FC Basel

Vom Fan vor dem Fernseher zum Führungsspieler: Timm Klose ist zurück beim FC Basel

Vergangene Saison spielte er noch in der Premier League gegen Teams wie Chelsea, jetzt trägt er ab sofort das Dress des FC Basel: Timm Klose.

Vergangene Saison spielte er noch in der Premier League gegen Teams wie Chelsea, jetzt trägt er ab sofort das Dress des FC Basel: Timm Klose.

Timm Klose erfüllt sich und den Anhängern des FC Basel einen Traum und kehrt in die Heimat zurück. Er unterschreibt für ein einjähriges Leihgeschäft mit Option auf eine definitive Übernahme. Die Erwartungen sind hoch.

Der Fussball ist gemeinhin als schnelllebiges Geschäft bekannt. Transfers geschehen vom einen auf den anderen Tag, Interessen und Intentionen ändern innert Stunden. Insofern muss es sich wie eine Ewigkeit anfühlen, wenn man als Fussballer elf Jahre lang auf etwas warten muss. Elf. Es ist beinahe die Dauer einer ganzen Karriere. Eigentlich unfassbar.

Aber genau so lange musste Timm Klose auf diesen Tag warten, der nun am Mittwoch Realität geworden ist. Er wurde offiziell zu einem Spieler der ersten Mannschaft des FC Basel. «Ich freue mich extrem, dass nun der Moment gekommen ist und ich demnächst selber im Joggeli einlaufen darf.» Wie speziell dies für ihn tatsächlich ist, erklärt sich nicht nur aus seinem Hintergrund, seinen Ur-Basler Wurzeln und dem Fan-Sein für diesen Klub. Nein, aussergewöhnlich macht es vor allem der Umstand, dass Klose vor elf Jahren schon einmal fast so weit war.

DFB-Pokalsieger, Premier-League-Spieler, aber noch ohne Einsatz beim FCB

Unter dem damaligen Cheftrainer der ersten Mannschaft, Christian Gross, war Klose auf dem Sprung dazu, vom U21-Spieler zum Profi zu werden beim FC Basel. Dies zwei Jahre, nachdem er im verhältnismässig hohen Alter von 19 Jahren erst von den Old Boys zum FCB gestossen war. Doch statt den Durchbruch zu schaffen, verkannte Gross-Nachfolger Thorsten Fink das Potenzial Kloses und liess ihn zu Thun ziehen. Erst dort reifte Klose unter Murat Yakin zum Profi-Fussballer, als welcher er später zu Nürnberg wechselte, zum VfL Wolfsburg und schliesslich zu Norwich City.

Er spielte sich von der Unterklassigkeit des Berner Oberlands zum DFB-Pokalsieger und Premier-League-Spieler. Aber nie zu einem Spieler der ersten Mannschaft des FC Basel. «Das war damals nicht einfach zu akzeptieren, dass der Verein, in den ich mein Herz und meine Leidenschaft stecke, mich nicht will», sagt Klose rückblickend und bei seiner Präsentation gegenüber dem klubeigenen TV. Aber er sagt es mittlerweile wohl auch mit einer gewissen Leichtigkeit, denn jetzt ist er Spieler des FCB.

Mit seiner einjährigen, vorerst leihweisen Verpflichtung von Norwich City, findet eine schier endlose Transfersaga und Distanzliebe ihr Ende. Seit Jahren geistert Kloses Name rund ums Joggeli, eben so lange hegt er den Wunsch, zurückzukehren. Unter Ex-Sportchef Marco Streller war er schon einmal beinahe ein Spieler des FC Basel, nur hört er plötzlich nichts mehr. Der Traum musste weiter warten. Bis gestern. «Nun muss ich nicht mehr mit dem FCB-Trikot vor dem Fernseher sitzen und auf diese Weise mitfiebern», zeichnet er ein wunderschönes Bild vom Basler Fan in Norwich, der eifrig mitgefiebert hat, Jahr für Jahr.

Die Verbandelung mit Bernhard Burgener

Wenn er nun – wohl im ersten Spiel nach der Nati-Pause gegen den FCZ – sein Debüt feiern wird, wird er dies als Leader mit internationaler Erfahrung, als neue Identifikationsfigur mit unverkennbarem Basler-Dialekt und als Abwehrchef tun. Als solcher ersetzt er Omar Alderete, der zu Hertha Berlin gewechselt ist. Zwar ist Klose kein so moderner, kein so schneller Verteidiger wie der Paraguayaner. Und eben so wenig ein Linksfuss.

Dennoch wird er die Lücke füllen und hat der FCB einen klugen Transfer getätigt. Vor allem auch, weil er Klose erst per Leihe holt, mit Option auf eine definitive Übernahme. Der 32-Jährige war letzte Saison lange verletzt und kam seit dem Abstieg nur noch zu einem Einsatz. Durch das Leihgeschäft trägt der FCB ein kleineres Risiko, vor allem finanziell. Und so kann Klose mit weniger Druck zurück zum Rhythmus finden und in eine weitere Rolle, die für ihn vorgesehen ist: jene des Führungsspielers.

Von Klose wird viel erwartet. Er soll die Mannschaft repräsentieren, gegen aussen hin als normal gebliebener Typ zu den Fans, vor den Medien als überlegter, cleverer Fussballer, der stets sagt was er denkt. Aber auch gegenüber dem Präsidenten, als Sprachrohr des restlichen Teams. Denn Klose ist nicht nur mit dem Verein und der Stadt, sondern auch mit Bernhard Burgener verbunden. Gemeinsam sitzen die beiden, ebenso wie Kloses Mutter und drei weitere Persönlichkeiten, im Verwaltungsrat des Club de Bâle. Dort also, wo Burgener vor etwas mehr als einem Monat mit Kloses zukünftigem Chef, Ciriaco Sforza, verhandelt hatte.

Ob die Verhandlungen Kloses und Burgeners ebenfalls mit Sicht auf den Rhein stattgefunden haben ist nicht übermittelt. Es ist aber auch nicht entscheidend. Denn so oder so hat der FCB mit Klose einen Spieler geholt, der eine Ära zu prägen vermag. Auch wenn diese keine elf weitere Jahre dauern wird.

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