Ankündigung
Vom FC Basel an die Weltspitze: Mohamed Salah will es heute allen zeigen

Er schiesst für Liverpool Tore am Laufmeter und ist in bestechender Form: Mohamed Salah. Der pfeilschnelle Ägypter hat sich zu einem der besten Stürmer der Welt entwickelt. Heute Abend im Halbfinal der Champions League will er den nächsten Beweis antreten.

Markus Brütsch
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Bitte sehr: Dieses Tor widme ich euch! Schon wieder hat Mohamed Salah für die Reds getroffen. Roberto Firmino (links) freut es.

Bitte sehr: Dieses Tor widme ich euch! Schon wieder hat Mohamed Salah für die Reds getroffen. Roberto Firmino (links) freut es.

KEYSTONE

Nein, so richtig überzeugt war Jürgen Klopp nicht von diesem Vorschlag. Er wusste zwar, dass Mohamed Salah kein Schlechter war, denn in einem Testspiel mit Borussia Dortmund gegen den FC Basel war ihm die Schnelligkeit des Ägypters ins Auge gestochen. Aber würde dieser Salah, der es bei Chelsea nicht gepackt hatte, dem FC Liverpool helfen?

Die Scouting-Abteilung der Reds schaffte es schliesslich, dass der Trainer 42 Millionen Euro investierte und den Araber von der AS Roma zurück nach England holte. Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass Liverpool zuletzt 78,8 Millionen Euro für den Innenverteidiger Virgil van Dijk nach Southampton überwies.

Wie oft hätte sich Klopp wohl in seinen Allerwertesten gebissen, wäre er dem Ratschlag seiner Scouts nicht gefolgt? Mohamed Salah nämlich hat sich in Liverpool derart atemberaubend entwickelt, dass auch den Experten nur das Staunen bleibt. «Wir wussten zwar, dass er ein guter Stürmer ist, erwarteten aber nicht, dass er in Liverpool so einschlagen würde», sagt Roma-Legende Francesco Totti, der jetzt im Staff der AS Roma arbeitet.

Mohamed Salah im Dress der AS Roma

Mohamed Salah im Dress der AS Roma

KEYSTONE/AP/GREGORIO BORGIA

35 Tore in 81 Serie-A-Spielen für die Fiorentina und die Roma sind in der Tat kein schlechter Wert. Jetzt aber hat er in Liverpool nur eine Saison gebraucht, und die ist ja noch nicht mal zu Ende, um in 46 Pflichtspielen 41 Treffer zu erzielen. In der Premier League hat Salah in 33 Partien 31 Mal getroffen und den Rekord egalisiert.

In Italien gereift

Wer sich wundert, warum er bei Chelsea nicht schon vor vier Jahren den Durchbruch geschafft hat, oder wer denkt, Trainer José Mourinho habe nicht richtig hingeschaut, wird durch Salah selber eines Besseren belehrt. Er sei physisch noch nicht bereit für die Premier League gewesen, als er von Basel zu Chelsea kam, sagte der Flügel in einem Interview. Die Zeit in Italien habe ihn reifer gemacht.

Dazu kommt, dass Klopps Überfallfussball einem Sprinter wie Salah auf den Leib geschnitten ist. Als Linksfuss wird er am rechten Flügel eingesetzt und bildet zusammen mit Roberto Firmino und Sadio Mané einen Klassesturm. «Im 4-3-3 agiere ich näher beim gegnerischen Tor und komme zu mehr Abschlüssen», sagt Salah. Doch ganz sicher ist er inzwischen auch viel kaltblütiger geworden. Der frühere Liverpool-Stürmer John Aldridge sagt: «Salah hat einen speziellen Schwerpunkt. Dies ermöglicht ihm Drehungen und Wendungen, die den Gegner überfordern.»

Mohamed Salah in rotblau

Mohamed Salah in rotblau

Keystone

Salahs ehemaliger Basler Teamkollege Philipp Degen sagt: «Mohamed ist einer der schnellsten Spieler, die ich je gesehen habe. Das ist genau das, was es auf internationaler Ebene braucht.» Weil Salah, der im letzten Jahr zu Afrikas Fussballer des Jahres gewählt worden war, nun am Sonntagabend auch in England Spieler des Jahres wurde, schliesst der heute in der Beraterbranche tätige Degen nicht aus, dass Real, Barça oder Manchester City für Salah 200 Millionen Euro auf den Tisch legen könnten. Zumal, wenn der 25-Jährige auch bei der WM in Russland glänzt.

Heitz und Naef

Doch vorerst warten noch andere Aufgaben. Zum Beispiel jene, mit dem FC Liverpool die Champions League zu gewinnen. Dass im Halbfinal ausgerechnet die AS Roma der Gegner ist, macht die Sache für Salah natürlich speziell. Und falls die Reds den Final erreichen sollten, müssten in Basel Georg Heitz und Pascal Naef wohl darüber nachdenken, ob sie nicht nach Kiew reisen wollen. Vielleicht werden sie ja auch von Salah dazu eingeladen. Denn Sportdirektor Heitz ist es schliesslich gewesen, der den Ägypter nach Basel gelotst hatte und diesen später für 16,5 Millionen Euro an Chelsea verkaufte.

Und Naef war jener Mann, der Salah nach dessen Ankunft während eines halben Jahres in Basel betreute und in die neue Kultur einführte. In einem Interview sagte Salah: «Ohne Pascal Naef wäre ich verloren gewesen.» Naef erinnert sich: «Als Mohamed zu uns kam, war er extrem zurückhaltend. Aber dann ist er mehr und mehr aus dem Busch gekommen.» Salah sei ein offener und kommunikativer Mensch.

Fabian Frei (r.) und Pascal Naef (l.)

Fabian Frei (r.) und Pascal Naef (l.)

Andy Mueller/freshfocus

Immer positiv und bodenständig. Die beiden pflegen noch heute einen guten Kontakt. Naef hat Salah schon in London, Florenz und Liverpool getroffen. «Es ist sensationell, wie er sich entwickelt hat», sagt Naef. «Er setzt um, was er angekündigt hat. Er erklärte mir: Eines Tages werde ich bei einem der besten Vereine der Welt spielen.»

Salah lässt seinen Worten Taten folgen. Fragt sich nur, wo sein Sturmlauf noch hinführt. Vielleicht wird «The Egyptian King» später einmal Präsident von Ägypten. Bei der Präsidentschaftswahl vor ein paar Wochen schrieben Hundertausende auf den Stimmzettel: Mo Salah!