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Mit einem Appell an die Eigenverantwortung

Die Zeit der Geisterspiele ist fürs Erste vorbei

Die Zeit der Geisterspiele ist fürs Erste vorbei

Ab dem 1. Oktober dürfen unter strengen Auflagen wieder mehr als 1000 Zuschauer in die Stadien, denn zwei Drittel der Sitzplätze dürfen belegt werden. Was bedeutet das fürs Eishockey und den Fussball?

Zuerst einmal ist diese Lockerung - es gibt nur Sitzplätze und es sind keine Gästefans erlaubt - für die Vereine beider Sportarten überlebenswichtig. Allerdings sind die Probleme damit bei weitem nicht gelöst, die Herausforderungen sind weiterhin gross. "Wir hätten uns natürlich gewünscht, die vollen Sitzplatzkapazitäten nutzen zu dürfen, aber wenigstens können wir mit Zuschauern spielen", sagte Denis Vaucher, der Direktor der National und Swiss League, im Interview mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Bei sämtlichen Vereinen der höchsten Eishockey-Liga sind die Zuschauerdurchschnitte der letzten fünf Jahre deutlich höher als die ab dem 1. Oktober erlaubten Kapazitäten. Zudem führen weniger Fans auch zu weniger Einnahmen in der Gastronomie. Am härtesten betroffen ist der SC Bern, der in der vergangenen Qualifikation durchschnittlich vor 16'237 Zuschauern spielte und nun nur noch vor 6750 Fans antreten darf, da die imposante Stehplatzrampe bestuhlt werden musste.

Erschwerend kommt für den SCB hinzu, dass rund 10'500 Saisonabonnemente und noch rund 500 Kinderabos verkauft wurden. Deshalb können nur die Sponsoren im VIP-Bereich sämtliche Heimpartien sehen, die Abonnenten wurden in zwei Gruppen à je 4750 Leute eingeteilt, die je zu 50 Prozent der Heimspiele Zutritt haben, wobei jeder Gegner mindestens einmal gesehen werden kann.

Wie CEO Marc Lüthi auf der Homepage des Vereins bekannt gibt, betragen alleine die Investitionen für Schutzmassnahmen und Covid-Anpassungen in der Arena eine knappe halbe Million Franken. Obwohl das Budget angepasst wurde - unter anderem verzichten alle Angestellten auf Lohn-, rechnet er mit einem Verlust von 4,5 Millionen Franken in diesem Geschäftsjahr.

Auch der EV Zug, die SCL Tigers und Fribourg-Gottéron haben mehr Saisonkarten verkauft, als Zuschauer ins Stadion können. Erstere beiden Klubs lösen das Dilemma ebenfalls mit Gruppen. Beim EVZ konnten sich die Fans zwischen dem Spielplan "Blau" und "Wiis" entscheiden. Bei Gottéron ist die Differenz klein. Nimmt man den Zuschauerschnitt als Massstab, kommen die ZSC Lions am glimpflichsten davon, umso mehr, als es im Hallenstadion nur Sitzplätze gibt. Die maximale Kapazität beträgt nun 7662, das ist die höchste aller Klubs in der National League.

Allerdings wird sich erst zeigen, wie die Fans auf all die notwendigen Massnahmen reagieren, obwohl die Solidarität gross zu sein scheint. Halten sie sich nicht an die Regeln wie eine Maskenpflicht können Stadionverbote bis zu drei Jahren ausgesprochen werden. Letzteres ist dann der Fall, wenn jemand trotz eines positiven Corona-Tests ein Spiel besucht. Ausserdem droht bei Zuwiderhandlungen, dass wieder weniger oder gar keine Zuschauer zugelassen werden. "Die Eigenverantwortung von allen ist mit Abstand das Wichtigste. Die Leute müssen sich an die Masken- und Sitzplatzpflicht halten, an die Registrierung und die Richtlinien für die Verpflegung", betont deshalb Vaucher. "Wenn uns die Behörden verbieten, mit Zuschauern zu spielen, dann wird es enorm schwierig zu überleben."

Etwas besser sieht es im Fussball aus. Dort gibt es mit dem FC Zürich und Servette zwei Mannschaften, deren Kapazität ab dem 1. Oktober deutlich höher ist als der Zuschauerschnitt. Im Vergleich zum Eishockey sind die Rückgänge der Fans aufgrund der Coronavirus-Pandemie prozentual kleiner. Die Young Boys beispielsweise können das Stadion mit 20'000 Fans füllen - der Schnitt in der letzten Spielzeit betrug 26'708.

Dennoch werden die Berner in der Gastronomie mit einem reduzierten Angebot arbeiten. Ausserdem setzen sie trotz der geringeren Zuschauerzahl mehr Stewards ein - die Zahl wird pro Heimspiel von ungefähr 250 auf rund 400 erhöht. Die zusätzlich ausgebildeten "Corona-Stewards" sollen dafür sorgen, dass die Fans die Regeln einhalten - ein weiterer Aspekt, den die ganze Krise mit sich bringt.

So oder so steht in beiden Sportarten eine Saison der Unsicherheit bevor, sind die Vereine doch trotz ausgeklügelter Schutzkonzepte abhängig von der Entwicklung des Virus. Steigen die Zahlen drastisch an, dürften die Massnahmen wieder verschärft werden. Zudem liegt die Hoheit bei den Kantonen. Diese sind für die Bewilligungen zuständig und können diese jederzeit widerrufen respektive einschränkende Auflagen verfügen, wenn sich die epidemiologische Lage verschlechtern sollte. Unterschiedliche Handhabungen wiederum würden zu unterschiedlichen Voraussetzungen führen, was zur Frage führt, bis wann die Meisterschaften als regulär bezeichnet werden können. Vorerst einmal überwiegt jedoch das Positive.

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