Jasper van der Werff

Vor seinem möglichen Debüt: Der FCB-Neuzugang erklärt das «Projekt Jasper»

Sein grosses Vorbild ist Sergio Ramos: FCB-Winter-Neuzugang Jasper van der Werff.

Sein grosses Vorbild ist Sergio Ramos: FCB-Winter-Neuzugang Jasper van der Werff.

Weil das «Projekt Salzburg» ins Stocken geraten ist, ist Jasper van der Werff in die Schweiz zurückgekehrt. Nicht zu St. Gallen, seinem Jugendklub, sondern zum FC Basel. Für diesen könnte er am Sonntag im Spitzenspiel gegen die alte Liebe sein Debüt feiern.

Die Überraschung ist gross. Als im Sommer 2018 die Meldung kommt, dass Jasper van der Werff nach lediglich neun Einsätzen in der Super League den FC St. Gallen in Richtung RB Salzburg verlässt, verstehen das die wenigsten. Van der Werff ist zu diesem Zeitpunkt erst 19 Jahre jung, kann wenig Erfahrung aufweisen, gehört aber zu einem der vielversprechendsten Talente des Schweizer Fussballs. Und statt in diesem weiter zu wachsen, wagt er den frühen Schritt ins Ausland, zum Ausbildungsklub RB. Er träumt vom Weg, den beispielsweise Sadio Mané gemacht hat: Via Salzburg auf die ganz grosse Fussballbühne. Im Fall Manés zum FC Liverpool, im Traum Van der Werffs in die deutsche Bundesliga.

Zwei Jahre später spielt van der Werff aber nicht in Deutschland oder Spanien, wo mit Real Madrid sein Lieblingsklub aktuell die Tabelle anführt. Van der Werff ist zurück in der Schweiz. Seit dem 9. Januar ist er für eineinhalb Jahre Leihspieler des FC Basel. Ein Rückschritt? «Nein, im Moment ist es der richtige Schritt für mich. Und da Salzburg und der FC Basel für mich auf Augenhöhe sind, ist es definitiv kein Rückschritt.»

In Salzburg: Das erste Mal ganz alleine

Van der Werff mag mit seinen 21 noch immer jung sein. Aber seine Aktionen sind nicht nur auf dem Platz wohl überlegt. Für ihn ist das «Projekt FC Basel» eines, das er unter den Stern der Neuorientierung stellt. Weil er weiss, dass er ohne diesen neuen Schwung Mühe haben könnte, das ins Stocken geratene «Projekt Jasper» und «Projekt Salzburg» wieder zum Laufen zu bringen. Er sagt, das Überlegte sei schon immer eine Eigenschaft von ihm gewesen. «Aber natürlich ist das auch mit der Zeit gekommen, mit der Distanz von zu Hause, mit dem ersten Mal alleine wohnen.» Aber auch: Mit dem ersten grossen Rückschlag in seiner Karriere. Der kommt genau dann, als scheinbar alles ins Rollen kommt. Im Oktober 2018.

Nach wenigen Spielen bei RB-Farmklub Liefering rückt Van der Werff ins Salzburg-Kader. Er spielt, er performt. Er tastet sich mehr und mehr an einen festen Startplatz in einer Mannschaft heran, die im Frühling zuvor immerhin im Halbfinale der Europa League stand. Alles gibt ihm Recht. Und dann reisst der Aussenmeniskus. Statt vier Monate fällt er bis Ende Saison aus. «Es traf mich wie ein Schlag. Ich bin durch viele mentale Tiefs gegangen», sagt er offen.

Er beansprucht einen Mentaltrainer, um das Tief überwinden zu können. «Es hat mir so geholfen, dass ich heute in einem vergleichbaren Fall schneller zurück zur Positivität finden würde. Früher war ich sehr selbstkritisch und zu negativ. Das war nicht förderlich für mich.» Er muss lernen, positiv zu denken. Zu erkennen, was sein Körper braucht. Welche Übungen vor dem Schlafen sein müssen, welche nach dem Training.

Bei Speicher: Das erste Mal auf dem Platz

Und er muss auch lernen, was seine Karriere benötigt. Auch deshalb gehört er nun dem FC Basel. Wenn auch nur leihweise und wenn auch so, dass der FCB dem Vernehmen nach keine Kaufoption für ihn besitzt. Dennoch macht es für beide Seiten Sinn. Für den FCB, weil er einen talentierten, modernen Spieler bekommen hat. Einer, der die sich anbahnende Lücke in der Innenverteidigung im Sommer wird schliessen können. Van der Werff selber kriegt, was in Österreich schwer geworden wäre: Spielpraxis auf höchster Ebene. Basel statt Liefering also. Super League statt eine Liga, die mit der Challenge League zu vergleichen sei, wie Van der Werff sagt. Gut, aber nicht das, was er brauche auf seinem Weg. Dass er jetzt auch zurück in der Schweiz und näher bei der Familie ist? Ein positiver Nebeneffekt. So könne er an freien Tagen nach Hause. Die Familie wohnt noch immer in Speicher, wo er mit seinen drei Geschwistern aufgewachsen ist und beim Dorfklub seine ersten Fussballjahre verbrachte. Weil das Talent schnell entdeckt wird, wechselt er mit 9 zum FC St. Gallen. Nur zehn Jahre später ist er Profi. Ein spielstarker, ballliebender, das Spiel öffnender Innenverteidiger. Das holländische Blut scheint den Spielstil zu bestimmen, stammen seine beiden Eltern doch aus der Nähe von Amsterdam.

Gegen St. Gallen: Das erste Mal gegen die alte Liebe

Diesen Spielstil werden seine Eltern, die Familie und Freunde am Sonntag womöglich bestaunen können. Dann hat Van der Werff die Möglichkeit, seine Premiere beim FCB zu feiern. Dort, wo er vor zwei Jahren mit dem FC St. Gallen als Profi debütierte. Genau dieser FC St. Gallen gastiert am Sonntag im Joggeli. Nach dem Profi-Debüt gegen Basel könnte das Basel-Debüt gegen den Jugendklub folgen. «Das wäre eine perfekte Konstellation für mich.» Die Gedanken, sie kreisen seit Tagen um das Duell mit der alten Liebe. Als Kind war er oft im Espenmoos, und auch wenn er nicht mehr bei St. Gallen spielt, ist eine gewisse Verbundenheit geblieben. Mit den Ex-Mitspielern Alessandro Kräuchi und Miro Muheim hat er täglich Kontakt. Das direkte Duell war auch Thema. Aber je näher es rückt, desto weniger wird darüber geredet.

Die Bedeutung des Spieles ist klar. Verliert der FCB erneut, zieht der FCSG mit fünf Punkten davon. «Ein Sieg für uns muss unbedingt her», sagt van der Werff deshalb. Und auch wenn er sich als Ostschweizer über den St. Galler Aufschwung freut, sagt er ganz klar: «Für mich gehört der FCB an die Tabellenspitze und darum auch vor den FC St. Gallen.»

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