Indien-Investition

FCB-CEO Roland Heri zum Indien-Deal: «Wären wir Erster, würde es besser aufgenommen»

FCB-CEO Roland Heri ist nach dem Trip nach Indien zurück in Basel und erklärt den Deal mit Chennai City.

FCB-CEO Roland Heri ist nach dem Trip nach Indien zurück in Basel und erklärt den Deal mit Chennai City.

Der FC Basel hat am Mittwoch sein Engagement beim indischen Verein Chennai City FC bekannt gegeben. CEO Roland Heri erklärt wie es zum Deal kam und was dieser dem FCB bringen soll.

Dieses Interview wurde in einer Gesprächsrunde mit mehreren Journalisten geführt und von der bz auf die wichtigsten Aussagen komprimiert.

Der FC Basel kauft 26 Prozent Anteile an Chennai City. Wie viel Geld lässt er sich diese Partnerschaft kosten?

Roland Heri: Es sind nicht einmal zehn Prozent der kolportierten 15 Millionen. Woher die vermeintliche Summe von 15 Millionen kam, können wir und auch unsere Partner nicht nachvollziehen.

In Indien wurde der Deal als historischer Moment gefeiert. Dabei ist die Investition doch überschaubar.

Das mag an den kulturellen Unterschieden liegen. Für sie ist unsere Investition ein grosses Volumen eines bedeutenden europäischen Vereins. Dementsprechend gross ist die Freude über diese Partnerschaft.  Auch wir freuen uns sehr über die Partnerschaft und die zukünftige Zusammenarbeit. Für uns ist dieser Schritt Neuland, doch wir haben einen Plan, eine Zielrichtung mit einem überschaubaren Investitionsvolumen. Wir hegen aber keine hegemonialen Hintergedanken. Wir wollen nicht auftreten und sagen, dass wir wissen, wie alles funktioniert - sondern wir wollen mit ihnen zusammen etwas entwickeln.

Was hat der FCB für Pläne?

Der Schwerpunkt der Partnerschaft liegt im Bereich Ausbildung und Nachwuchsförderung. Dafür ist Massimo Ceccaroni kraft seiner Kompetenz verantwortlich. Er wird im Herbst für einen längeren Zeitraum in Indien sein und die Entwicklung vor Ort verantworten. Unsere Zahlungen an Chennai City FC sind an Meilensteine gebunden. Erst wenn diese erreicht sind, fliesst die nächste Zahlung. Die Überwachung und das Controlling obliegt mir.

Was sind die Meilensteine?

Zunächst geht es um den Auf- und Ausbau der Infrastruktur und um den Einkauf von Materialien. Der zweite Meilenstein ist die Ausbildung der Trainer vor Ort und die Verbesserung der medizinischen Abteilung. Unser Ziel ist es, in drei Jahren sagen zu können, dass wir sehr gut funktionierende Ausbildungsstätten aufgebaut haben. Und dass das sportliche Niveau und die Qualität sich europäischen Verhältnissen angenähert haben.

Das Konzept von FCB-Präsident Bernhard Burgener beinhaltet internationale Kooperationen. Wie kam der FCB gerade auf Chennai City?

Man führt in diesem Geschäft mit verschiedenen Leuten Gespräche, tauscht sich aus und entwickelt dabei gemeinsame Ideen. Im konkreten Fall sind wir uns schnell einig geworden. Daraufhin haben wir uns zwölf Monate mit dem Projekt beschäftigt, es analysiert und sind zum Schluss gekommen, dass Chennai City FC der richtige Partner in der richtigen Umgebung ist und wir hier eine Pionier-Rolle übernehmen möchten.

Wieso ist Chennai der richtige Partner?

Dieser Verein ist hochenthusiastisch, freut sich über 5000 bis 8000 Zuschauer und hat ein gewisses Eigenkapital. Er verfügt zudem über eine grosse, bereits bestehende Jugendabteilung. Das hat auch dazu beigetragen, dass uns das Projekt überzeugte.

Der FCB hat überlegt, in China zu investieren. Warum wurde es Indien?

