Eine kurze Umarmung, ein Klaps auf die Schultern und ein kräftiger Handschlag: Silvan Widmer und Loris Benito begrüssen sich im Panoramahotel Resort & und Spa in Feusisberg herzlich. «Es ist ein schöner Zufall, dass Trainer Vladimir Petkovic Silvan und mich gleichzeitig zum ersten Mal für die A-Nationalmannschaft aufgeboten hat», sagt Benito. «Wir kennen uns schon lange, waren zusammen an der Sportkanti in Aarau und spielten gemeinsam für den FC Aarau.» Widmer lächelt. «Natürlich erinnere ich mich an die gemeinsamen Zeiten in der Schule und im Brügglifeld. Hätte noch vor zwei Jahren jemand gesagt, dass Loris und ich in der Saison 2014/15 bei einem europäischen Spitzenklub spielen, wäre er wohl ausgelacht worden.»

Heute lacht keiner mehr über die zwei Abwehrspieler. Benito hat einen Marktwert von 2,25 Millionen Euro, wechselte auf diese Saison hin mit einem Fünfjahresvertrag vom FC Zürich zum portugiesischen Spitzenklub Benfica Lissabon und verpasste am Sonntag das Derby gegen Sporting Lissabon nur wegen einer Entzündung im linken Fuss. Widmer hat einen Marktwert von 2,5 Millionen Euro, spielt seit gut einem Jahr für Udinese Calcio und ist beim italienischen Serie-A-Verein auf gutem Weg zum Stammspieler. Beim 2:0-Sieg gegen Empoli zum Saisonauftakt zählte der Rechtsverteidiger am Sonntag zur Startformation, rannte auf der rechten Seite rauf und runter und zeigte eine starke Leistung.

Auf dem Radar der renommierten Klubs

Ob sich Benito bei Benfica Lissabon durchsetzen wird, steht in den Sternen. Widmer aber ist bereits eine grosse Nummer. Dass er gestern Abend während der Swiss Football Awards 2014 zum «Rookie of the Year» gewählt wurde, ist kein Zufall. Der junge Mann gilt in Italien als Versprechen für die Zukunft. Renommierte Klubs wie die AC Milan und Juventus Turin haben den jungen Schweizer längst auf ihrem Radar. Und die italienischen Gazetten vergleichen Widmer bereits mit Juventus-Abwehrspieler Stephan Lichtsteiner.

Ausgerechnet mit jenem Lichtsteiner also, der auf der gleichen Position wie Widmer spielt, also ein Konkurrent des Ex-Aarauers ist. Widmer startet bei Udinese momentan also richtiggehend durch. Für ihn war der Trainerwechsel vom 58-jährigen Francesco Guidolin zum 38-jährigen Andrea Stramaccioni auf diese Saison hin ein kleiner Segen. Verbannte Oldie Guidolin Widmer in der letzten Saison immer wieder auf die Ersatzbank, setzt der frühere Nachwuchstrainer der AS Roma und von Inter Mailand momentan voll und ganz auf den gebürtigen Würenloser.

Das Aargauer Zimmer

Und nun wurden Widmer und Benito von Petkovic das erste Mal für die A-Nationalmannschaft aufgeboten und teilen sich in Feusisberg während der einwöchigen Vorbereitungszeit auf das EM-Qualifikationsspiel gegen England das Zimmer. Petkovic wollte es so. Der Nachfolger von Ottmar Hitzfeld hält grosse Stücke auf beide Neulinge. «Silvan und Loris haben ihr Talent und ihre Qualität in der U21-Auswahl öfters unter Beweis gestellt», sagt Petkovic.

«Sie sollen einerseits für frischen Wind sorgen und anderseits den Konkurrenzkampf beleben.» Gegen England müssen die beiden Aargauer Anfang kommender Woche allerdings mit Sicherheit auf der Ersatzbank Platz nehmen. An den beiden Aussenverteidigern Lichtsteiner und Ricardo Rodriguez gibts so schnell kein Vorbeikommen. Sie sind gesetzt. Wie lange noch?