Fährt Köbi Steinmann Mitte Woche mit einem kleinen Motorrad und einem Stumpen im Mund von Beiz zu Beiz, von Geschäft zu Geschäft und hängt Matchplakate auf, ist klar: Der FC Wohlen hat am Wochenende ein Heimspiel.

Steinmann ist nicht nur Töffli-Fahrer, Stumpen-Raucher und Werbeträger des Klubs, nein, er ist auch der Kassier. 1960 setzte er sich erstmals ins Kassenhäuschen im Sportplatz Paul-Walser-Stiftung und versorgte die Zuschauerinnen und Zuschauer mit Tickets und Informationen. «Ich halte dem FC Wohlen seit 58 Jahren die Treue», sagt Steinmann. «Und zwar in guten und in schlechten Zeiten. Die Verbundenheit geht so weit, dass mich meine Frau Yvonne einmal gefragt hat, ob ich eigentlich mit ihr oder dem FC Wohlen verheiratet sei.»

Köbi Steinmann hilft seit 58 Jahren beim FC Wohlen mit.

Köbi Steinmann hilft seit 58 Jahren beim FC Wohlen mit.

Steinmann ist mit dem FC Wohlen achtmal auf- und sechsmal abgestiegen. Weil sich die Freiämter Ende Mai dieses Jahres nach dem Auswärtsspiel in Chiasso freiwillig aus der Challenge League zurückziehen, wird er auch noch den siebten Abstieg miterleben müssen. Der 84-jährige Steinmann ist so etwas wie der kleine, ja heimliche Held des FC Wohlen und eine von 100 markanten und schillernden Persönlichkeiten, die im Jubiläumsbuch porträtiert werden.

Mit dabei im Hunderter-Klub sind verdienstvolle Funktionäre wie Gründer Richard Wohler, Mäzen Edgar A. Giger, Ehrenpräsident und Sportchef René Meier, Präsident Andy Wyder, Geldeintreiber Hans Hübscher, Spitzen-Torhüter Willy Bächer, Aufstiegstrainer Martin Rueda und Juniorenobmann Jacky Sauter. Nicht fehlen dürfen auch quirlige Figuren wie der frühere Torhüter und Speaker Georges Mack, die Internationalen Urs Bächer und Gerhard Schädler sowie FCW-Edel-Fan und Lottomillionär Leo Lüthi.

Überflieger Ciriaco Sforza

Das 100-Jahr-Buch erschien im Juni 2004. Es ist ein eindrückliches Werk mit über 300 Seiten. Viel Platz bekommen vier ehemalige Wohler Spitzenfussballer. Da ist zum Ersten Paul Fischer, der Superstürmer der 1960er-Jahre, der den FC Wohlen 1961 mit neun Treffern in die 1. Liga schoss. Und natürlich Pietro Vedovato, der Abwehrchef in den Jahren von 1962 bis 1981: Er brachte es in 19 Saisons auf mehr als 500 Einsätze und wurde zum Publikumsliebling.

Schlusstabelle Saison 2003/2004

Schlusstabelle Saison 2003/2004

Ein kleiner Star war Jean-Pierre «Schibi» Roth, der Spielmacher und Regisseur der 1980er- und 1990er-Jahre. Roth machte sich auch als Trainer einen Namen. Der Überflieger des FC Wohlen ist der 80-fache Internationale Ciriaco Sforza, dessen Stern Mitte der 1980er-Jahre aufging und mehr als zwei Jahrzehnte leuchtete. Er spielte beim 1. FC Kaiserslautern, bei Bayern München und Inter Mailand.

Dem Profi und Privatmann Sforza werden 32 Seiten in Wort und Bild gewidmet. Das 100-Jahr-Buch gibt zudem Einblicke in die Zeit zwischen 1904 und 2004 und berichtet über die Derbys des FC Wohlen gegen Villmergen, Dottikon, Hägglingen und Muri. Zu guter Letzt findet man auch jede Menge Statistiken.

Ein Highlight der Zeit beim FC Wohlen 

Lanciert wurde die Herausgabe des Jubiläumsbuchs von Hans Hübscher. Der langjährige Präsident der Donatoren holte mit Heini Stäger, Georges Heusser, Daniel Marti, Felix Bingesser und Sandra Roth-Bächer fünf ehrenamtliche Buchmacher mit ins Boot. Hübscher selbst war für die Finanzierung des Buchs verantwortlich, machte sich auf die Suche nach Sponsoren und organisierte den stolzen Betrag von 115000 Franken.

«Dieses Projekt war eines der Highlights in den vielen Jahren, in denen ich für den FC Wohlen da war», sagt Hübscher. «Die Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe und die Entstehung des Buchs war eine wunderbare Erfahrung. Dieses Buch hat einen unschätzbaren ideellen Wert. Und während der Abschlussfeier konnten wir dem damaligen Präsidenten Andy Wyder auch noch einen Check von 20 000 Franken überreichen.»