Durch den Fussballboom in China sind die Preise durch die Decke geschossen. Wir haben nach einer Möglichkeit gesucht, bei der man mit einem geringeren Investitionsvolumen etwas bewegen kann. Indien ist, wie es Präsident Bernhard Burgener sagte, ein schlafender Riese.

Woran machen Sie das fest?

Wenn man den Fernseher im Hotel einschaltet, zeigen die ersten 28 Sender Cricket. Hingegen auf den nächsten 12 läuft bereits Fussball. Die Einschaltquoten bei der WM, der Bundesliga, der Premier League und der Primera División zeigen, wie gross das Interesse der indischen Bevölkerung am Fussball ist. Trotzdem ist die sportliche Qualität des indischen Fussballs aktuell noch überschaubar.

Wann sehen wir den ersten indischen Fussballspieler beim FCB?

Ich glaube nicht, dass dies so schnell passieren wird. Aber wir haben uns vertraglich Erst-Zugriffs-Rechte gesichert. Es gibt aber auch noch andere Einnahmequellen, zum Beispiel, wenn sich ein Spieler nicht Basel, sondern einem anderen Klub anschliesst. Ein grosses Standbein sind auch die Streaming-Dienste und die digitalen Möglichkeiten, mit denen sich für uns weitere Geschäftsfelder auftun können. Die Kernziele sind der Aufbau einer Akademie, die Ausbildung der Coaches sowie der Wissenstransfer durch die Trainer an die Spieler.

Wie ist es dem FCB gelungen, andere Vereine auszustechen?

Wir sind bei den Gesprächen mit Chennai City FC sehr schnell konkret geworden, als wir von der Partnerschaftüberzeugt waren. Wir haben uns nicht auf lange Marktsondierungen eingelassen oder überlegt, wie viele Trikots wir in Indien verkaufen können. Wir waren stets auf den Ausbildungs-Gedanken fokussiert. Mit diesem Vorhaben sind wir bei unseren Partnern auf Interesse gestossen. Natürlich haben wir uns gefreut und uns zugeprostet, weil wir Klubs aus Deutschland und England zuvorgekommen sind.

Was machen Sie, wenn Sie merken, dass die Partnerschaft doch nicht wie gewünscht funktioniert?

Gewisse Hürden sind vorhanden, auch die kulturellen Unterschiede darf man nicht unterschätzen. Wenn man es aus marktanalytischer Position betrachtet, glauben wir, dass der indische Fussball so oder so potenzieren wird. Dann können wir die Anteile vorteilhaft wiederverkaufen, sollten wir die Partnerschaft irgendwann beenden wollen.

Spielen FCB-Hauptsponsor Novartis, deren Chef indische Wurzeln hat, oder Bollywood, wo Bernhard Burgener Filme verkaufen könnte, eine Rolle?

Nein, überhaupt nicht. Und auch das Merchandising ist keine Triebfeder.

Und E-Sports?

Uns ist allen klar, dass E-Sports nicht zwischen Schönenbuch und Ammel stattfindet. E-Sports ist eine globale Geschichte  wovon Asien der interessanteste Markt ist. Es wäre nicht ehrlich, wenn ich sagen würde, dass wir keinen Gedanken daran verloren hätten. Aber im Vertrag geht es um die Ausbildung in Indien und in keinster Weise um E-Sports.

Wie gehen Sie mit der Fan-Kritik um?

Da müssen wir Rückgrat beweisen und Schulterbreite an den Tag legen. Wären wir Tabellenerster, mit zehn Punkten Vorsprung, würde es von den Fans vielleicht besser aufgenommen werden, das ist uns auch klar. Aber das darf uns nicht davon abhalten, strategische Entwicklungen voranzutreiben. Wir wollen stets drei bis fünf Jahre vorausdenken. Aber das Tagesgeschäft und die erste Mannschaft bleiben das wichtigste Geschäft. Alles andere ist dem untergeordnet, damit wir den sportlichen Erfolg der ersten Mannschaft weiter garantieren können.

Bleibt Chennai der einzige Partnerverein oder plant der FCB weitere Kooperationen?

Im Moment streben wir keine weiteren Beteiligungen an. Wir wollen uns administrativ nicht überfordern.

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