Knapp acht Wochen dauerte die Meisterschaftspause in der Super League. Nicht lange, aber ausreichend lange für allerhand Schlagzeilen: Meister YB verliert vier Teamstützen, Christian Constantin feiert die Verpflichtung von Valon Behrami, St. Gallens Sportchef Alain Sutter kokettiert mit dem neuen Posten des Nationalmannschafts-Delegierten beim SFV - und der FC Basel liefert eine haarsträubende Trainerposse, an dessen Ende Marcel Koller um seine Entlassung kommt und Sportchef Marco Streller den Hut nimmt.

Koller ging in Basel also als Sieger eines internen Machtkampfs hervor, bei dem erstaunlich viele Details öffentlich wurden. Koller, der den FCB wieder in die Spur gebracht hat, aber ohne das erwünschte Spektakel und mit Widerständen aus Teilen der eigenen Mannschaft, bleibt Trainer. Aaraus Coach Patrick Rahmen erhielt nach verschiedenen Gesprächen und Burgeners Meinungswechsel eine Absage, Querulant Fabian Frei wurde von Koller bei der Captain-Frage übergangen.

Zuletzt ist es endlich ruhiger geworden beim FCB, vor dem Saisonstart am Freitag in Sitten schlummert aber reichlich Konfliktpotenzial. Erneut droht Ungemach, sollte der FCB in der Champions-League-Qualifikation an Eindhoven und in der Qualifikation zur Europa League scheitern. Zumal der Klub im laufenden Geschäftsjahr mehr als 20 Millionen Franken einsparen will.

YB: Grösserer Umbruch als erwünscht

Der Kontrast zum ruhigen Wirken bei YB verstärkt den Eindruck, dass Basel aus der Position des Aussenseiters ins Meisterrennen geht. Kampfansagen wie im Vorjahr - "Der Titel muss zurück nach Basel!", hatte Streller gesagt - blieben diesmal aus, obwohl nicht alles gegen den FCB spricht. Die Basler profitieren davon, dass das Gros der Mannschaft zusammengeblieben ist, anders als vor der letzten Saison wussten sie in den Vorbereitungsspielen zu überzeugen. Einzig der Abgang von Captain und Abwehrchef Marek Suchy fällt ins Gewicht.

Die Young Boys ihrerseits müssen mehrere Säulen der letzten beiden Meistermannschaften ersetzen. Captain Steve von Bergen trat zurück, Kevin Mbabu und Djibril Sow wechselten in die Bundesliga, dazu liess man Loris Benito nach Frankreich ziehen. "Die Herausforderung dürfte grösser werden als letzte Saison. Wir erleben einen grösseren Umbruch, als wir uns gewünscht haben", sagt Sportchef Christoph Spycher.

Zweifel kamen auch darum keine auf, weil Spycher sein gutes Händchen schon bewiesen hat und seiner Linie treu geblieben ist. Fabian Lustenberger, Marvin Spielmann, Vincent Sierro, Cédric Zesiger, der junge Niederländer Christopher Martins Pereira und Saidy Janko sollen die Lücken schliessen.

Behrami, der Krieger und Patient

Im Wallis wird dank der Ankunft von Valon Behrami wieder geträumt. Behrami, der 83-mal für das Schweizer Nationalteam und noch nie in der Super League aufgelaufen ist, ist zweifelsohne eine Attraktion für die Liga. Mit den weiteren Mittelfeldakteuren Pajtim Kasami, Bastien Toma, Anto Grgic und Adryan sind die Voraussetzungen gegeben, dass der Ehemann von Lara Gut-Behrami mehr als den Glamour-Faktor in den Schweizer FC Hollywood bringt.

Hinter Behramis körperlichem Zustand steht indes ein Fragezeichen. Der Ex-Internationale mag der "demütige Krieger und Anführer" sein, als den ihn Sion begrüsst hat. Allerdings ist er ein fragiler Krieger - einer, der sich in seiner ganzen Laufbahn immer wieder Pausen nehmen musste, besonders in den letzten sechs Jahren. Letztmals bestritt Behrami auf Klubebene vor fast drei Jahren drei Spiele in Folge über die volle Distanz. Zuletzt zog er sich bei Udinese im April einen Wadenbeinbruch zu.

YB, Basel - und dann?

Im Kampf um die erste Position hinter dem entrückten Spitzenduo wird sich Sion mutmasslich mit dem ganzen Rest der Liga messen müssen. Dabei würde es nicht allzu sehr überraschen, sollte Lugano zum dritten Mal in vier Jahren einen Platz auf den vorderen Europacup-Plätzen erreichen oder Thun trotz des Abgangs von Spielmann erneut positiv herausstechen, zumal Luzern mit Ruben Vargas (nach Augsburg) einiges an Offensivkraft verloren und St. Gallen diverse Leistungsträger zu ersetzen hat.

Mit dabei ist 14 Jahre nach dem Konkurs und sechs Jahre nach dem letzten Abstieg aus der Super League auch wieder Servette. Nach dem Beinahe-Kollaps unter dem vormaligen Präsidenten Hugh Quennec ist der Genfer Traditionsklub wieder solide aufgestellt. Der Mannschaft von Trainer Alain Geiger und dem lokal verankerten Präsidenten und Unternehmer Didier Fischer ist der Ligaerhalt zuzutrauen. Die Perspektiven sind besser als jene bei Xamax, dem erstgenannten Abstiegskandidaten. Die Neuenburger schafften auf wundersame Weise den Ligaerhalt in der Barrage gegen Aarau, stehen aber auf wackligerem Fundament und wirtschaften mit dem kleinsten Budget der Liga.

Während Servette zumindest teilweise von seinem Offensivspiel abrücken muss, erhofft sich der FC Zürich eine Steigerung nach dem enttäuschenden 7. Platz in der Vorsaison. Mit der Verpflichtung des Stürmers Mimoun Mahi, des routinierten slowenischen Mittelfeldspielers Denis Popovic und des Innenverteidigers Nathan glauben die Zürcher, die Hausaufgaben gemacht zu haben.