Es war eine der grossen Fragen, die vor dieser 124. Generalversammlung noch im Raum stand: Was macht FCB-Präsident Bernhard Burgener, wenn der Klub im Jahr 2018 einen ordentlichen Gewinn erwirtschaftet?

Denn zum einen musste er, um im Jahr 2017 einen bescheidenen Gewinn von knapp über einer halben Million Franken ausweisen zu können, die Reserven des Vereins angreifen – die Rückstellungen für künftige Transfers nahmen im abgelaufenen Jahr um fast neun Millionen ab.

Zum anderen sieht es danach aus, dass 2018 finanziell ein erfolgreiches Jahr werden könnte. Dies vor allem, weil man schon mit aussergewöhnlichen Einnahmen ins neue Jahr startete. Die Transfers von Manuel Akanji und Renato Steffen, aber auch die Ticketeinnahmen aus dem Champions-League-Heimspiel gegen Manchester City spülten dem Verein 28,5 Millionen Franken in die Kassen.

Zur Nachlese: Den Liveticker der FCB-Versammlung finden sie hier.

Vor diesem Hintergrund erstaunt es kaum, dass ein Mitglied von Präsident Burgener denn auch wissen wollte, was er mit einem allfälligen Gewinn zu tun gedenke. Erst die Rückstellungen wieder aufbauen oder direkt Dividende ausschütten? Burgener druckste rum, erzählte davon, dass er nicht mit vielen Transfers rechne.

"Ich habe einen Preis bezahlt"

Dann plötzlich: «Ich habe einen ordentlichen Preis gezahlt. Und ich habe immer gesagt, dass die Reserven der Holding bestehen bleiben. Wenn wir einen Gewinn machen, dann werden maximal 50 Prozent ausbezahlt.»

Auf Nachfrage, ob das nun heisse, dass er die Rückstellungen zuerst wieder aufschütten wolle, bevor er Dividende zahlt, meint Burgener: «Die Hälfte wird auf jeden Fall gebraucht, um die Rückstellungen wieder aufzustocken.»

Im Klartext heisst das nichts anderes, als dass er bei einem ordentlichen Gewinn die Hälfte auszahlen wird. 75 Prozent gehen an die Holding und damit zu einem grossen Teil an Burgener, 25 Prozent an den Verein. Und zwar bevor die Reserven für künftige Transfers wieder auf der Höhe von 22 Millionen Franken (so hoch waren die Reserven, bevor Burgener neun Millionen rausnahm, um fürs letzte Jahr einen Gewinn ausweisen zu können) sind.

Allerdings würde ein allfälliger Gewinn nicht nur ausgeschüttet, sondern zur Hälfte würde er gebraucht, um wieder mehr Reserven anzuhäufen.

Jost tritt überraschend ab

Trotz der kritischen Frage genehmigten die FCB-Mitglieder die Jahresrechnung der Klub-AG diskussionslos (1284 Ja, 52 Nein, 79 Enthaltungen). Wie es überhaupt zu keinen grösseren Ausrutschern kam. Also ganz anders als dies noch letztes Jahr der Fall war, als die Mitglieder ihrem kurz zuvor gewählten, neuen Präsidenten mit der Nicht-Wahl von Jean-Paul Brigger einen Denkzettel verpassten.

Zur Wahl stand Brigger dieses Jahr nicht noch einmal. Letzten Freitag zog der Walliser die Notbremse, in dem er sich mit sofortiger Wirkung aus dem Klub zurückzog. Als Burgener dies gestern den Mitgliedern unterbreitete, erntete er Applaus.

Marketing-Direktor verlässt VR

Und dann hatte er doch noch eine kleine Überraschung auf Lager: Patrick-Jost, Marketing-Direktor des FC Basels und bis gestern Verwaltungsratsmitglied möchte sich nicht mehr zur Wahl stellen, weil er sich auf seine operativen Aufgaben konzentrieren wolle.

«Das ist gut so», meinte ein FCB-Mitglied, «das Marketing hat doch einiges an Stirnrunzeln ausgelöst. Ich spreche die Influencer-Kampagne an. Wenn man irgendwelche GC-Fans (eine Anspielung auf Bachelorette Adela Smajic; d. Red.) oder Sockenmodels anheuert, damit hier an der GV mehr Mitglieder abstimmen dürfen, dann ist das einfach nur peinlich.»

Der Rest des Verwaltungsrats, Marco Streller, Alex Frei und Massimo Ceccaroni, wurde dagegen fast einstimmig in ihrem Amt bestätigt. Ähnlich verliefen die Wahlen in den Vereinsvorstand. Mit einer Neuerung: Roland Heri wird Mitglied des Vorstands. Das hat seine Logik, denn Heri ist so etwas wie der neue starke Mann im Klub, der Mann, den man Brigger vor die Nase setzte.