Bernhard Burgener lacht verschmitzt, als er gefragt wird, was ihn denn am meisten überrascht habe in den ersten Monaten als FCB-Präsident. Dann sagt er: «Durch meine unternehmerische Tätigkeit durfte und darf ich erleben, was in München abgeht, wenn es nicht läuft. Im Vergleich dazu sind die Medien hierzulande richtig zahm.» Als ob er mit noch schärferer Kritik gerechnet hätte nach dem holprigen Saisonstart.

Auch wenn die Kritik härter ausgefallen wäre: Für Burgener war immer klar, dass man an den Zielen und Vorstellungen festhält, die man zu Beginn der Saison kommunizierte (Meistertitel und Cupfinal sowie europäisches Überwintern). Und das mit einem jüngeren Team und mehr Spielern aus der Region.

Die Highlights des Präsidenten

Es hat sich bewährt, dass Burgener und seine Führungsriege in den stürmischen Anfangswochen Ruhe bewahrten. Der FC Basel hat zwischen Ende September und Mitte Dezember zahlreiche Ausrufezeichen gesetzt. Aber welches waren denn die grössten Highlights für den Präsidenten?

Zuerst nennt er die über 200 Mitarbeiter – die neuen (seine Führungscrew) wie die alten. «Gemeinsam ist uns der Umbruch hervorragend gelungen», sagt Burgener.

Darüber hinaus hat er sich über die Resultate gefreut. «Wir überwintern in der Champions League, sind im Cup-Halbfinal und bis auf zwei Punkte an YB herangerückt», präzisiert er.

Als drittes Glanzlicht nennt Burgener die Mannschaft. «Raphael Wicky hat mit seinem Team zwei Rekorde in der Champions League gebrochen: Wir haben gegen Benfica den höchsten Sieg eingefahren und wir haben noch nie zwölf Punkte geholt.»

Wertsteigerung dank Champions-League-Siegen

Dass man noch immer keinen Spieler verkaufen konnte und darum die für 2017 budgetierten 22 Millionen Franken an Transfererlösen nicht reinholen wird, sei dagegen kein Problem.

Burgener: «Dafür haben wir mit unseren Siegen in der Champions League mehr Geld reingeholt, als budgetiert. Dank diesen Leistungen hat das ganze Team an Wert zugelegt. Das wird sich irgendwann auszahlen. Ich mache bestimmt keinen Druck, dass wir einen Spieler verkaufen müssen.»

Hektische Tage für Sportchef Streller 

Mit den starken Auftritten in der Champions League haben die Basler Fussballer auch Begehrlichkeiten geweckt. Während sich die FCB-Stars am Strand erholten, lief das Telefon bei Sportchef Marco Streller heiss.

Um Spieler wie Manuel Akanji oder Mohamed Elyounoussi tauchten fast täglich neue Transfergerüchte auf. Streller sagt: «In den wenigen Monaten in meinem Job habe ich gelernt, dass sehr viel geredet und spekuliert wird.» Konkret habe er jedoch nichts vorliegen. Und: «Wir sind mit unserem Kader sehr zufrieden. Wenn es keine Abgänge mehr gibt, möchten wir mit diesen Spielern wieder ins Rennen um die Meisterschaft gehen.»

Streller selbst hat seine Aufgaben schon vor Weihnachten erfüllt. Mit Fabian Frei und Samuele Campo hat er zwei Spieler zurück nach Basel geholt, die hier den Nachwuchs durchlaufen haben und daher perfekt ins Konzept «Für immer Rot-Blau» passen.

Darum hat er wenigstens zwischen Weihnachten und Neujahr ein bisschen runterfahren können: «Wenigstens in diesen Tagen wurde ich in Ruhe gelassen. So konnte ich vor dem Jahreswechsel ein paar geruhsame Tage mit meiner Familie verbringen. Ab dem 1. Januar hat das Telefon dann wieder sehr regelmässig geklingelt.»

Ein bisschen Abstand

Wie Trainer Raphael Wicky verbrachte auch Marco Streller ein paar Tage im Wallis. Während Ersterer in Zermatt weilte, zog sich Streller mit seiner Familie nach Grächen zurück.

Zwar stand er auch in den besinnlichen Tagen regelmässig mit Trainer und Präsident im Austausch, getroffen aber hätten sie sich nie. Trotz der räumlichen Nähe brauchten sie alle auch ein bisschen Distanz. Denn die kommenden Tage und Wochen werden ihnen alles abverlangen, wenn sie ihre hochgesteckten Ziele erreichen wollen. Noch immer liegt YB zwei Punkte vor dem Serienmeister.

Der grosse Favorit

Streller selbst blickt dem Duell mit den Bernern optimistisch entgegen: «In der Vergangenheit waren wir in der Rückrunde jeweils noch stärker als in der Vorrunde.» Trotzdem mag er Basel nicht zum grossen Favoriten erküren. «Das müsst ihr Journalisten schon selber machen», sagt er und lacht.

Also tun wir das: Sollten keine gewichtigen Abgänge mehr erfolgen, ist der FCB der grosse Favorit auf den Titel. Dank seiner Geschichte, dank den Zuzügen von Fabian Frei und Samuele Campo – und dank eines hungrigen, neuen Trainerteams. Die Arbeit von Streller wird sich auszahlen.