FC Basel

Ohne Wahrheit kein Vertrauen: Darum hat der FCB Probleme mit der Kommunikation

Wie weiter FCB? Präsident Bernhard Burgener will in Zukunft vor allem die Kommunikation verbessern.

Wie weiter FCB? Präsident Bernhard Burgener will in Zukunft vor allem die Kommunikation verbessern.

FCB-Präsident Bernhard Burgener will nicht mit Halbwahrheiten aufräumen. Dabei wäre das laut Kommunikationsexperten so wichtig.

Zwei Geschichten, aber nur eine ist wahr. Version Nummer 1 erzählte FCB-Präsident Bernhard Burgener am Dienstag an der Pressekonferenz. Demnach habe Sportdirektor Marco Streller lediglich pro forma mit Aarau-Trainer Patrick Rahmen verhandelt. Für den Fall, dass Marcel Koller zum Beispiel von «Juventus Turin» abgeworben würde. Eine Freistellung von Marcel Koller hat es gemäss Burgener zu keinem Zeitpunkt gegeben. Trotzdem ist Sportdirektor Streller «aus freien Stücken» anschliessend zurückgetreten. Um alle Beteiligten zu schützen, will Burgener keine Gründe zum Rücktritt nennen. Auch eine Krise würde der Streller-Verlust nicht auslösen. Schliesslich habe der Sportchef auf dem Transfermarkt gute Vorarbeit geleistet. Zudem bleibe die Vereinsikone dem FCB ja als Verwaltungsrat erhalten.

Version Nummer 2 erzählt der «Blick». Demnach sei Marcel Koller am Mittwoch über seine bevorstehende Freistellung informiert worden. Der Trainer habe daraufhin seine privaten Dinge aus dem Büro geholt. Burgener habe anschliessend – auch unter dem Einfluss von FCB-CEO Roland Heri – die Entlassung revidiert, worauf Sportchef Streller keine andere Wahl sah, als zurückzutreten. «Es sind Sachen passiert, die ich nicht hinnehmen kann», schreibt Streller in seiner Abschieds-SMS.

Der Grund für die Gerüchte

Welche Version entspricht der Wahrheit? Oder sind am Ende beide Geschichten nicht mehr als Halbwahrheiten und damit genau das, was Burgener in der Berichterstattung der letzten Tage öffentlich bemängelte? Egal, welche Version stimmt: Es gibt gute Gründe, an den Aussagen der FCB-Bosse zu zweifeln, und genau darin liegt das Problem in der Basler Kommunikation. Ohne Wahrheit kein Vertrauen.

Weil Burgener am Dienstag die Chance verstreichen liess, mit den zahlreichen Gerüchten aufzuräumen, köcheln diese weiter vor sich hin. Das ist keine gute Ausgangslage für einen FCB, der die unrühmliche Chaos-Woche am liebsten abhaken und nur noch nach vorne schauen würde. Doch so bleibt das Pulverfass explosiv. Durch Burgeners Aussagen an der Pressekonferenz hat das Vertrauen der FCB-Familie in den Präsidenten weiter gelitten. An der GV war der Anteil der Burgener-Befürworter bereits auf 65 Prozent gesunken. Es ist davon auszugehen, dass es nach den Querelen der vergangenen Tage nicht mehr geworden sind.

Die Wahrheit ist absolut zentral

Auch intern hat Bernhard Burgener Kritiker. Dass so mancher FCB-Mitarbeiter der eigenen Führung mittlerweile nicht mehr vertraut, ist ein Grund dafür, dass bei Rotblau immer wieder Interna nach aussen getragen werden.

Burgener erklärte an der Pressekonferenz, dass er sich in Kommunikationsfragen beraten lässt. Allerdings nicht vom FCB, sondern extern. Bei börsennotierten Unternehmen funktioniert die Kommunikation allerdings anders als bei einem Fussballklub. Das musste Burgener schmerzhaft erfahren. Auch die Wahrheit kann manchmal schmerzhaft sein. Doch langfristig ebnet sie den besseren Weg in eine erfolgreiche Zukunft.

Kommunikationsexperte: «Vermeiden Sie Antworten wie ‹kein Kommentar›»

Wie wichtig ist die Wahrheit in der Kommunikation?

Markus Siegenthaler: Wahrheit ist die Grundlage des Vertrauens. Allerdings gibt es bei fast allen Fragen unterschiedliche Perspektiven.

Wie kommuniziere ich, um intern und in der Öffentlichkeit Vertrauen zu generieren?

Verzichten Sie auf klare Falschinformationen, Verwedelungen und Halbwahrheiten, die einen wichtigen Teil der Information aussparen, um einen falschen Eindruck zu suggerieren. Ganz wichtig: Bleiben Sie sich selber treu.

Wie soll mit Halbwahrheiten und Gerüchten umgegangen werden?

Wenn sie von innen kommen, ist es einfacher, ihnen auf den Grund zu gehen und strittige Fragen zu klären. Werden Sie von extern mit Gerüchten eingedeckt, sollten Sie es trotzdem versuchen und erst dann Stellung beziehen, wenn Sie genügend Klarheit über die Hintergründe haben. Vermeiden Sie aber patzige, abwehrende Antworten wie «kein Kommentar», sondern zeigen Sie Dialogbereitschaft und machen Sie Ihre Bemühung transparent, der Sache auf den Grund zu gehen.

Hätten Sie Herrn Burgener geraten, Klartext zu reden, oder war es richtig, auf Interna zu verweisen?

Das Interview im «Blick» war sicher nicht förderlich und entspricht seinem Verhalten als Unternehmer. In der Rolle als FCB-Präsident sollte er zwar persönlich hinstehen und fassbar sein, wichtige Fragen müssen aber zuerst geklärt sein, bevor sie an die Öffentlichkeit gelangen. Hierzu bleibt heute leider fast keine Zeit. Informationen verbreiten sich in kürzester Zeit, vor allem beim FCB, der eine einmalig grosse Fan-Gemeinde emotional zu bewegen vermag. Darum sollten Verhandlungen über Personalien in einem geschützten Rahmen stattfinden und das Ergebnis erst kommuniziert werden, wenn alles besiegelt ist. Ein Verein wie der FCB ist wegen seiner grossen Ausstrahlung extrem schwer zu führen. Hier wünschte ich mir auch seitens der Fans und der Medien mehr Verständnis für Fehler. Auch ein Präsident hat das Menschenrecht, Fehler zu machen.

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