Super League

Systemumstellung vor dem ersten Ernstkampf – fehlt beim FC Basel der Mut?

Noch lief nicht alles so, wie sich das Raphael Wicky vorstellte. Sorgen macht man sich beim FCB deswegen aber noch keine.

Noch lief nicht alles so, wie sich das Raphael Wicky vorstellte. Sorgen macht man sich beim FCB deswegen aber noch keine.

Wieder verliert der FC Basel in Bern. Wie bereits letzte Saison zweimal. Dabei hätte dieses Jahr doch alles anders werden sollen. Stattdessen stellte Trainer Raphael Wicky just auf das erste Saisonspiel das System wieder auf das letztjährige um - obwohl der FCB in den Testspielen stets in einem neuen spielte.

Marco Streller gibt sich abgeklärt nach der 0:2-Auftaktpleite gegen Hauptkonkurrent YB am Samstag: «Es ist ja klar, dass Enttäuschung da ist, wenn man verliert. Aber wir analysieren das jetzt und bleiben ruhig.» Einer der zentralen Punkte dieser Analyse, so viel ist klar, wird die Aufstellung sein.

In der Vorbereitungsphase hat Raphael Wicky viel experimentiert, liess im ersten Spiel gegen Rosenheim ein 4-1-4-1 spielen, dann gegen Wil ein 4-2-3-1 und zuletzt begann er dreimal in Folge mit einem 3-1-4-2. Im Fischer-System gegen Wil spielte man 0:0, danach folgten drei Siege gegen Xamax (2:0), Athletic Bilbao (3:2) und Sporting Lissabon (3:2).

Trotzdem entscheidet sich Wicky gegen YB für das 4-2-3-1 und man fragt sich: warum nur? Wicky selbst sagt: «Das Team hat zwei Jahre so gespielt, es fühlt sich sehr wohl in diesem System. Wir haben in der Vorbereitung auch mit Dreierkette gespielt, aber ich wollte vor dieser Kulisse Kontinuität drin lassen.»

YB - FC Basel, 1. Runde Super League, Highlights ungeschnitten

Die Highlights der Partie zwischen den Young Boys und dem FC Basel.

Seine Idee funktioniert nicht. YB bringt den FCB mit aggressivem Pressing so aus dem Konzept, dass dieser kaum zu Chancen kommt. Zugleich kommen die Young Boys mit fortschreitender Spieldauer zu mehr Gelegenheiten.

Dann das 1:0 durch Ravet. Sehr wohl eine schöne Einzelleistung, doch Steffen lässt ihn zu leicht gewähren, Zuffi lässt sich übertölpeln und Xhaka ist nicht nah genug bei seinem Partner im defensiven Mittelfeld, müsste früher nach innen schieben.

Delgado findet nicht ins Spiel

Wenig später reagiert Wicky. Er wechselt Blas Riveros und Mohamed Elyounoussi aus und bringt dafür Eder Balanta und Kevin Bua. Zugleich stellt er um auf Dreier-Abwehr und Doppelsturm. Oder in nackten Zahlen ausgedrückt: 3-1-4-2. Delgado zurück vor die Abwehr, Bua zusammen mit Van Wolfswinkel ganz vorne. Sportchef Marco Streller: «Nach der Systemumstellung waren wir wirklich spielbestimmend.»

Und dann schiesst Miralem Sulejmani diesen so provokativ unter die Latte gestreichelten Freistoss. Ein Stich ins FCB-Herz. «Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch immer den Eindruck, dass etwas möglich ist. Aber dann war es einfach extrem schwierig, gegen 10 Mann auf den letzten 30 Metern durchzukommen und etwas Zählbares rauszuholen», sagt Trainer Wicky.

Kein Tor zwar, aber der FCB wirkt jetzt dominanter, zielstrebiger, wenn auch ein bisschen konteranfälliger. Das dürfte auch an der Systemumstellung gelegen haben. Wie auch der Ausfall von Matias Delgado. So wenigstens der Eindruck.

Zuletzt spielte er in den Testspielen immer weiter hinten, direkt vor der Abwehr. Er begann sich gerade langsam mit seiner neuen Rolle anzufreunden, da kommt der Wechsel. Und er scheint ihm nicht wirklich gut zu bekommen. Delgado kann keine Akzente setzen, hat letztlich gar Glück, dass er nicht mit Gelb-Rot vom Platz muss.

Den Mut verloren

So fragt man sich, warum den FCB vor diesem so wichtigen Spiel plötzlich der Mut verlassen hat, den Mut, so richtig auf neue Ideen zu setzen, jetzt, da es erstmals um Punkte ging. Nicht nur, weil das Team zuletzt häufiger mit Dreierkette gespielt hat.

Auch weil man ein Zeichen sendet. Das Zeichen ist: Wir sind auf Sicherheit bedacht. Nicht aus Angst vor dem Gegner, aber aus Respekt wohl doch. Man passt sich in gewisser Hinsicht an.

Dabei hat man zuvor so bewusst eigene Akzente gesetzt. Angefangen bei der Entlassung von Fischer und der Verpflichtung von Wicky. Dann die Abgänge von Doumbia und Janko, der Transfer von Van Wolfswinkel. Die Integration von Schmid, Pululu und Manzambi aus dem Nachwuchs. Frisches Blut. Neues System.

Noch alles entspannt

Bis zu Tag X, bis zum Spiel gegen YB. Plötzlich wieder 4-2-3-1. Warum? «Mit ein Grund war, dass der wir überzeugt sind, dass es einfacher ist auf die Dreier-Abwehr umzustellen als umgekehrt», erklärt Streller.

Aufgegangen ist der Plan nicht und deshalb kann man wohl davon ausgehen, dass Wicky gegen Luzern von Anfang an in «seinem» System spielen lässt. Denn eines ist sicher: Der FCB will schleunigst weg aus dem Tabellenkeller.

«Ich bin relativ entspannt», behauptet Marco Streller zwar, schüttelt zuvor aber heftig den Kopf, als er gefragt wird, ob er sich Sorgen mache. So abgeklärt man sich gibt, die Anspannung steigt.

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