Champions League

Michael Lang – wer ist der Mann, der Manchester abschoss und den FCB zum Träumen animiert?

Schritt für Schritt nach oben – dank Ehrgeiz und Beharrlichkeit. Doch wohin führt der Weg von Michael Lang noch?

Schritt für Schritt nach oben – dank Ehrgeiz und Beharrlichkeit. Doch wohin führt der Weg von Michael Lang noch?

Michael Langs Karriere ist auf Kurs. Eine feste Grösse beim FC Basel, wichtig in der Nationalmannschaft. Doch wer ist eigentlich der Mann, der gegen Manchester United traf? Eine Spurensuche.

Eigentlich hätte es Michael Lang, den Manchester-Torschützen, gar nicht geben sollen. Besonders, wenn es nach ihm selbst geht. Warum? Einige Jahre sind vergangen seither, aber Daniel Lopar erinnert sich gut daran. «Er hat von Anfang an immer gesagt: Ich will im Zentrum spielen! Zentrum, Zentrum, Zentrum – nur das.» Lopar ist Torhüter des FC St. Gallen und war das schon in der Saison 2009/10. In jener Saison, als Lang seine ersten Spiele in der Super League bestritt. Und das am liebsten als zentraler Mittelfeldspieler getan hätte. Zinédine Zidane war das Vorbild.

Uli Forte hiess damals Langs Trainer. Er musste sich einigen Fragen von Langs Umfeld stellen. Aussenverteidiger? Es ist nicht gerade die Position mit dem meisten Sexappeal im Fussball. Aber eine Position, die im modernen Fussball immer wichtiger wird. Eine Position auch, auf der man durchaus Spiele in der Champions League entscheiden kann. Zum Beispiel gegen Manchester United.

Michael Lang: "Ich musste mein Trikot tauschen, weil Ibrahimovic meines wollte."

Michael Lang nach dem Sieg gegen Manchester United: «Ich musste mein Trikot tauschen, weil Ibrahimovic meines wollte»

Lang und seine Beharrlichkeit

Seinen Aufstieg verdankt Lang auch einer gewissen Beharrlichkeit. Uli Forte erinnert sich: «Es gibt ein Bild von ihm, von der Aufstiegsfeier mit St. Gallen 2009, da tanzte er oben ohne im Bus – er war eher ein ‹Spränzel›.» Lang arbeitet gewissenhaft, auch an seinem Körper. «Er war derjenige, der vor dem Training im Kraftraum stand. Der nach Spielen ein persönliches Programm folgen liess. Es ist kein Zufall, dass er nun eine Hochleistungsmaschine geworden ist.» Lopar sagt: «Er war sehr früh sehr reif, wusste genau, was er wollte. Und auch einen gewissen Ehrgeiz konnte ihm niemand absprechen.»

Nach dem Abstieg mit St. Gallen wechselt er zu GC. Bald trifft er wieder auf Forte, seinen grössten Förderer. Als er mit den Hoppers zurückkehrt in die alte Heimat, wird Lang – im Gegensatz zu anderen, die denselben Weg gingen – nie ausgepfiffen. Es könnte Zufall sein. Wahrscheinlicher aber ist, dass Lang eine Art hat, die ankommt.

Marco Streller stürmt auf Torschütze Michael Lang zu.

Marco Streller stürmt auf Torschütze Michael Lang zu.

Das bemerkt auch Bernhard Heusler, der langjährige FCB-Präsident. In der Saison 2014/15 sitzt er im Letzigrund. Es ist ein Spiel GC gegen Basel, «eines von so vielen in meiner Zeit», und doch fällt ihm an diesem Abend jemand besonders auf: Lang. Als Antreiber führt er GC an. «In diesem Moment dachte ich: So eine Persönlichkeit, das wäre ein Segen für uns.»

Der Transfer klappt im folgenden Sommer. Seither beackert Lang die rechte Seite beim FC Basel. Innert Kürze entwickelt er sich zu einem Führungsspieler. Und bestätigt die Eindrücke einer Figur, die auch abseits des Rasens mit klugen Gedanken auffällt und dabei stets bescheiden bleibt.

Und jetzt ist Michael Lang, 26-jährig mittlerweile, in der Basler Euphorie so etwas wie der Mann der Woche. Sein Tor gegen Manchester United hat Verein und Stadt in einen Strudel voller Glücksgefühle gerissen. Und sich selbst gleich mit dazu. Schon auf dem Platz übermannten ihn die Gefühle, die Tränen kehrten auch beim ersten Interview danach fast zurück. Es waren bewegende Szenen.

Das perfekte Abbild des FCB

Lang ist auch das perfekte Abbild des FC Basel in dieser Saison. Wie das ganze Team konnte auch er gewisse Schwankungen nicht verhindern. Es gab manch einen schlechteren Auftritt. Aber auch manch grossartigen. Er war es schon, der beim schwindelerregenden 5:0 gegen Benfica Lissabon das erste Tor erzielte.

Und er war es nun, der das Tor zum Achtelfinal in der Königsklasse Champions League weit aufstiess. Auch der Bedeutung für sich selbst ist er sich bewusst. «Eindeutig, es ist das wichtigste Tor meiner Karriere», sagte er gleich nach dem Spiel.

Wenn Lang für die «Schweiz am Wochenende» zurückschaut auf seine ersten Erfahrungen als Profi, dann denkt er an ein «gewisses Lehrgeld», das er zahlen musste. «Als rechter Verteidiger spielst du immer gegen die besten und schnellsten Spieler des Gegners, das war nicht nur einfach.» Auch den Ehrgeiz streitet er keineswegs ab.

Der Ball ist im Netz, Torschütze Michael Lang kann sein Glück kaum fassen.

Der Ball ist im Netz, Torschütze Michael Lang kann sein Glück kaum fassen.

«Ich wollte mir und allen anderen beweisen, dass es mir reicht für die Super League.» Das ist längstens geglückt. Genauso wie der Sprung ins Nationalteam. Obwohl Lang im Schatten von Captain Lichtsteiner steht, sind ihm Freude und Ehre, in der Landesauswahl zu stehen, immer anzusehen.

Held sein. Es ist eine Rolle, die Lang nicht aktiv sucht. Aber er weicht ihr eben auch nicht so bemühend aus, wie das gerne mal vorkommt im Business. Genauso wenig verweigert er sich dem ewigen Basler Thema der sogenannten «Identifikationsfiguren». «Das Thema ist etwas mühsam, es wurde wahrscheinlich schon einiges zu viel geschrieben», sagt Lang.

Dann fügt er an: «Im besten Fall ist ein Spieler natürlich aus Basel, seit 20 Jahren da und seit 15 Jahren im Nachwuchs. Ich als Fan würde das auch am liebsten so sehen. Auf der anderen Seite kann man auch eine Identifikationsfigur werden. Sich über Leistung in den Vordergrund spielen. Ich bekomme derzeit in Basel jedenfalls genügend Anerkennung, um zu merken: Ich bin wohl auf einem guten Weg.»

Wohin dieser Weg führt? Es ist eine offene Frage. Weil man Lang irgendwie gerne einmal in einem grossen Team einer grossen Liga sehen würde. Der FC Luzern als nächster Halt nach Manchester United? Es müsste nicht zwingend sein.

Meistgesehen

Artboard 1