Es ist das letzte Testspiel vor der WM. Am Freitag um 19 Uhr trifft die Schweiz in Lugano auf Japan. Es ist auch das Spiel, in dem Nati-Captain Stephan Lichtsteiner sein Jubiläum feiern dürfte.

99 Länderspiele hat er bisher absolviert – er ist auch mit 34 Jahren noch kein bisschen müde. Er lechzt nach dem grossen Wurf mit dem Schweizer Team. Am liebsten schon in Russland. Am Dienstag machte Lichtsteiner seinen neuen Vertrag mit Arsenal öffentlich. In der nächsten Saison will er mit den Londonern den Schritt zurück in die Champions League schaffen. «Und am liebsten zusammen mit Granit Xhaka eine Trophäe stemmen.»

Zunächst steht aber der 100. Auftritt im Schweizer Shirt auf dem Programm. Grund genug, um mit dem Captain auf seine Nati-Karriere zurückzuschauen. Die «Nordwestschweiz» zeigt ihm acht prägende Bilder dieser Zeit und lässt ihn darüber erzählen. Vor allem eines dringt immer wieder durch: wie sehr er den Erfolg will für diese Schweizer Mannschaft.

15. November 2006

15. November 2006

Debüt im Testspiel gegen Brasilien

«Ich bin kein Mensch, der sehr auf Zahlen fixiert ist. Natürlich ist die Ehre gross, im Schweizer Dress auflaufen zu dürfen. Es war für mich schön, nach zwei Jahren mit GC und eineinhalb Jahren bei Lille den nächsten Schritt zu erreichen und mich auf dieser Bühne beweisen zu können. Die Konkurrenz war schon damals gross, ich musste einige Zeit hinter Bernt Haas und Philipp Degen anstehen. Ich habe mich durchgekämpft.

3. Juni 2008

3. Juni 2008

Vorfreude auf die Heim-EM

«Die Heim-EM war das erste grosse Turnier von mir. Jeder wollte eine speziell gute Figur abgeben. Wir hatten grosse Ziele. Am Ende sind wir schon nach zwei Spielen ausgeschieden, das ist das, was geblieben ist. Es hätte nicht sein müssen, ich erinnere mich an eine Riesenchance von Hakan Yakin gegen die Türkei, es wäre das 2:0 gewesen…

Die Unterstützung im Schweizer Volk ist immer da. Ich nehme es aber auch als kritische Stimme wahr. Und so soll es auch sein. Erfolg ist man sich mittlerweile gewohnt. Und das ist das grösste Kompliment, das es geben kann. Also braucht es noch mehr Erfolge, um alle hinter uns zu kriegen.»

16. Juni 2010

16. Juni 2010

Historischer WM-Sieg gegen Spanien

«Eigentlich ist das ja fast unmöglich. Du besiegst zuerst den grossen Gruppen-Favoriten Spanien. Und fliegst dann trotzdem aus dem Turnier. Das ist unbefriedigend, natürlich. Und schade. Wenn ich jetzt an den Sieg gegen Spanien zurückdenke, dann kommen die Gedanken ans «Danach» logischerweise auch ziemlich schnell. Die Frage, ob es, alleine betrachtet, mein schönster Sieg war, stellt sich für mich nicht.

Ich finde jeden Sieg wichtig und schön. Egal, ob es gegen einen «Grossen» oder einen «Kleinen» ist. Für mich geht es in jedem Spiel nur ums Gewinnen. Wenn ich das Spiel von damals mit dem Testspiel vom letzten Sonntag vergleiche, sah ich ein Schweizer Team, das viele Fortschritte gemacht hat. Der Abstand zu den Topteams hat sich verringert. So, dass an einem Tag, an dem alles stimmt, eine Überraschung möglich ist.»

6. September 2013

6. September 2013

Zwei Tore erzielt – und doch nur ein 4:4 gegen Island in der WM-Qualifikation

«Ja, dieses Spiel! Ein entscheidendes war es – und dann so etwas. Mit einem Sieg hätten wir die WM fast schon planen können. Das Unentschieden setzte uns für die Reise nach Norwegen unter Druck. Darum war es unverantwortlich, dass wir einen 4:1-Vorsprung aus der Hand gaben. Dass ich zwei Tore selbst geschossen habe, ist dann auch nichts mehr weiter als ein Detail. Drei ihrer vier Tore waren Sonntagsschüsse, der letzte in der Nachspielzeit.

