Fussball
Shaqiri über Saisonstart bei Bayern: «Das war kein einfacher Moment»

Xherdan Shaqiri spricht so deutlich wie noch nie über seine schwierige Situation bei Bayern München. Er bräuchte das Vertrauen des Trainers, doch das sei bei ihm nicht immer der Fall gewesen.

Etienne Wuillemin, Maribor
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Shaqiri läuft ins Stadion fürs Training.
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Shaqiri am Spielfeldrand.
Shaqiri begrüsst vor dem Training einen Fan.
Nach der Ankunft am Flughafen: Shaqiri, Mehmedi und Drmic (von links).
Shaqiri im Training.
Ein Fan spricht Shaqiri am Flughafen an.
Shaqiri mit Fernandez (l.) und Mehmedi (r.).
Shaqiri vor dem Slowenien-Match

Shaqiri läuft ins Stadion fürs Training.

Keystone

Manchmal lacht er herzhaft. Manchmal schlägt er sich die Hände mit einem Hauch von Empörung vors Gesicht. Manchmal blickt er verständnisvoll. Manchmal rollt er seine Augen unmissverständlich. Wenn Xherdan Shaqiri so dasitzt und spricht, dann wird eines sehr schnell deutlich: seine zwiespältige Gefühlslage.

Xherdan Shaqiri ist der Einzelspieler, auf den die Schweiz immer angewiesen ist. Spielt er lustlos, tut sich auch das Team schwer. Nie war das besser zu sehen als an der WM, als die ersten Spiele gegen Ecuador und Frankreich ein einziger Knorz waren. Als es dann aber um alles ging, war Shaqiri bereit. Als Regisseur erzielte er gegen Honduras drei Tore. Und trug im Achtelfinal wesentlich dazu bei, dass die Schweiz Argentinien alles abverlangte.

Aber Xherdan Shaqiri ist auch der Bayern-Spieler, der immer mehr in die Sackgasse gerät. Trainer Pep Guardiola hat einmal gesagt: «Shaqiri ist der beste Einwechselspieler der Liga.» Einwechselspieler. Nicht das, was Shaqiri sein will.

Von möglichen 900 Einsatzminuten hat er diese Saison 327 absolviert – das sind 35,2 Prozent. Der Wert ist stetig gesunken. 2012/13 betrug er 41,5 Prozent. Letzte Saison immerhin noch 38,4 Prozent – wobei Pausen wegen Verletzungen nicht mit eingerechnet sind.

Als Shaqiri im Sommer vor zwei Jahren zu Bayern München wechselte, sagte der damalige Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld: «Shaqiri weiss, dass er sich bei den Bayern durchsetzen wird.» Und Shaqiri selbst: «Der FC Bayern ist ein Traum.»

Xherdan Shaqiri, was macht für Sie den Reiz der Bayern noch aus, nach knapp zweieinhalb Jahren?

So ein Topverein hat immer einen Reiz. Ich habe einen langfristigen Vertrag (bis Juni 2016, d.Red.), den versuche ich, einzuhalten.

Sie versuchen es?

Ja, ich bin professionell.

Sie werden am Freitag 23 Jahre alt, Sie wurden mit Bayern zwei Mal Meister, zwei Mal Cupsieger, gewannen die Champions League – werden irgendwann Einsatzminuten wichtiger als Pokale?

Klar ist die Einsatzzeit wichtig. Ich hatte im ersten Jahr mehr als im letzten. Ich muss den nächsten Schritt machen und mich weiterentwickeln.

Was ist der nächste Schritt?

Ich brauche Spielpraxis. Ich möchte in den Topspielen spielen. Und das Vertrauen des Trainers haben.

Das sind Dinge, die Sie nicht haben.

Ich brauche viele Spiele, um meine beste Leistung zeigen zu können. Und letztlich ist das Wichtigste das Vertrauen vom Trainer. Das war bei mir nicht immer der Fall.

Trifft es Sie, wenn Guardiola zum Bundesliga-Start mit Gianluca Gaudino einen 17-Jährigen auf der Zehnerposition bringt, anstatt Sie?

Das war kein einfacher Moment.

Sehnen Sie sich manchmal nach einem Spiel mit den Bayern, das so läuft wie jenes mit der Schweiz gegen Honduras?

Ich kann mich nur wiederholen: Ich bin ein Spieler, der viel Vertrauen braucht. Es ist nicht einfach, einmal zu spielen, dann wieder zwei Spiele auf der Bank zu sitzen, dann wieder zu spielen.

Wie gut tun solche Momente wie der 60-Meter-Pass auf Lewandowski am letzten Samstag, der zu einem Tor führte?

Sehr gut. Da hat man gesehen, wie viel Lust ich habe, Fussball zu spielen.

Matthias Sammer sagte im Sommer: «Shaqiri ist die Zukunft des Vereins.» Darauf antworteten Sie per Twitter: «Ich lebe in der Gegenwart.» Das ist offenbar bei den Bayern nicht sehr gut angekommen.

Das stimmt nicht. Das war beim FC Bayern nie ein Thema in Gesprächen mit mir.

Aber das war ein klares Zeichen von Ihnen.

Ich denke, darüber wurde genug gesprochen. Das Transferfenster ist geschlossen, also kann ich nichts mehr machen. Ich habe im Sommer klar gesagt, dass ich mehr Spielpraxis brauche, wir haben uns zusammengesetzt und der Verein hat entschieden, dass ich bleiben muss. Ich habe das akzeptiert. Auch wenn es manchmal schwierig ist, wenn man nicht gleicher Meinung ist. Der Verein hat das Sagen. Es ist ja auch ein positives Zeichen, wenn man mit mir plant. Wir werden im Winter noch einmal zusammensitzen.

Ist das Duell gegen Slowenien für das Team und den neuen Trainer Vladimir Petkovic bereits ein Schlüsselspiel?

Ja, ich finde schon. Wenn wir nur unentschieden spielen, fahren wir ohne gute Gefühle nach Hause. Wir müssen gewinnen. Das Spiel ist ein wichtiger Schritt, um auch Schwung für die nächsten Aufgaben mitzunehmen.

Hätten Sie sich gewünscht, dass die Schweiz gegen England etwas offensiver und mutiger spielt?

Am Anfang hatten wir zu viel Respekt vor England. Wir hatten fast etwas Angst, anzugreifen. Andererseits hatten wir mit Seferovic auch eine gute Chance zur Führung. Und wir kamen ohne Gegentor in die Pause. Wer weiss, vielleicht wäre das Spiel anders ausgegangen.

Wenn Sie diese Angst erwähnen: Ist das noch die Nachwirkung aus dem 2:5 im WM-Spiel gegen Frankreich?

Nein, ich glaube die Spieler sind professionell genug, um das zu vergessen. Wir hatten unabhängig davon einfach zu viel Respekt vor England, obwohl wir das gar nicht nötig hätten.

An der WM hatten Sie zwei überragende Spiele, als Sie in der Mitte spielten. Nun gegen England waren Sie wieder auf der Seite. Macht Ihnen das etwas aus?

Es ist offensichtlich: Ich fühle mich wohler in der Mitte. Da habe ich meine Freiheiten, da kann ich dem Team mit meiner spielerischen Klasse mehr helfen. Ich finde, wir sind variabler, wenn ich in der Mitte spiele. Ich kann die Stürmer oder die Aussenverteidiger in die Tiefe schicken. Aber es gibt sicher auch Gegner, wo es besser ist, wenn ich aussen spiele und reinziehen kann.