Fussball
Grasshoppers wollen ihre besten Spieler nicht für gutes Geld verkaufen

Der Cupsieger Grasshoppers will sein erfolgreiches Team zusammenhalten und punktuell verstärken. Befürchtungen, dass nun die besten Spieler von anderen Clubs weggekauft werden, zerstreut Sportchef Dragan Rapic.

Markus Brütsch
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Sollen auch künftig für GC jubeln: Die Cuphelden um Milan Vilotic. (2.v.l.)Key

Sollen auch künftig für GC jubeln: Die Cuphelden um Milan Vilotic. (2.v.l.)Key

Das Palmarès ist imponierend. 27 Meistertitel und 19 Cupsiege sind aufgeführt. Wer 90 Jahre alt und seit dem zehnten Lebensjahr ein Fan der Grasshoppers ist, hat am Pfingstmontag zum 35. Mal einen Titel gefeiert. Es hat Zeiten gegeben, da sind die Anhänger von GC richtig verwöhnt worden. Mit vier Trophäen innerhalb von drei Jahren, wie von 1982 bis 1984. Doch auch die Schweizer Titelsammler Nummer 1 sind nicht vor Durststrecken gefeit gewesen. Die Sechzigerjahre waren eine einzige Flaute, und nach dem Cupsieg 1956 hatte es 27 Jahre gedauert bis zum nächsten Triumph.

Auch am letzten Montag ist es alles andere als ein «business as usual» gewesen, als Captain Vero Salatic nach dem 4:3 im Penaltyschiessen gegen den FC Basel die Sandoz-Trophäe in die Höhe stemmte. 19 Jahre hatte die Warterei seit dem letzten Erfolg 1994 gedauert. Und weil auch in der Super League der letzte Titelgewinn zehn Jahre zurücklag, blickten die Hoppers auf trübe Jahre zurück. Vor allem die letzte Spielzeit, als sie nur dank des Konkurses von Xamax nicht abstiegen und sie der 36-Punkte-Abzug für Sion von der Barrage verschonte, gehört zu den Tiefpunkten in der Vereinshistorie.

Von umso grösserer Bedeutung ist daher, was GC nun im Stade de Suisse erreicht hat. «Vielleicht können wir in ein paar Jahren sagen, an Pfingsten 2013 habe eine neue GC-Ära begonnen», hofft Dragan Rapic. Er wählt dabei vorsichtige Worte, denn selbst wenn Rapic mit seinen 31 Jahren ein noch junger Sportchef ist, weiss er genau, wie schnell es im Fussball in die eine wie auch in die andere Richtung gehen kann.

Nichts könnte dies besser veranschaulichen als der Leistungssprung seiner Grasshoppers innerhalb eines einzigen Jahres. 2012 mit 66 Gegentoren und kläglichen 26 Punkten noch die Schiessbude und Lachnummer der Nation, sind sie wie ein Phönix aus der Asche auferstanden. Dass der Cupsieg kein Zufallsprodukt ist, zeigt die Rangliste der Super League, in der die Zürcher drei Runden vor Saisonschluss auf dem zweiten Rang liegen und immer noch leise Titelchancen hegen. Sie haben 34 Punkte mehr als im letzten Jahr nach 33 Spielen;, zwar nur zehn Tore mehr geschossen, doch die Anzahl der Gegentreffer um mehr als die Hälfte auf 30 reduziert.

Keine Anfragen anderer Clubs für GC-Spieler

Im Wissen, dass internationalen Scouts heutzutage kein Kick mehr verborgen bleibt, dürfte sich der eine oder andere GC-Fan die bange Frage nach der unmittelbaren Zukunft des aktuellen Teams stellen. Gewiss sind Talente wie Izet Hajrovic, Steven Zuber, Roman Bürki und Michael Lang längst auf dem Radar diverser Klubs. Und natürlich ist auch der 26-jährige Milan Vilotic ein begehrtes Objekt.

Doch Rapic gibt Entwarnung. «Es gibt keinerlei Anfragen», sagt der Sportchef, auf dem Spielermarkt bewegt sich im Moment nicht viel.» Was nicht ist, kann zwar noch werden, aber gleichwohl hat GC gute Karten. «Mit Ausnahme der Leihspieler Willian Rocha und Taulant Xhaka haben alle Spieler einen weiterlaufenden Vertrag», sagt Rapic. Oberste Priorität hat das Zusammenhalten der aktuellen Equipe, die punktuell verstärkt werden soll. Ein Blick aufs Torverhältnis von 41:30 zeigt, dass vor allem im Offensivbereich etwas passieren muss.

Befürchtungen, GC werde erneut junge Spieler wie Nassim Ben Khalifa (2010 zu Wolfsburg), Haris Seferovic (2010 zu Fiorentina) oder Innocent Emeghara (2011 zu Lorient) bei der erstmöglichen Gelegenheit verkaufen, nimmt Rapic den Wind aus den Segeln. «Damals war GC auf dieses Geld angewiesen. Doch jetzt wollen wir unser Tafelsilber bestimmt nicht verscherbeln», sagt Rapic. «Aber wir sind auch nicht so naiv zu glauben, dass es keine Schmerzgrenzen gibt. Doch die Latte unserer Spieler, die von anderen Klubs allenfalls umworben werden, liegt hoch.»

Die Grasshoppers mit Präsident André Dosé, Rapic und Trainer Uli Forte haben ihre Hausaufgaben gemacht. «Natürlich hoffen wir jetzt, dass sich der eine oder andere potenzielle Sponsor sagt: GC ist spannend, ich steige ein», sagt Rapic.

Spannend ist auch, ob dem FC Basel am Sonntag im Letzigrund die Revanche gelingt und er sich den Titel in der Super League sichert. «Wir freuen uns auf dieses Spiel», sagt Rapic, «ich denke aber nicht, dass wir nach dem Cupsieg nun psychologisch im Vorteil sind.»