Super League

St. Gallen sieht sich nach dem 0:0 im Vorteil: Ist der FCB gar nicht so gut, wie er meint?

Nach dem Schock wegen der Nacken-Verletzung von Raoul Petretta spielen der FC Basel und der FC St. Gallen weiter. Die Partie endet 0:0, obwohl das hochklassige Spiel eigentlich Tore verdient hätte. Nach dem Spiel gehen die Meinungen auseinander, wer den Sieg mehr verdient hätte.

Es läuft die 37. Minute, als sich Raoul Petretta nach einem eigentlich harmlosen, unbedrängten Kopfball an den Hals greift. Weil der Angriff der St. Galler läuft, bleibt er zunächst stehen. Doch dann geht es nicht mehr. Petretta sinkt zu Boden und schon bald ist der Linksverteidiger von einer Traube aus Mitspielern und Samaritern umringt. Zehn Minuten dauert die Behandlung auf dem Platz, ehe der offenbar am Nacken verletzte Petretta auf einer Bahre mit Halskrause abtransportiert wird. Petretta ist jederzeit ansprechbar, doch er kann seinen Kopf nicht mehr bewegen und wird direkt in den Notfall des Unispitals Basel gebracht. Erst am Sonntagabend kommt eine leichte Entwarnung. Petretta habe eine Erschütterung des oberen Rückenmarks erlitten, das sei vergleichbar mit einer Hirnerschütterung, teilt der FCB mit.

Das Verfolgerduell zwischen den punktgleichen FCB und FCSG wird nach diesem Schock wieder angepfiffen. Die Spieler müssen funktionieren und sie funktionieren überraschend auch. Das Spiel war vor dem Unterbruch schon hochklassig und es bleibt es auch anschliessend. Ein Blick auf die Statistik bestätigt das: 11 gute Torchancen, 14 Paraden der beiden starken Torhüter, viele bissige Zweikämpfe, von denen St. Gallen allerdings 57 Prozent gewinnt.

Linder hält zum dritten Mal die Null

Einer, der sich mit acht Paraden wieder in den Fokus gehext hat, ist FCB-Goalie Heinz Lindner. Die St. Galler Abschlüsse sind zwar keine hundertprozentigen Chancen. Dennoch sichern Lindners Interventionen den Punkt, weil der FCB erst zum dritten Mal in dieser Saison ohne Gegentor bleibt. Der Österreicher bedient sich anschliessend im Floskelregal. Erst sagt er: «Ich bin froh, dass ich der Mannschaft helfen konnte.» Dann sagt er: «Wenn man das Spiel nicht gewinnen kann, sollte man es auf gar keinen Fall verlieren.»

Anders als noch vor drei Wochen in Lugano ist das dem FCB diesmal gelungen. Bei FCB-Trainer Ciriaco Sforza führt das zum fast schon gewohnt positiven Feedback. Er sagt: «Heute haben beide Teams sehr guten Fussball gespielt. Das Spiel hätte auch 3:3 ausgehen können. Wir waren mutig und aggressiv, aber wir haben leider die Chancen nicht gemacht.» Tatsächlich hat der FCB die etwas zwingenderen Torgelegenheiten. Doch weil Pajtim Kasami freistehen vergibt und Jasper van der Werff kurz vor Schluss nur an den Pfosten köpft, steht auch bei Rotblau die Null.

Doch Ciriaco Sforza sieht sein Team auch nach dem zweiten nicht gewonnen Spiel in dieser Woche «auf dem richtigen Weg». Auch Timm Klose pflichtet ihm bei: «Das war ein Schritt in die richtige Richtung.» Zumindest auf die persönliche Leistung des Innenverteidigers trifft das zu. Klose ist nach seinem Lapsus gegen YB am Samstagabend der zweikampfstärkste Basler.

Die Analyse der St. Galler lässt aber darauf schliessen, dass die Ostschweizer dem FC Basel zumindest spielerisch den Rang abgelaufen haben und sich deshalb – auch wegen dem einen Spiel weniger – erster YB-Verfolger nennen dürfen. So sagt beispielsweise Lukas Görtler: «Wir hatten mehr Spielkontrolle und waren besser in den Zweikämpfen. Es ist ein gutes Zeichen, wenn man in Basel 0:0 spielt und unzufrieden ist.» Sein Trainer Peter Zeidler setzt in den Emotionen direkt nach dem Spiel noch einen drauf. Er sagt: «Wir waren phasenweise sehr gut und haben Basel dominiert.» Auf das kommende Spiel gegen YB angesprochen sagt Zeidler dann etwas, was jeden FCB-Fan in der Seele schmerzt, was aber im Dezember 2020 auch einfach Fakt ist: «Da wartet ein besserer Gegner auf uns.»

Es droht der schlechteste Saisonstart in der Super League

Für den FCB geht es zum Abschluss nach Luzern. Die Innerschweizer sind ebenfalls ganz gut in Form. Für die Gemütslage rund ums Joggeli wäre ein Sieg im letzten Spiel dieses denkwürdigen Jahres 2020 aber ungemein wichtig. Denn ansonsten wäre der schlechteste Saisonstart seit der Einführung der Super League 2003 Realität.

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