Fussball

Trotz Vergewaltigungsvorwürfen bleibt Ronaldo auf dem Platz erfolgreich – und wirkt wie eine Maschine

Vergewaltigungsvorwurf, Juve-Aktien im Keller, besorgte Sponsoren – all das scheint Cristiano Ronaldo kalt zu lassen. Er antwortet mit Assists und Toren.

Die Enthüllungen des «Spiegels» schlugen Wellen weit über die Welt des Fussballs hinaus. Kathryn Mayorga bezichtigte den portugiesischen Superstar vor zehn Tagen, sie vor fast zehn Jahren in Las Vegas vergewaltigt zu haben. Nach einer Partynacht im «Rain», einem Nachtklub im Palms Casino Resort, soll der Fussballer sie und eine Kollegin in sein Penthouse geladen haben. Als sie sich umziehen wollte, um mit Ronaldo und seiner Entourage im Jacuzzi mit Aussicht über die Stadt zu baden, sei der Fussballer mit entblösstem Geschlecht hereinspaziert, habe sie erst gedrängt, ihn mit der Hand zu befriedigen. Dann wollte er, dass sie seinen Penis in den Mund nehme. Und letztlich habe er sie anal vergewaltigt.

«Sie hat mehrfach Nein und Stopp gesagt»: So hat Ronaldo die Geschehnisse dieser Nacht in einem Fragebogen seiner Anwälte geschildert. Ein Dokument, das es zwar in verschiedenen Versionen gibt, die dem «Spiegel» jedoch allesamt von den Whistleblowern von «Football Leaks» zugespielt wurden. Später soll Ronaldo den Sex als einvernehmlich bezeichnet haben.

Die Vorwürfe sind nicht neu. Schon vor etwas mehr als einem Jahr berichtete der «Spiegel» von ebendiesen Geschehnissen im Sommer 2009. Damals jedoch noch, ohne den Namen des mutmasslichen Opfers – Kathryn Mayorga – zu nennen. Ronaldos Management tat die Geschichte damals als «journalistische Fiktion» ab. Vier Tage später schoss CR7 im Viertelfinal der Champions League gegen Bayern München drei Tore. Wenig später fertigte er Atlético Madrid im Halbfinal mit einem neuerlichen Hattrick quasi
im Alleingang ab. Und Ronaldo funktionierte, als würde all das einfach so an ihm abperlen. Als wäre er eine Maschine. Die Vergewaltigungsvorwürfe gingen im sportlichen Trubel komplett unter.

Die Abkopplung des Bösen

Auch jetzt, wo Kathryn Mayorga im Zug der #MeToo-Bewegung den Mut fand, mit Foto und Name hinzustehen und trotz Schweigegeld von 375 000 Dollar zu reden, jetzt, wo die Polizei bekannt gab, dass man den Fall noch einmal aufrollen werde, auch jetzt funktioniert Ronaldo wieder. Drei Assists gegen Napoli und das entscheidende Tor am Samstag gegen Udinese zeugen davon.

Dabei ist nichts mehr, wie es war. Die Aktie von Juventus Turin stürzte nach den Anschuldigungen in den Keller, Ronaldos Sponsoren zeigten sich «tief besorgt» über die Anschuldigungen. Und gestern nun schreibt die «Daily Mail», ein weiteres mutmassliches Opfer von Ronaldo habe sich bei Mayorgas Anwalt, Leslie Mark Stovall, gemeldet.
Kathryn Mayorga erzählte, Ronaldo habe nach der Vergewaltigung gesagt: «Zu 99 Prozent bin ich ein guter Kerl, ich weiss nicht, was mit diesem einen Prozent ist.»

Es scheint, als könne Ronaldo das Böse, seine dunkle Seite, einfach so abkoppeln, wenn er als Sportler funktionieren muss. Oder dann sind all das tatsächlich «Fake News», wie der Portugiese glauben machen will.

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