Eder Balanta rastete im Cup gegen Chiasso komplett aus, trat seinem Gegenspieler mit voller Wucht und Absicht auf den Fuss und das direkt vor den Augen von Schiedsrichter Nikolaj Hänni. Er flog vom Platz, kassierte eine Sperre von vier Spielen. Das erste Spiel sass er gegen St. Gallen ab. Gegen den FCZ soll er wieder mittun können, wenn es nach dem FCB geht. Wie das möglich ist? Man will Rekurs gegen die Sperre einlegen. Würde diesem stattgegeben, hätte er aufschiebende Wirkung und somit wäre Balanta spielberechtigt.

Das deutet darauf hin, dass Raphael Wicky wieder auf eine Dreier-Abwehr umstellen möchte, nachdem der FCB im 4-4-2 gegen St. Gallen nicht überzeugen konnte und die dritte Saisonpleite einfuhr. Wie schon in St. Gallen wird Wicky auch gegen den FCZ auf Mohamed Elyounoussi verzichten müssen. Der Norweger ist noch immer krank. Ebenfalls ausfallen wird Omar Gaber, der an einer Zehennagelentzündung leidet. Dafür kehrt mit Geoffroy Serey Die eine wahre Kämpfernatur ins Team zurück. Eine Tugend, die der FCB im Derby gut gebrauchen kann.

«Man kann nicht alles erklären»

Denn genau in diesem Bereich machte Wicky bei der Aufarbeitung der Pleite in der Ostschweiz die grössten Defizite aus. «Wir haben vor allem in der ersten halben Stunde extrem viele Zweikämpfe verloren, waren viel zu oft viel zu weit weg von unseren Gegenspielern und wir haben Fehler gemacht, die einfach nicht passieren dürfen», sagt der FCB-Trainer. Wie konnte es soweit kommen, obschon er seinen Spielern eingetrichtert hat, dass es nur über den Kampf gehe? «Man kann im Fussball nicht immer alles erklären. Aber klar ist, dass es nur so geht. Es muss in die Köpfe rein, dass Fussball auch ein Kampf-, Lauf- und Sprintsport ist.» Und irgendwie wundert man sich, dass das offenbar noch nicht allen bewusst ist.

Vom schönen Spiel, das man beim Führungswechsel gross ankündete, spricht längst keiner mehr. Kämpfen, grätschen, beissen – das ist jetzt das Credo. Und damit das auch jenen klar ist, die bisher dachten, es gehe nur um Doppelpässe, Chips und Fallrückzieher, hat Wicky viel geredet. Mit einzelnen Spielern, dem Mannschaftsrat, dem ganzen Team. Seine Message: «Es geht nur gemeinsam. Wir müssen alle in die gleiche Richtung ziehen.» Sonst wird’s vor allem für ihn richtig unangenehm. Sollte der FCB auch gegen die Zürcher verlieren, wäre es die dritte Pleite in Serie. Das geschah in Basel letztmals 1998 Guy Mathez. Zugleich wäre es der schlechteste FCB-Saisonstart seit Einführung der Super League. 

So oder so, die Stimmung in Basel ist angespannt, die Fans werden unruhig, die neue Führung hat schon viel Kredit verspielt. Auch darüber wird sich Wicky mit Marco Streller unterhalten haben, als sie zusammen joggen gingen und sich über die aktuelle Situation austauschten. «Wir sind alle unzufrieden. Gleichzeitig müssen wir eine gewisse Ruhe bewahren», so der Walliser FCB-Coach. Darum stellt er auch nach der dritten Niederlage nicht alles auf den Kopf. Die Verunsicherung ist schon so gross genug.