Er will Geschichte schreiben, und er will sie mit dem fünffachen Meistercup-Gewinner sofort schreiben: Jürgen Klopp, der Antreiber und populäre Hoffnungsträger des FC Liverpool. Im Vorfeld hatte der smarte Rhetoriker keine Gelegenheit ausgelassen, den Kontrahenten und dessen Star-Coach Pep Guardiola mit Komplimenten zu überhäufen: "Bestes Team in Europa mit dem wahrscheinlich besten Trainer der Welt."

Was dann folgte, war allerdings keine weitere Verneigung vor der City-Prominenz, sondern eine Demütigung des Favoriten, eine Startphase, welche die "BBC" nach dem 3:0 nach einer halben Stunde passend ausschmückte: "Liverpool im Traumland." Klopp klatschte begeistert, Guardiola drehte sich entnervt ab. Ihm war früh klar, dass die 13. Begegnung mit Klopp mit der siebten Niederlage enden würde - gegen keinen anderen Antipoden hat er öfter verloren.

Klopp wird oft auf seine unkonventionelle Gestik und die teilweise wilden Auftritte der von ihm betreuten Teams reduziert. Dabei hat der zur Zeit europaweit faszinierendste deutsche Trainer auch das taktische Repertoire eines veritablen Maestros zu bieten. In den ersten 45 Minuten erteilte die von Klopp perfekt gruppierte und mental phänomenal vorbereitete Merseysider Elf der City von Pep Guardiola gemessen an den aktuellen englischen Liga-Verhältnissen eine beispiellose Lektion.

Liverpool griff den designierten Champion der Premier League frontal an. Ohne Zurückhaltung, ohne Absicherung, furchtlos, phasenweise enthemmt und berauscht, bis zur letzten Körperfaser entschlossen und davon beseelt, die grosse Klubgeschichte um einen denkwürdigen Europacup-Abend zu erweitern. Mit dem Pressing bis zur eigenen Schmerzgrenze überraschten die Reds den viel zu defensiven ausgerichteten Giganten aus Manchester erheblich.

Einer steht derzeit wie kaum ein Zweiter für den Highspeed-Stil astreiner Klopp-Prägung: Mohamed Salah. Der Ägypter stürmt seit seiner Ankunft in der Beatles-Stadt sämtliche Charts der europäischen Fussballszene. Mit seinem 38. Tor im 43. Einsatz für Liverpool leitete der Ex-Basler die beste erste Hälfte in der zweieinhalbjährigen Ära von Klopp ein. Nach Oxlade-Chamberlains 2:0 riss er "The Kop" zum nächsten Jubelsturm hin: mit einer eleganten Flanke, die Sadio Mané zur 3:0-Führung verwertete. Bis zu seinem verletzungsbedingten Out war er der Chef-Unterhalter auf dem Rasen.

Nicht alle aus dem Umfeld der Reds präsentierten sich allerdings von ihrer besten Seite. Bei einigen Fanatikern waren die Emotionen bereits vor dem Kick-off der Affiche des Jahres übergeschäumt. Sie beschossen den City-Teambus mit Flaschen und Petarden, worauf sich der Gastgeber sofort in aller Form entschuldigte und verurteilte die Attacke der Gewalttäter "als absolut inakzeptabel".

Barcelonas Heimbilanz

Im Camp Nou stemmte sich eine wegen zahlreicher physischer Beschwerden ziemlich ramponierte AS Roma relativ lange erfolgreich gegen den La-Liga-Dominator Barcelona (1:4). Vom Kurs kam der Serie-A-Dritte weitgehend selbst verschuldet ab - mit zwei Eigentoren. Zunächst grätschte Daniele Rossi einen für Lionel Messi vorgesehenen Ball ins falsche Tor, dem Lapsus des bald 35-jährigen Captains folgte eine weitere missratene Abwehraktion des griechischen Verteidigers Manolas.

Nach der Eigentor-Doublette erlitten die Römer einen regelrechten Einbruch und verspielten jegliche Chancen, im Rückspiel noch einen Coup zu schaffen. Barça genügte im elften Champions-League-Viertelfinal in Folge eine durchschnittliche Performance, um die imposante Heimserie auszuweiten: 24 ihrer letzten 26 Partien haben die Katalanen gewonnen - bei einem Torverhältnis von 81:13.

Telegramme:

FC Barcelona - AS Roma 4:1 (1:0)

85'000 Zuschauer. - SR Makkelie (NED). - Tore: 38. De Rossi (Eigentor) 1:0. 55. Umtiti 2:0. 59. Piqué 3:0. 80. Dzeko 3:1. 87. Suarez 4:1.

FC Barcelona: Ter Stegen; Semedo, Piqué, Umtiti, Alba; Sergi Roberto (83. André Gomes), Busquets (66. Paulinho), Rakitic, Iniesta (85. Denis Suarez); Messi, Suarez.

AS Roma: Alisson Becker; Bruno Peres, Fazio, Manolas, Kolarov; Pellegrini (60. Gonalons), De Rossi (77. Defrel), Strootman; Florenzi (72. El Shaarawy), Dzeko, Perotti.

Bemerkungen: Barcelona ohne Coutinho (nicht spielberechtigt), Roma ohne Nainggolan, Karsdorp (beide verletzt). 18. Pfostenschuss von Rakitic. Verwarnungen: 44. Kolarov (Foul). 86. Strootman (Foul).

Liverpool - Manchester City 3:0 (3:0)

54'074 Zuschauer (ausverkauft). - SR Brych (GER). - Tore: 12. Salah 1:0. 20. Oxlade-Chamberlain 2:0. 31. Mané 3:0.

Liverpool: Karius; Alexander-Arnold, Lovren, Van Dijk, Robertson; Milner, Henderson, Oxlade-Chamberlain (85. Moreno); Salah (52. Wijnaldum) , Firmino (71. Solanke), Mané.

Manchester City: Ederson; Walker, Otamendi, Kompany, Laporte; Gündogan (57. Sterling), Fernandinho, Silva; De Bruyne, Jesus, Sané.

Bemerkungen: Liverpool ohne Gomez, Matip, Klavan, Manchester City ohne Agüero (alle verletzt). Verwarnungen: 45. Otamendi (Foul). 76. Jesus (Unsportlichkeit). 80. De Bruyne (Foul). 86. Henderson (Foul). 93. Sterling (Foul).