Der letzte Pfiff. Ende. Gellende Pfiffe des Heimpublikums im Windsor Park. Die Arme der Schweizer Spieler gehen in die Höhe. Verhaltener Jubel. Etwas Erleichterung auch. Dann der Marsch zu den 900 mitgereisten Schweizer Fans, für die eine Party wartet in den Pubs von Belfast.

1:0-Sieg in Nordirland also. Ist das schon die WM-Qualifikation? Natürlich nicht. Aber die Gedanken an die WM dürfen trotzdem reifen. Alles andere als die Reise nach Russland wäre nach diesem Barrage-Hinspiel eine riesige Enttäuschung. Das Rückspiel am Sonntag in Basel ab 18 Uhr dürfte zum Fest werden.

Die Schweiz hat für eine reife Leistung einen verdienten Lohn erhalten. Sie spielte mit kühlem Kopf, als es nötig war. Sie spielte überlegt nach vorne, als es noch 0:0 stand. Sie kämpfte unermüdlich, als es nur noch darum ging, die hervorragende Ausgangslage über die Zeit zu bringen.

Ein Penalty als Geschenk

Doch wie ist es dazu gekommen? Es läuft die 57. Minute. Der Ball fliegt zu Xherdan Shaqiri. Er schiesst, direkt aus der Luft, wie so häufig. Dann prallt der Ball an den Oberarm von Corry Evans. Der rumänische Schiedsrichter Ovidiu Hategan pfeift – Penalty. Es ist ein Geschenk. Aber wen interessiert das in diesem Moment? Ricardo Rodriguez jedenfalls nicht. Er verwertet souverän zum 1:0 für die Schweizer.

Einmal in Führung, ändert sich die Gestalt des Spiels so ziemlich. Die Schweizer verwalten den Vorsprung kontrolliert. Und die Nordiren offenbaren noch deutlicher als schon zuvor, wie bieder sie spielerisch sind. Es kommt nichts, was die Bezeichnung Reaktion verdienen würde. Nur als der Schiedsrichter plötzlich eine Handvoll harmlose Schweizer Aktionen abpfeift, als würde er seinen Fehler wieder gutmachen wollen, entsteht so etwas wie minimale Gefahr für Yann Sommer.

Es bleibt bei diesem 1:0 für die Schweiz. Es wäre durchaus auch ein zweites Schweizer Tor möglich gewesen mit etwas mehr Konsequenz nach vorne. Doch man sollte die Schweizer dafür nicht tadeln. Sondern eher für ihr überlegtes Agieren loben.

Viel Kampf

Nein, dieses Spiel ist kein Leckerbissen. Vieles ist Kampf. Manchmal auch Krampf. Und manches an der Grenze des Erlaubten. Ganze zehn Sekunden dauerte es, bis der nordirische Captain Davis das erste Mal harten Kontakt sucht mit einem Schweizer. Zuber, der Mehmedis Platz erbt, ist der Leidtragende. Erst tritt ihn der Gegner auf den Fuss. Nur wenig später, noch immer in der Startminute, wird er von McLaughlin von hinten gegen den Kopf traktiert – ebenfalls ungestraft.

Spätestens da ist jedem Schweizer klar, wie die nordirische Gangart an diesem bitterkalten Abend in Belfast sein würde. Denn was die «Green and White Army» nicht mit spielerischen Mitteln lösen kann, macht sie eben mit einem Übermass an Kampf wett. Angepeitscht von herausragenden Fans.

Die Schweiz hält dagegen

Doch die Schweizer halten dagegen. «Wir müssen ihnen mit denselben Waffen antworten», forderte Nationaltrainer Vladimir Petkovic. Genau das tun seine Spieler. Der Start ist gut. In den ersten 20 Minuten müsste zwingend ein Tor gelingen. Aber noch sind die Schweizer nicht vom Glück verfolgt. Xhaka schiesst zweimal drüber.

Der blasse Dzemaili und Seferovic stolpern im dümmsten Moment. Seferovic verpasst später einmal nur um Zentimeter. Noch gelingt es nicht, den Nordiren die Hoffnung zu rauben. Gleichzeitig haben die Schweizer stets alles im Griff. Angeführt vom überragenden Akanji in der Abwehr.

Ganz alles gelingt aber doch nicht. Nach vier Minuten setzt Schär zu einem überharten Tackling an. Es misslingt. Dass er nur die gelbe Karte erhält, ist ziemliches Glück. Und findet beim Penalty seine Fortsetzung. Nur: An der WM kümmert das keinen mehr.

Lesen Sie hier den Spielverlauf im Liveticker nach: