FC Basel

Transfers, Tests und die Trainerfrage - die wichtigsten Antworten nach dem FCB-Trainingsstart

Interviews mit Abstand. Ein ungewohntes Bild - für alle Beteiligten.

Interviews mit Abstand. Ein ungewohntes Bild - für alle Beteiligten.

Beim FC Basel ist vieles unklar nach der langen Coronapause. Die bz klärt die derzeit wichtigsten Angelegenheiten.

Das Interesse ist immens. So, wie es sonst nur vor internationalen Spielen oder bei aussergewöhnlichen, präsidialen Pressekonferenzen ist. 19 Medienschaffende erscheinen am Mittwochmorgen zum ersten öffentlich Training des FC Basel in der Coronaära. Alle ausgestattet mit einem Formular, auf dem die Gesundheit bescheinigt wird und mit zwei Meter Abstand. Nach Entgegennahme des Bändelis für den Einlass und einer Maske darf das Joggeli betreten, die zugeordneten Plätze bezogen und 15 Minuten zugeschaut werden. Und: Mit Cheftrainer Marcel Koller und Sportchef Ruedi Zbinden gesprochen werden. Vom persönlichen Wohlbefinden über die Weiterführung von Verträgen und Meisterschaft wird alles thematisiert. Die bz liefert die wichtigsten Antworten.

1. Wie wird wieder trainiert?

Ziemlich normal, wenn man die 15 Minuten als Massstab nimmt. Aber eben nur ziemlich. Denn alleine der Ort ist ein anderer: Trainiert wird im Joggeli statt auf den Trainingsplätzen 19/20. Dies, weil es in einem kontrollierteren Rahmen einfacher ist, die neuen Regeln einzuhalten und zu verinnerlichen. Spieler und Staff erscheinen ausserdem bereits in den Trainingskleidern und verlassen in diesen wieder das Stadion. Waschen müssen sie ausnahmsweise selber. Zwischen Ankunft und Ende findet dann ein Training statt, welches man eben so gut in der Vorbereitung in Marbella oder am Tegernsee beobachten könnte. Übungen wie ein 5 gegen 2, Ballhalten, Kraftübungen. Alles einfach mit etwas mehr Abstand und ohne abklatschen. Das Programm konnte bislang durchgezogen werden wie geplant. «Wir fragen aber jeden Tag bei den Spielern nach, wie es ihnen geht, ob beispielsweise die Muskeln etwas nicht verkraftet haben», erklärt Marcel Koller. Man gebe natürlich Vollgas und wolle so schnell wie möglich wieder bei 100 Prozent sein, nehme aber auch etwas Rücksicht. «Stop-and-go-Bewegungen sind etwas anderes als das Training zu Hause. Auch wenn alle Spieler fit zurückgekehrt sind und ihre Programme gut durchgezogen haben», so Koller. Man habe anfänglich auch noch Zurückhaltung bei Zweikämpfen gespürt. Mittlerweile gibt es auch schon wieder welche, die richtig giftig geführt werden.

2. Wer fehlt beim Training?

Mit dabei sind alle ausser Luca Zuffi, der sich nach seinem Kreuzbandriss noch auf dem Weg zurück befindet, sowie Jasper van der Werff und Raoul Petretta. Während bei van der Werff eine Magenverstimmung und Übelkeit dafür sorgen, dass er am Mittwoch fehlte, sind es bei Petretta kompliziertere Umstände. Der Linksverteidiger ist aus Sicherheitsgründen nicht mit dabei, weil er mit einer Person aus seinem Umfeld Kontakt hatte, welche positiv auf Corona getestet wurde. Wenn ein weiterer Coronatest am Freitag negativ ausfällt, ist Petretta am Samstag wieder dabei.

3. Werden beim FCB Corona-Tests durchgeführt?

Ja. Alle Spieler, der Staff oder jene, die sonst nahe am Team sind (Sicherheitsteam, Medienteam) wurden am Samstag auf Corona getestet. Sämtliche Tests vielen negativ aus. Die Tests werden aber nicht täglich durchgeführt. Am Morgen beim Eintreffen werden nur sogenannte «klinische Tests» gemacht, also Fieber gemessen und auf Symptome abgefragt.

4. Müssen sich Spieler, Staff und Co an spezielle Regeln halten, oder dürfen auch sie ins Restaurant und an den Rhein gehen?

Generell gilt beim FCB: Man hat sich an die Regeln des Bundesamts für Gesundheit (BAG) zu halten. Das heisst, dass die Spieler, der Staff und Co auch mal in einem Restaurant etwas essen oder trinken gehen dürfen. Schliesslich müssen sich diese ebenfalls an die Hygienevorschriften halten. Und man betont beim FCB, dass die Spieler auch nur Menschen seien. Aber natürlich solle man es nicht übertreiben.

5. Was passiert nach dem 30. Juni? Ist Marcel Koller dann noch immer Trainer des FC Basel, auch wenn sein Vertrag dann ausläuft?

Er mag die Frage nicht mehr hören und betont das auch auf für ihn ungewöhnlich scharfe Art und Weise: «Es ist das letzte Mal, das ich über dieses Thema spreche. Wenn ich oder der Verein etwas mitzuteilen haben, werden wir das tun. Es hat sich aber nichts verändert.» Das heisst auch, dass es keine weiteren Gespräche gegeben hat. Mehr wollte Koller nicht sagen. Sportchef Ruedi Zbinden wollte ebenfalls keine weiteren Informationen geben. Immer wieder berief er sich auf den 27. und den 29. Mai, welche für weitere Entschlüsse entscheidend seien. Am 27. fällt der BAG-Entscheid über das weitere Vorgehen mit dem Schweizer Sport, am 29. die stimmt die Swiss Football League über die Weiterführung der Liga ab. Klar, dass beides einen Einfluss hat. Nur: Auch abgesehen davon muss entschieden werden, ob Marcel Kollers Vertrag verlängert wird. Nicht nur dann, wenn die Liga über den 30. Juni hinaus spielen sollte. Dass Zbinden aber auch der Frage ausweicht, ob Koller bleibt, wenn der FCB Meister werden sollte und sein Vertrag automatisch um ein Jahr verlängert würde, sagt zwischen den Zeilen genug.

6. Bleiben Bua, Kuzmanovic, Cabral und Co bis zum Saisonende, sofern denn gespielt werden kann?

Neben Koller gibt es auch noch diverse Spieler, deren Verträge auslaufen: Kevin Bua, Zdravko Kuzmanivic und Ricky van Wolfswinkel. Aber auch die Leihverträge von Arthur Cabral, Emil Bergström, Edon Zhegrova und Eric Ramires enden am 30. Juni. Bei einem Spieler positioniert sich Zbinden ganz klar: «Cabral hat gute Leistungen gezeigt bei uns. Da ist es klar, dass wir ihn gerne behalten möchten.» Die Option bei Zhegrova liess man verstreichen. Ramires und Bergström sind Randfiguren. Von vor allem finanziellem Interesse sind die Verträge Kuzmanovics und van Wolfswinkels. Sie gelten als zu teuer, um weiter in Basel zu bleiben. Bei Bua stehen die Zeichen auf Abschied, ob er aber die Saison zu Ende spielen würde, ist unklar.

7. Was passiert mit ausgeliehenen FCB-Spielern wie Dimitri Oberlin?

Aktuell spielen sieben FCB-Leihspieler für andere Vereine. Am interessantesten sind die Personalien von Dimitri Oberlin (Zulte Waregem) und Aldo Kalulu (Swansea). Beide Vereine haben eine Option. Ob diese gezogen wird ist unklar. Da die Saison in Belgien bereits abgebrochen wurde, ist auch eine frühzeitige Rückkehr von Oberlin vor dem 30. Juni möglich. Im Normalfall sollen die Leihspieler aber bis Saisonende bei ihren aktuellen Klubs bleiben.

8. Ist der FCB überhaupt dafür, dass die Saison zu Ende gespielt wird?

Ja. «Wir werden an der ausserordentlichen Liga-GV am 29. Mai ganz sicher dafür stimmen, dass die Saison zu Ende gespielt wird», sagt Ruedi Zbinden. Dies nach Spekulationen, dass der FCB eben genau das Gegenteil wollte. Schliesslich rechnete Präsident Bernhard Burgener vor, dass jedes Geisterspiel ein Verlustgeschäft von 300000 Franken bedeuten würde. «Wir haben aber noch sportliche Ziele. Wir hoffen nicht, dass am grünen Tisch entschieden wird. Wir haben in der Meisterschaft in den verbleibenden 13 Spielen noch etwas gut zu machen. Ausserdem stehen wir im Viertelfinal des Cups und wollen in den Viertelfinal des Europacups», so Zbinden. Nicht in der Liga zu spielen wäre gegenüber Eintracht Frankfurt ein «Riesennachteil».

9. Gibt es Angebote für FCB-Spieler?

Nein. Ruedi Zbinden erklärt: «Ab und zu kriege ich ein SMS oder eine E-Mail für einen Spieler. Aber es kommen kaum Telefonate und keine Angebote rein. Weltweit gibt es kaum neue Verträge und praktisch keine Transfers. Der Markt ist wirklich ruhig.»

10. Ist die Lohndebatte ausgeräumt?

Ja. Das Thema wurde in dieser Woche nicht mehr angesprochen. Klubführung und Spieler haben sich Mitte April ausgesprochen. «Beide Seiten haben dort einen Fehler gemacht. Doch das ist erledigt und aus der Welt. Der Streit hat keine Spuren hinterlassen», sagt Ruedi Zbinden. Persönlich hat der Sportchef hat dem Präsidenten schon im März eine E-Mail geschrieben und erklärt, in den kommenden drei Monaten auf «einen Grossteil» seines Lohns zu verzichten.

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