WM-Kolumne

Marc Janko: Das Zirkuspferd springt nur so hoch, wie es muss

Marc Janko schreibt in seiner Kolumne über die Einstellung von Spielern in der Vorbereitung auf ein grosses Turnier.

Marc Janko schreibt in seiner Kolumne über die Einstellung von Spielern in der Vorbereitung auf ein grosses Turnier.

Aus Spielersicht ist der Fall klar: Es gibt wohl kaum eine unangenehmere Zeit, als die Vorbereitungszeit auf einen Grossanlass. Marc Janko erklärt was Spieler in solchen Zeiten fühlen.

Die Vorbereitung auf eine Endrunde ist eine ziemliche Gratwanderung. Ich spreche zwar nur sehr ungern im Namen aller Spieler, aber in diesem Fall wage ich es, folgende Behauptung in den Raum zu stellen: Kein Spieler mag die Zeit im Vorfeld von Grossereignissen, ich kenne zumindest keinen.

So blöd es klingen mag, aber aus Spielersicht sind die Wochen vor einer Endrunde am schwierigsten. Warum? Lässt du die Zügel nach einer langen, kräfteraubenden Saison zu sehr schleifen, kann es dir passieren, dass du den berühmten «Schalter» am Tag «X» nicht mehr umlegen kannst und dir der Gegner die Bälle um die Ohren schiesst.

Investierst du auf der anderen Seite zu viel und gibst Vollgas, so lauern hinter sämtlichen Bewegungen im Maximalamplitudenbereich Verletzungen, die gleichbedeutend mit dem Ende des Turniers sind, noch bevor es überhaupt begonnen hat. Prinzipiell gilt es, einen guten, gesunden Mittelweg zwischen Regeneration und Spannungsaufbau zu finden. Wobei das leichter gesagt als getan ist.

Aus genannten Gründen sorgen dann auch Testspielresultate vor Grossereignissen des Öfteren für Staunen bei Fans und Medien – und haben nahezu keine Aussagekraft. «Dienst nach Vorschrift» oder «bemüht» beschreibt das Gezeigte oft am besten. Das Zirkuspferd springt eben nur so hoch, wie es muss.

Marc Janko, Liebling der FCB-Fans, steht aktuell beim FC Lugano unter Vertrag.

Marc Janko, Liebling der FCB-Fans, steht aktuell beim FC Lugano unter Vertrag.

Aber wer kann es den Protagonisten verübeln? Niemand will sich in Spielen um «die goldene Ananas» so kurz vor dem Turnier verletzen. Als Spieler bist du heilfroh, wenn diese Zeit im Vorfeld einer Endrunde endlich, endlich, endlich vorbei ist und die K.-o.-Spiele anfangen.

Doch nicht nur auf dem grünen Rasen können Kleinigkeiten entscheidend dazu beitragen, ob man seine Ziele erreicht oder nicht. Die richtige Auswahl des Mannschaftshotels zum Beispiel und die dort zur Verfügung stehenden Freizeitaktivitäten können ein Mannschaftklima positiv oder eben auch negativ beeinflussen.

Hast du als Spieler das Gefühl, dass du an freien Tagen am besten im Zimmer bleibst und den gefühlt 3807. Film ansiehst, weil sonst nichts geboten wird, dann hast du bald einen unerwünschten Gast im Quartier, nämlich den «Lagerkoller».

Sie sehen, im Vorfeld einer Endrunde kann man bereits vieles falsch machen. Erfahrene Turniermannschaften haben hier eindeutig einen Vorteil, der nicht ausser Acht zu lassen ist.

Ich freue mich jedenfalls, dass das Turnier endlich begonnen hat.

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