Schwarzer Rauch neben dem Roche-Turm in Basel. Grossbrand am Rheinhafen in Kleinhüningen, Gift-Alarm in der Stadt. Über der Brüglinger Ebene kreist ein Milan. Die Luft flimmert über dem Kunstrasen, 37 Grad zeigt die LED-Anzeige auf dem Campus-Gelände an. Einer der heissesten Tage neigt sich langsam dem Ende zu.

Es ist Tag eins von Alex Frei als Interimstrainer des FC Basel, der erste Tag nach der Entlassung von Raphael Wicky. Die Spannung ist greifbar. Warum diese Entlassung nach nur zwei Ernstkämpfen? Waren es die Resultate? Die Forderungen des Trainers nach Verstärkungen? Die Entwicklung der Mannschaft?

Man kann nur mutmassen, der FCB hüllt sich in Schweigen. Auch am Freitag. Pressekonferenz abgesagt, Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Alex Frei und Assistent Marco Schällibaum sollen Ruhe haben vor ihrem ersten Auftritt, dem so eminent wichtigen zweiten Saisonspiel gegen Aufsteiger Xamax. Ruhe mitten im Sturm. Frei im Auge des Hurrikans.

Sportchef Marco Streller hat sich kurz vor der Kurve vor Alex Frei geschoben.

Sportchef Marco Streller hat sich kurz vor der Kurve vor Alex Frei geschoben.

Und dann kommen sie, Sportchef Marco Streller und das Trainerteam. Sie biegen ab vom «Kilometerwäägli» auf das Strässchen Richtung Campus-Gebäude. Streller beschleunigt kurz, setzt sich an die Spitze des Feldes. Er hat den heissen Wind im Gesicht. Ein fast schon symbolischer Akt.

Denn nach der Trennung von Wicky, die entweder zu spät oder zu früh kam, hat Streller keinen Schutzschild mehr. Jetzt hagelt die Kritik direkt auf ihn ein. Er ist zum Erfolg verdammt. Kommt der auch unter dem neuen Trainer nicht, dem Mann, der auf Alex Frei folgt, dann ist Streller geliefert. «Sali zämme», sagt er. Betont locker.

Salat und Wasser

Hier soll ein Erdbeben stattgefunden haben? Das fragt man sich am Mittag im Einkaufszentrum im Joggeli. Der Klub wurde am Tag zuvor von der Entlassung des Konzept- und Wunsch-Trainers der neuen Führung durchgeschüttelt.

Aber hier nimmt alles seinen gewohnten Lauf: Ehemänner schleppen Einkaufssäcke hinter zielstrebigen Ehefrauen her, Grossmütter stossen Kinderwagen durchs Neonlicht, die Wassermelonen gibt es zum Aktionspreis von 95 Rappen pro Kilo.

Klimatisierter Hochsommer im Basler Konsumtempel. Und dann kommt plötzlich FCB-Mediensprecher Simon Walter. Was machen Sie hier? Eine Reportage. «Ich möchte Sie einfach bitten, dass Sie mit niemandem sprechen», ermahnt er. Respekt, bitte.

Was soll Wicky jetzt machen?

13 Uhr, Terrasse vor der Rotblau-Bar, Teamsitzung. Alex Frei versammelt sein Interimsteam zur Lagebesprechung. «Wer ist das?», fragt die eine Kellnerin ihre Kollegin. «Matías Delgado», entgegnet sie, «der war mal der Held der Fans und ist vergangene Saison zurückgetreten.»

Neben dem Techniktrainer sitzen Fitnesscoach Michael Müller, Spielerentwickler und Assistent Thomas Häberli, Interimsassistent Marco Schällibaum und U16-Trainer Romain Villiger am Tisch. Später kommen Fabian Frei, Videoanalyst und Alex Freis Bruder, und Konditionstrainer Mathieu Degrange hinzu. Bei Salat und Wasser wird der Schlachtplan besprochen. Wer fehlt? Wer kommt zurück? Wie fegen wir Xamax vom Kunstrasen?

Der Überraschungsgast

Als die Spieler um 16.47 Uhr beim Campus eintreffen, steht Frei mit Schällibaum und Häberli auf dem künstlichen Grün. Für Schällibaum ist es eine Rückkehr zu seinen Trainerwurzeln. Hier stieg er 1997 ins Trainer-Business ein. Er war Assistent, als Guy Mathez 1999 als Trainer entlassen wurde. Schällibaum übernahm interimistisch für ein paar Spiele, während Mathez zum letzten titellosen Trainer vor Wicky wurde.

Am Tor zum Campus wird Neuzugang Silvan Widmer um ein Autogramm gebeten. Nachdem er das Spiel gegen Paok Thessaloniki wegen einer Magendarm-Grippe verpasste, ist er gegen Xamax wieder dabei.

Genauso wie Samuele Campo, der seine Muskelverletzung auskuriert hat. Am Tor steht auch ein Überraschungsgast: Der letzte Saison dauerverletzte Ersatzkeeper Germano Vailati herzt seine ehemaligen Teamkollegen. Valentin Stocker meint: «You look fantastic.» Alles normal, alles gut. Als wäre nichts geschehen.

Alles wie immer

Diesen Eindruck will der FCB am Tag eins nach Wicky erwecken. Scherze beim Aufwärmen. Alles wie immer. Im Hintergrund umarmt Kaderplaner Remo Gaugler in rot-blau-weissem Karo-Hemd Assistent Schällibaum, dann sitzt Gaugler lange mit Streller auf der Bank, während die Spieler von ihren neuen Chefs über den Platz dirigiert werden. Abschlussübung. Valentin Stocker verzieht meterweit.

Alex Frei: «Hee Vale!» Stocker knallt den Ball ins Lattenkreuz. «Okeee Valentino!» Und Schällibaum sagt irgendwann zu ihm: «Du bist ein Riesen-Spieler. Eigentlich.» Als das Training kurz vor 18 Uhr fertig ist, spricht Schällibaum länger mit Fabian Frei und Luca Zuffi. Vielleicht ein Indiz dafür, dass die Freunde gegen Xamax zusammen im defensiven Mittelfeld spielen und Eder Balanta in die Innenverteidigung rückt.

Als auch Fabian Frei und Zuffi davonpedalen, ist der Rauch am Horizont längst nicht mehr so dunkel. Der Brand ist unter Kontrolle. Aber ein neuer Trainer ist noch immer nicht gefunden. Heisse Tage sind das in Basel, heisse Tage sind es beim FCB.