Portugal

Haris Seferovic sucht sein Glück mit Benfica – und er trifft

Unmittelbar vor der Nati-Pause spielt Haris Seferovic im Verein wieder eine Rolle. Unerwartet kommt der Mann aus Sursee zu seiner Chance von Anfang an zu spielen – und trifft.

Es ist ein imposanter Anblick, der sich dem Zuschauer im Estadio da Madeira hoch über den Dächern der zu Portugal gehörenden Atlantikinsel bietet. Hinter dem Stadion taucht der Sonnenuntergang die Stadt in goldenes Licht, von rechts nähert sich eine dichte Nebelwand, die langsam über Madeiras Berge kriecht.

Es ist auch ein Anblick, über den man sich noch vor einigen Wochen detailliert mit Haris Seferovic, dem Schweizer Stürmer von Benfica Lissabon hätte unterhalten können. Denn von der Ersatzbank geniessen die Spieler eine hervorragende Sicht auf das Naturspektakel.

Doch anders als in den letzten neun Monaten sitzt Seferovic an diesem Abend nicht mehr dort. Nachdem der Schweizer bei Trainer Rui Vitoria völlig ausser Rang und Traktanden fiel und im gesamten Jahr 2018 noch in keinem Spiel auf über 30 Minuten Einsatzzeit kam, rechneten nicht wenige damit, dass Seferovic im Sommer weiterziehen würde um andernorts Spielpraxis zu erhalten. Auch wegen seines Nati-Stammplatzes.

Eine unverhoffte Chance

Doch es kam anders. Nachdem sich gleich zwei Sturmkonkurrenten verletzten, erhob sich der Mann aus Sursee plötzlich aus der Versenkung und kletterte in der Hierarchie nach oben bis in die Startelf. Zuerst gegen Paok in den Champions-League-Playoffs, nun gegen CD Nacional in der Meisterschaft. Es ist eine Chance, seine Rolle bei Benfica neu auszuhandeln.

Und der Schweizer nutzt sie. Er wirkt von der ersten Minute an bissig und gewillt – so wie man ihn zuletzt viel zu selten sah. Der 26-Jährige interpretiert seinen Part als Stossstürmer so, wie man es sich auch in der Nati erhofft: Er geht oft in die Tiefe und kreiert so Räume, legt viele Bälle für seine Mitspieler ab und arbeitet auch zurück.

Das Tor von Haris Seferovic gegen Nacional

Vladimir Petkovic wird’s freuen, braucht er doch für die Spiele gegen Island und England einen Seferovic mit Selbstvertrauen. Nach einer knappen halben Stunde platzt der Knoten dann komplett: einen Steilpass nimmt Seferovic schön mit und schiebt die Kugel ins weite Eck. Das 0:2 bereitet er noch vor der Pause per Flanke vor.

Dass er in der zweiten Halbzeit nicht mehr oft im Fokus steht und an den weiteren Treffern gegen bisweilen überforderte Insulaner nicht mehr direkt beteiligt ist? Geschenkt. Am Ende gewinnt der Hauptstadtklub das Ligaspiel mit 4:0 – alles wie erwartet. Nur eben nicht, dass man sich mit Seferovic wieder über Tore und nicht über die Aussicht unterhalten kann.

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