Trotzdem: Das darf nicht passieren. Und ich bin überzeugt, dass wir diese Partie noch verloren hätten, wenn sie fünf Minuten länger gedauert hätte. Danach haben wir die eine oder andere Nacht nicht wirklich gut geschlafen. Und doch war das auch eine Erfahrung, die das Team machen musste. Entscheidend ist, wie eine Mannschaft mit so einem Erlebnis umgeht. Wir reagierten mit einem 2:0-Auswärtssieg in Norwegen vier Tage später.»

1. Juli 2014

1. Juli 2014

Der bitterste Moment – 0:1-Nieerlage im WM-Achtelfinal gegen Argentinien

«Eigentlich ist das ja fast unmöglich. Du besiegst zuerst den grossen Gruppen-Favoriten Spanien. Und fliegst dann trotzdem aus dem Turnier. Das ist unbefriedigend, natürlich. Und schade. Wenn ich jetzt an den Sieg gegen Spanien zurückdenke, dann kommen die Gedanken ans «danach» logischerweise auch ziemlich schnell. Die Frage, ob es, alleine betrachtet, mein schönster Sieg war, stellt sich für mich nicht.

Ich finde jeden Sieg wichtig und schön. Egal, ob es gegen einen «Grossen» oder einen «Kleinen» ist. Für mich geht es in jedem Spiel nur ums Gewinnen. Wenn ich das Spiel von damals mit dem Testspiel vom letzten Sonntag vergleiche, sah ich ein Schweizer Team, das viele Fortschritte gemacht hat. Der Abstand zu den Topteams hat sich verringert. So, dass an einem Tag, an dem alles stimmt, eine Überraschung möglich ist.»

6. September 2016

6. September 2016

Meine Rolle als Captain

«Captain zu sein – da ändert sich eigentlich nicht viel für einen eher dominanten Typen wie mich, der immer hinsteht und sagt, was Sache ist. Natürlich, ich rede ein bisschen mehr mit dem Trainer. Und wenn es darum geht, Prämien auszuhandeln, ist das jetzt auch eine meiner Aufgaben. Klar ist auch, dass sich der Fokus der Mitspieler und der Öffentlichkeit noch ein bisschen mehr auf dich richtet, das schon.

Der Captain ist das Vorbild Nummer 1. Aber auch der Captain ist ein normaler Mensch, der auch Fehler macht. Mir geht es als Captain aber nicht um irgendeine individuelle Krönung. Alles andere als das Gewinnen ist nebensächlich.  Auch bevor ich Captain wurde, hatte ich einen intensiven Austausch mit dem Trainergepflegt.»

12. November 2017

12. November 2017

Der extreme Druck in der WM-Barrage

«Diese Szene sieht irgendwie cool aus. Es war eine Situation wie gemacht für mich. Weil ich das bei Juventus schon viel erlebt habe. Wenn ich auf dem Bild das Wetter so sehe – fast wie in Nordirland. Man konnte an diesem Sonntag in Basel kaum Fussball spielen. Die Barrage blieb bis zum Ende der 180 Minuten ein grosses Nervenspiel. Der Druck war immens, auch wenn er durchaus auch von uns selbst kam.

Wir wollten unbedingt an diese WM, und wussten, dass wir es auch verdienen. Gleichzeitig hatte ich plötzlich das Gefühl, dass man uns mancherorts zu einem Brasilien oder Spanien emporhebt und klar macht: Ihr müsst diese Nordiren 4:0 oder 5:0 weghauen. Das ist schon etwas fragwürdig – aber wir können damit leben, dass es am Ende ein 1:0 geworden ist. Die Erfahrung hat uns ziemlich sicher reifer gemacht, weil wir bis zur letzten Sekunde mit- und füreinander kämpfen mussten.»

29. Mai 2018

29. Mai 2018

Grosse Ziele vor der WM

«Wir dürfen uns keine Limiten setzen. Die Mannschaft ist weit. Wir kommen aus einer extrem positiven Phase – und das gibt Vertrauen. Aber wie die WM wirklich verlaufen wird, ist auch eine Frage der Tagesform, sowie des Glücks. Das ist natürlich auch so, weil wir in eine sehr schwierige Gruppe mit Brasilien, Serbien und Costa Rica gelost wurden. Trotzdem bin ich überzeugt davon, dass wir es packen.

Schlussendlich geht es auch darum, Grosses zu erreichen. WM- oder EM-Teilnahmen, das sind wir Schweizer uns mittlerweile gewohnt. Und sogar auch, dass wir die Gruppenphase überstehen. Aber ein K.-o.-Spiel zu gewinnen, das hat noch kein Schweizer Team geschafft. Wir arbeiten darauf hin. Und ich bin überzeugt, wenn man sein Level wieder und wieder und wieder bestätigt, dann ist irgendwann der Moment für den grossen Wurf gekommen.»