Fussball
Timm Klose: «Ich traue mir die Rolle von Streller zu»

Der 26-jährige Timm Klose ist prädestiniert, das Erbe des Captains anzutreten – doch will er schon?

Sebastian Wendel
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Tim Klose im FCB-Dress. Kehrt er schon bald zurück?

Tim Klose im FCB-Dress. Kehrt er schon bald zurück?

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Wenn Marco Streller Ende Saison seine Karriere beendet, reisst das ein Loch in die Mannschaft des FC Basel. Es fehlt dann nicht nur ein Torgarant, sondern die Galionsfigur. Der Spieler, der seit Jahren das Bindeglied zwischen dem Klub und der Stadt Basel ist.

Seit Streller vor zwei Wochen seinen Rücktritt bekannt gemacht hat, wird über seine Nachfolge spekuliert. Im Fokus: Spieler, die ihre Karriere einst beim FCB lancierten, von dort aus die Welt erkundeten und jetzt bereit wären für die Rückkehr. Ein Konzept, das in der Vergangenheit zuhauf funktionierte – mit dem Musterbeispiel Marco Streller.

Träumen von der Rückkehr von Shaqiri und Co.

Gehandelt werden viele Namen. Ivan Rakitic? Die Chancen, ihn im Sommer zurückzuholen, sind gleich null. Der 27-Jährige ist Stammspieler beim FC Barcelona und hat Vertrag bis 2019. Granit Xhaka (22) und Xherdan Shaqiri (23)? Die Fans träumen von ihrem Comeback im FCB-Dress, müssen ich aber noch einige Jahre gedulden. Sowohl der Gladbacher als auch der Inter-Star haben den Zenit ihrer Karriere noch vor sich. Das Gleiche gilt
für Xhakas Teamkollege in Gladbach, Yann Sommer (26). Valentin Stocker (25)? Bleibt die Hertha in der Bundesliga, bleibt er in Berlin.

Eren Derdiyok (26)? Heikel, weil der Stürmer seit fast zwei Jahren ohne Spielpraxis ist und sich aktuell von einem Kreuzbandriss erholt. Zdravko Kuzmanovic (27)? Bei Inter zwar nur Mitläufer und so gesehen eine machbare Variante – doch der gebürtige Thuner hat nur geringen Lokalkolorit.

Bleibt einer übrig, der alle oben genannten Spieler aus gemeinsamen Juniorenzeiten kennt, dann aber als nicht gut genug für die FCB-Profis befunden wurde, zum FC Thun wechselte und via Nürnberg mittlerweile in Wolfsburg unter Vertrag steht. Timm Klose (26) sagt ohne zu zögern: «Ich traue mir zu, beim FC Basel die Rolle von Marco Streller zu übernehmen.»

Klose - der waschechte Basler

Dafür gibt es gute Gründe: Klose spricht wie Streller astreinen Basler-Dialekt. Sein Uronkel war Fred Spillmann, früherer Couturier der Reichen und ein Paradiesvogel der Basler Gesellschaft. Seine Mutter Daniela führt das Erbe Spillmanns in einer schicken Boutique an bester Lage in der Innenstadt weiter. Selbst Vater Norbert, ein gebürtiger Deutscher, passt jetzt in den Basler Rahmen. «Er hat sich einbürgern lassen und ist sehr stolz darauf, offiziell ein Basler zu sein.»

Klose verfolgte als Teenager die FCB-Spiele im alten und im neuen Joggeli. Lieber beim Fussvolk in der Muttenzerkurve als mit den Eltern in der Loge. «In der Loge wurde man zwar satt, aber man musste sich umso mehr benehmen», sagt er und lacht. Der FCB-Virus, der sei einfach drin durch die Geschichte, die ihn mit der Stadt verbinde. «An freien Tagen komme ich so oft wie möglich nach Basel und ins Joggeli. Es ist ein magischer Ort, ich bin einfach gerne dort.»

Enger Kontakt mit FCB-Bossen

Sein grosser Wunsch ist es, dereinst zum Klub seines Herzens zurückzukehren. Aber wann? Eine Frage, die sich Klose seit langem stellt. «In diesem Sommer ist es noch zu früh. Mein Weg im Ausland ist noch nicht zu Ende.»

Doch als Streller kürzlich seinen Rücktritt bekannt gab, kam Klose ins Grübeln: «Marco ist damals auch mit 26 Jahren nach Basel zurückgekehrt – trotz anderen Angeboten. Der Rest ist bekannt. Den gleichen Weg einzuschlagen wie er, ist schon sehr reizvoll – jetzt noch mehr.» Mit Fabian Frei spielt einer seiner besten Freunde beim FCB. Die beiden haben schon darüber fabuliert, den Klub in die «Klose-Frei-Ära» zu führen. Mit Präsident Bernhard Heusler und Sportdirektor Georg Heitz hat Klose oft Kontakt, dabei geht es auch um eine Rückkehr in die Schweiz. «Sie geben mir zu spüren, dass es schön wäre, wenn ich bald zurückkehren würde. Aber sie sagen nicht: Im Sommer wollen wir dich unbedingt zurück.» Warum nicht? «Weil sie wissen, dass ich mit der Situation hadere.»

Auf der einen Seite lockt die Aussicht, bereits in naher Zukunft in die Rolle der neuen FCB-Galionsfigur zu schlüpfen. Auf der anderen Seite will Klose es sich nicht zu einfach machen. Streller sei damals als Deutscher Meister aus Stuttgart nach Basel gewechselt, er hingegen habe zwei Jahre als Ergänzungsspieler in Wolfsburg hinter sich (in dieser Saison nur 5 von möglichen 25 Ligaspielen). «Wenn ich in diesem Jahr zurückkomme, heisst es: Der Klose hats in der Bundesliga nicht geschafft, jetzt macht er es sich in Basel bequem.» Er hätte dann auch Verständnis für diese Stimmen, weil er ein Stück weit selber so denkt: «Ich muss für mich selber noch mehr geleistet haben, bevor ich guten Gewissens zum FCB zurückkommen kann.»

Fest steht: Timm Klose wird im Sommer den VfL Wolfsburg verlassen, wenn ihm ein weiteres Jahr auf der Ersatzbank droht. «Es gibt Anfragen aus der Bundesliga, England wäre auch cool.» Zum FCB sagt er geheimnisvoll: «Ausschliessen kann ich nichts. Im Fussball geht es oft sehr schnell...»