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FC-Biel-Trainer Petar Aleksandrov im Interview: «Ich bin lieber Assistent als Chef»

Sehr engagiert: Biels Trainer Petar Alexandrov.

Sehr engagiert: Biels Trainer Petar Alexandrov.

Als Spieler schoss der bulgarische Internationale den FC Aarau 1993 zum Meistertitel. Als Trainer hat Petar Aleksandrov momentan eine ganz andere Aufgabe: Er will mithelfen, den FC Biel zu retten. Im Interview spricht er über Glück, Seelenmassage, Machtkämpfe und sein Diplom.

Petar Aleksandrov, sind Sie ein Glückspilz oder ein Pechvogel?
Petar Aleksandrov: Ich bin ein Glückspilz. Ich darf Fussball-Trainer sein. Das ist meine Lieblingsbeschäftigung. Fussball ist mein Leben.

Macht es Ihnen wirklich Spass, den finanziell kriselnden FC Biel zu trainieren?
Für mich ist die finanziell angespannte Situation des FC Biel kein Thema. Das heisst aber nicht, dass ich nicht mit dem Trainerstab und den Spielern leide. Aber in dieser Situation muss ich mich als Trainer auf das Wesentliche konzentrieren. Das heisst, dass ich die Mannschaft bestmöglich auf die Spiele vorbereite und die negativen Dinge auf die Seite schiebe.

Sie glauben also nach wie vor an das Gute beim FC Biel?
Natürlich! Die Mannschaft lebt! Den Beweis dafür hat sie in den vergangenen zwei Spielen geliefert. Nach dem 2:1 gegen Schaffhausen ist uns in Lausanne eine Sensation gelungen. Wir waren gegen den Leader 0:2 im Rückstand und haben noch 3:2 gewonnen. Wenn das kein Zeichen von Moral und Charakterstärke ist, weiss ich auch nicht!

Beschäftigt Sie die aktuell prekäre Situation rund um den FC Biel?
Natürlich beschäftigt mich das Ganze. Einfach deshalb, weil ich die Machtkämpfe rund um den FC Biel nicht verstehe. Statt dass alle einander helfen und nach einer Lösung suchen, kommt jeden Tag wieder eine andere Negativschlagzeile. Mir kommt das Ganze vor wie ein Akt der Selbstzerfleischung. Der FC Biel hat eine wunderschöne Infrastruktur. Statt sich darüber zu freuen, macht man sich Probleme.

Was müsste passieren, um den FC Biel zu retten? Haben Sie Lösungsansätze?
Es sind sicherlich viele Fehler passiert. Auch von Präsident Carlo Häfeli. Aber es nützt nichts, wenn alle gegen Häfeli sind. Das bringt den FC Biel auch nicht auf Kurs. In solchen Notsituationen gibt es nur eines: Man muss gemeinsam nach einer Lösung suchen. Dabei helfe ich gerne mit, aber meine Kernkompetenz gilt der Mannschaft und dem Fussball. Ich muss schauen, dass der FC Biel am nächsten Sonntag in der Tissot Arena das Derby gegen Xamax gewinnt. Dafür wende ich meine ganze Energie auf.

Sie haben nach dem Abgang von Patrick Rahmen Ende Februar das Amt des Cheftrainers übernommen: Sind Sie mehr als ein Notnagel?
Ich bin verantwortlich für die Mannschaft. Wie lange das so ist, kann ich nicht beeinflussen. Ich gebe mein Bestes. Aber zugegeben: Die Situation ist schwierig.

Schwierig?
Ich spüre bei einigen Spielern eine grosse Verunsicherung. Schliesslich geht es auch um Existenzen. Gewisse Spieler haben eine Familie. Die Fixkosten für Wohnung und Essen müssen bezahlt werden. Ich bin aber überrascht, wie gut die Spieler in der für sie unsicheren und heiklen Situation trainieren.

Wie ist die Stimmung innerhalb der Mannschaft?
Die Stimmung ist gut. Trotzdem mussten wir die eine oder andere Trainingseinheit absagen. Es gab Zeiten, in denen die Spieler mit dem Kopf nicht beim Fussball waren. Wenn ich das gespürt habe, sind wir in der Kabine geblieben, haben miteinander gesprochen und Seelenmassage betrieben.

Glauben Sie an eine Rettung des FC Biel?
Ich glaube daran. Alles andere wäre eine Schande für die Stadt Biel! Im Seeland gibt es so viele Firmen, die bereit sind, den FC Biel zu unterstützen. Um das zu erreichen, müssen aber alle positiv denken und am gleichen Strick ziehen.

Kommen wir zu Ihrer Situation: Momentan prüft die Swiss Football League, ob Ihre in Bulgarien erworbene Uefa-Pro-Lizenz reicht, um einen Profiklub in der Schweiz zu trainieren. Wissen Sie schon mehr?
Nein. Ich habe dieses Diplom 2006 in Bulgarien gemacht. Momentan gibt es Abklärungen zwischen der Swiss Football League, dem bulgarischen Fussballverband und der Uefa. Ich arbeite mit diesem Diplom nun schon seit zehn Jahren. Es war nie ein Thema. Da stellt sich für mich schon die Frage, wer jetzt ein Interesse hat, meiner Person zu schaden.

Sie haben Ihre Trainerkarriere 2001 bei den Zürcher Blue Stars lanciert und waren im Profibereich immer Assistent. Jetzt sind Sie erstmals Cheftrainer. Was ist für Sie der Unterschied?
Glauben Sie mir! Ich bin nicht geil auf eine Position als Cheftrainer. Das war nie mein Ziel. Aber jetzt ist es nun einmal so. Deshalb erwarte ich auch, dass man mir in dieser Position den nötigen Respekt entgegenbringt.

Sind Sie lieber Assistent als Chef?
Sie werden lachen: Ja! Ich bin lieber Assistent. Meine grösste Stärke ist die Loyalität. Als Assistent muss man loyal sein. Momentan helfe ich dem FC Biel in einer schwierigen Situation. Da ist es doch ganz egal, ob ich Chef oder Assistent bin. Es geht einzig und allein um das Wohl des FC Biel.

Man sieht Sie fast an jedem Heimspiel des FC Aarau: Liebäugeln Sie mit einem Trainer-Engagement in Aarau?
Das Brügglifeld ist mein Zuhause. Hier kenne ich alle Leute. Egal, für welchen Klub ich tätig bin: Mein Herz wird immer für den FC Aarau schlagen. Natürlich würde ich gerne als Trainer beim FC Aarau arbeiten. Aber das kann ich nicht beeinflussen.

Haben Sie eine Ahnung, warum es bis jetzt nicht geklappt hat?
Nein. Ich weiss es nicht. Ich wohne mit meiner Familie seit zehn Jahren in Kölliken und liebe den Kanton Aargau. Ich spüre auch, dass ich rund um den FC Aarau sehr geschätzt werde.

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Autor

Ruedi Kuhn

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