Super League
Kleiner Mann mit breiter Brust – warum Zürichs Marchesano seiner Mannschaft den Sieg gegen YB zutraut

Nach dem Triumph im Cupfinal traut Aufbauer Antonio Marchesano seinem Team einen weiteren Sieg gegen YB zu. Dass der FCZ nach dem Cupsieg aber nun gleich auch noch den Meistertitel holt, will Marchesano nicht prophezeien.

Markus Brütsch
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Antonio Marchesano traut dem FCZ nach dem Cupfinal noch einen Sieg gegen YB zu.

Antonio Marchesano traut dem FCZ nach dem Cupfinal noch einen Sieg gegen YB zu.

Aufhören, wenn es am schönsten ist: Eigentlich hätte der Fussballprofi Antonio Marchesano am späten Nachmittag des 27. Mai zurücktreten müssen. An jenem Sonntag hatte er nicht nur den ersten Titel seiner Karriere geholt, sondern beim 2:1-Sieg im Cupfinal gegen YB auch noch ein wichtiges Tor geschossen. Und weil er dies vor den Augen einer grossen Tessiner Kolonie getanhat, sagt er noch heute: «Die Familie und viele Freunde waren da. Das war der schönste Tag meines Lebens.»

Zürich – Young Boys

Sonntag: 16.00 Uhr

Wie lange hatte er doch auf diesen Moment warten müssen. «Ich habe zuvor in meiner Laufbahn ein bisschen Pech gehabt», sagt Marchesano. Er meint aber nicht schwere Verletzungen, vielmehr spricht er davon, oft genug zur falschen Zeit beim falschen Verein gewesen zu sein. Aufgewachsen in Bellinzona und ausgebildet bei der ACB, debütierte er bereits mit 19 Jahren im Trikotdes FC Locarno in der Challenge League. Doch nach der Rückkehr zu seinem Stammklub musste er miterleben, wie dieser Konkurs ging und sein Vertrag beim FC Sion annulliert wurde, weil dessen neuer Trainer Michel Decastel nichts mit ihm anzufangen wusste.

Als er dann nach zwei Jahren vom FC Winterthur zum FC Biel ging, kam es knüppeldick. Zum einen gab es unter dem Präsidenten Carlo Häfeli das Déjà-vu-Erlebnis eines Konkurses, zum andern musste er danach aus der Ferne zusehen, wie sein künftiger Verein, der FCZ, abstieg und der Traum von der Super League – vorerst – platzte. Doch der sofortige Wiederaufstieg gelang und Marchesano debütierte Ende August 2017 gegen Luzern mit 26 Jahren in der höchsten Liga. Reichlich spät allerdings für einen, der früher zwölf Mal für die U20-Nati aufgelaufen war.

«Wir können jeden schlagen»

So ist es verständlich, dass Marchesano denkt, er habe noch einiges «zugut», und er nach dem Triumph im Cup zu keiner Sekunde ans Aufhören gedacht hat. Nach den sieben mageren Jahren sollen jetzt die sieben fetten folgen. Dass der FCZ nach dem Cupsieg aber nun gleich auch noch den Meistertitel holt, will Marchesano nicht prophezeien.Doch nach den beiden Startsiegen gegen Thun und GC ist seine Brust breit genug, um zu sagen: «In einem einzelnen Spiel können wir jeden schlagen.» Er traut seiner Mannschaft jedenfalls zu, am Sonntag im Spitzenkampf in Bern die Young Boys gleich noch einmal zu besiegen. «Wir wollen gewinnen und ein klares Zeichen an den Schweizer Fussball senden, dass mit uns zu rechnen ist.»

Antonio Marchesano war der Star der Challenge League.

Antonio Marchesano war der Star der Challenge League.

KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI

Das Selbstvertrauen ist gross beim kleinen Mann. Mit nur 1,68 Metern zählt Marchesano zum «U170er-Klub», einer Handvoll von Spielern wie Roger Assalé (YB), Aldo Kalulu (FCB), Hamed Koné (Xamax), Petar Pusic (GC) und FCZ-Teamkollege Hakim Guenouche, die kleiner als 1,70 Meter sind und ihre geringere Körpergrösse mit einer überragenden Technik oder Schnelligkeit kompensieren. Marchesano hat nicht nur ein feines Füsschen und ein gutes Auge für den Mitspieler. Wird er im offensiven Mittelfeld eingesetzt, ist er auch torgefährlich. «Früher spielte ich oft auf der Position einer Nummer 6. Als ich in Biel aber nach vorne rückte, schoss ich Tor um Tor», sagt Marchesano.

Nummer zehn statt acht

Beim FCZ hat er kürzlich die Rückennummer gewechselt. Aus der Acht ist eine Zehn geworden. «Das war immer meine Lieblingsnummer. Auch Vorbilder wie Baggio, Del Piero und Totti trugen sie. Beim FCZ musste ich sie mir aber zuerst einmal verdienen», sagt Marchesano schmunzelnd. Früher hatte der Sohn kalabrischer Eltern einmal von einer Karriere in der Serie A geträumt. «Heute bin ich jedoch Realist und konzentriere mich ganz auf den FCZ», sagt Marchesano. Und ergänzt aus eigener Erfahrung: «Doch man weiss nie im Leben . . .»