Grosses Talent

Vinicius Junior – wird die Real-Hoffnung der nächste Ronaldo oder der nächste Ödegaard?

Vinicius Junior präsentiert stolz sein Dress von Real Madrid.

Vinicius Junior soll bei Real Madrid möglichst bald die Nachfolge von Cristiano Ronaldo antreten und zum nächsten internationalen Superstar aufsteigen. Nach ersten ansprechenden Testspiel-Auftritten spielt der 18-jährige Brasilianer aber plötzlich nicht mehr. Erinnerungen an ein anderes Wunderkind werden wach.

Schon vor eineinhalb Jahren nahm ihn Real Madrid unter Vertrag, 45 Millionen Euro überwiesen die Königlichen für den damals 16-Jährigen an Flamengo Rio de Janeiro. Seit diesem Sommer spielt Vinicius Junior nun auch wirklich in Madrid, nachdem ihn der spanische Rekordmeister noch ein Jahr in der brasilianischen Millionenstadt parkiert hatte.

Schon damals galt der junge Stürmer als eines der grössten Talente im Weltfussball. Nicht nur die Madrilenen, auch Barcelona, Chelsea und Manchester City hätten ihn gerne verpflichtet. Am Ende machte Real das Rennen, ganz zur Freude von Präsident Florentino Perez, dem seit jeher ein Faible für brasilianische Fussballer nachgesagt wird. 

«Er hat uns überzeugt mit seinen unglaublichen Dribblings, Sprints und Toren, gepaart mit einer herausragenden Technik», schwärmte Perez bei seiner Vorstellung. Für ihn war klar, dass es Vinicius sein wird, der dereinst in die grossen Fussstapfen des zu Juventus Turin abgewanderten Cristiano Ronaldo tritt. Dass er das Zeug dazu hat, bewies der heute 18-Jährige in der letzten Saison bei Flamengo. In 37 Spielen erzielte er sieben Tore und bereitete vier vor.

Plötzlich nicht mehr erste Wahl

Geglänzt hat Vinicius vor allem auf dem linken Flügel, da, wo auch Ronaldo jahrelang für Furore sorgte. Während des International Champions Cup, einem Vorbereitungsturnier in Übersee, deutete der Brasilianer ein erstes Mal an, zu was er fähig sein könnte: Feine Technik, gekonnte Übersteiger, begeisternde Tempo-Dribblings. Sogar den einen oder anderen Assist liess er sich gutschreiben.

«Er ist die Gegenwart und die Zukunft unseres Vereins», sagte sein Landsmann Marcelo, der selbst mit 18 zu Real gekommen war. Und Perez posaunte: «Wir glauben, dass er einer der Grössten der neuen, kommenden Ära bei Real werden kann. Er ist eine der grössten Hoffnungen im brasilianischen und im Weltfussball.»

Doch den neuen Real-Trainer Julen Lopetegui hatte Vinicius nicht komplett überzeugen können. Im UEFA Super Cup gegen Atlético Madrid und beim LaLiga-Saisonstart gegen Getafe spielte das Supertalent plötzlich keine Minute mehr. Lopetegui schickte den 1,77-Meter-Mann mit der Zahnspange und den auffälligen Ohrringen nicht einmal zum Aufwärmen, setzte lieber auf die jungen Spanier Marco Asensio oder Borja Mayoral.

Offensichtlich hält Lopetegui seinen wertvollen Schützling taktisch noch nicht für reif genug. Der 51-Jährige lässt einen attraktiven One-Touch-Kombinationsfussball, mit guter Raumverteidigung, schnellen Verlagerungen und Diagonalbällen spielen. Die jugendliche Verspieltheit von Vinicius ist dem neuen Trainer deshalb noch ein Dorn im Auge, Disziplin ist viel wichtiger.

Leiht Real ihn noch aus?

Spanische Medien spekulieren deshalb, dass Vinicius eventuell ein Jahr an einen schwächeren Liga-Konkurrenten ausgeliehen werden könnte. Dort soll der junge Brasilianer erst einmal Spielpraxis sammeln und sich ans Niveau in der spanischen Primera Division gewöhnen. Mehrere Klubs sollen Interesse an einem solchen Leihgeschäft haben.

Zur Diskussion steht aber auch eine Saison in der «Castilla», Reals Nachwuchsmannschaft in der dritten spanischen Liga. Dort spielte bis im Januar 2017 auch noch ein gewisser Martin Ödegaard. Der Norweger galt wie Vinicius einst als grösstes Talent im Weltfussball. Mit 16 wechselte er für 2,8 Millionen Euro zu Real Madrid, konnte sich aber nie durchsetzen. Gerade haben ihn die Königlichen zum zweiten Mal hintereinander ausgeliehen. Neu spielt der 19-Jährige bei Vitesse Arnheim, einem Mittelklasse-Klub in der holländischen Eredivisie.

Ein Schicksal, dass auch Vinicius Junior drohen könnte? Wohl kaum. Der Brasilianer wirkt körperlich weiter und fussballerisch gefestigter, als es Ödegaard im selben Alter war. Vinicius' Glück ist sicherlich auch, dass er mit 45 Millionen Euro zu teuer war, dass ihn Real so schnell fallen lassen könnte wie einst sein norwegisches Wunderkind. (pre)

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