froh, «wenn sich meine Rolle ändert. So kann ich mich auf das Wesentliche konzentrieren: die Transfers und die Kaderplanung.»

Marcel Koller über seine neue Aufgabe beim FC Basel.

Marcel Koller über seine neue Aufgabe beim FC Basel.

Mögliche neue Spieler

Dass Letztere vielleicht doch noch nicht abgeschlossen ist – auch wenn dies zu Beginn der Saison gesagt wurde –, gestand Streller ein. Man werde, gemeinsam mit dem neuen Trainer, eine Analyse des Kaders vornehmen und schauen, was man noch machen wolle. «Wir sehen absolut Qualität in dieser Mannschaft. Aber wir haben alle auch das Spiel am Mittwoch gesehen.» Wir, dazu gehört auch Koller, der die 0:3-Demontage gegen PAOK an der Seite Burgeners im Stadion verfolgt hat. Trotzdem hat er es sich nicht anders überlegt. Seine Beweggründe für sein Engagement führt er wie folgt aus: «Ich bin grundsätzlich ein Fussballverrückter.

Ich hatte ein paar Monate Ferien und habe schon zu Beginn der WM gemerkt, dass es mich wieder reizt.» Nach sechs Jahren als Nati-Coach habe er das tägliche Training vermisst. Er wolle Spieler weiterentwickeln, und als die Anfrage des FCB kam, «habe ich die vielen Möglichkeiten gesehen. Es ist ein absoluter Topverein in der Schweiz mit grosser Vergangenheit. Das ist eine sehr interessante Aufgabe.»