Den öffentlichen Auftritt beherrscht er. Gut, die einen sehen in ihm einen Marktschreier. Aber Matthias Hüppi (59) hat in 38 Jahren beim Schweizer Fernsehen gelernt, was das Volk hören will. «Wir wollen eine Euphorie entfachen», sagt er. Oder: «Wir sind zu Taten bereit.» Oder: «Wir wollen den Fussball in der Region dort hin bringen, wo er hingehört. Das sind die Herzen der Menschen.» Oder: «Ich bringe Leidenschaft mit, kann gut mit Menschen umgehen.»

Hüppi sagt das nicht als Fernsehmoderator, sondern als neuer Präsident des FC St. Gallen. Ab dem 15. Januar ist Hüppi beim Fünften der Super League als vollamtlicher Präsident tätig. Sein Vorgänger Stefan Hernandez ist wie seine drei VR-Kollegen vom neuen Aktionariat um die Industriellen Edgar Oehler und Roland Gutjahr abgesetzt worden. Damit setzt der FC St. Gallen in einem turbulenten Jahr, das geprägt war von Personalwechseln, Intrigen und Querelen, einen fulminanten Schlusspunkt.

Den tiefsten Schnitt verursachte Dölf Früh. Aus gesundheitlichen Gründen übergab er erst das Präsidentenamt an den überforderten Hernandez. Im Herbst dann verkaufte er auch seinen Aktienanteil. Durch Frühs Rückzug entstand zwar die Möglichkeit zum Neuanfang, aber auch ein grosses Vakuum. Denn Früh, der 2010 den Klub vor dem Kollaps gerettet hatte, sorgte nicht nur sportlich, sondern auch finanziell für Kontinuität. Mit seinem Beziehungsnetz avancierte er nebenbei zum wichtigsten Geldbeschaffer des Klubs.

Nun also Hüppi. Pikant an der Geschichte ist: Ausgerechnet Hüppis Bruder Michael wurde in diesem Jahr auf Initiative von Früh aus dem VR gedrängt. Zudem muss mit Finanzchef Sascha Roth ein Mann seinen VR-Platz räumen, der ein Angestellter Frühs ist. Insider behaupten, dass Hüppi zum scheitern verurteilt ist, sollte Frühs Arbeit als Mittelbeschaffer als Massstab gelten. Neue Geldquellen anzapfen ist die wichtigste Aufgabe für einen Präsidenten eines Schweizer Fussballklubs. Daran ist Hüppis Bruder gescheitert, der als Präsident den Klub 2010 in einem desolaten Zustand an Dölf Früh übergab.

Warum also Hüppi? Weil er a) den Schweizer Fussball verfolgt. Weil er b) bekannt ist. Weil er c) sich in der Öffentlichkeit verkaufen kann. Und weil er d) offenbar verfügbar ist. Hüppi ist quasi der Gegenentwurf zum unbekannten, in der Öffentlichkeitsarbeit unbedarften Hernandez. Und das ist schon mal ein guter Ansatz.

Aber reicht das auch? Oder anders gefragt: Warum tut sich Hüppi, der in Mutschellen (AG) wohnen bleibt, das Präsidentenamt beim FC St. Gallen an? Nun, als St. Galler ist er mit dem FC von Kindsbeinen an verbunden. Sein Onkel, Alt-Bundesrat Kurt Furgler, gründete nicht nur den Handballklub St. Otmar, sondern war auch ein begeisterter Anhänger des FC St. Gallen. Der FCSG ist für Hüppi bis heute eine Herzensangelegenheit.

Die Chance, beim ältesten Fussballklub der Schweiz eine wichtige Rolle zu übernehmen, bietet sich – auch wenn man Hüppi heisst – wohl nur einmal im Leben. Und weil Hüppi ein Sendungsbewusstsein hat – sonst wäre er nicht Fernsehmoderator geworden – konnte er gar nicht anders, als zusagen. Denn in St. Gallen und Umgebung ist man als Präsident des Fussballklubs, der sich gerne die Etikette «Kulturgut» umhängt, eine Person von Bedeutung.

Hüppi wird in St. Gallen für Unterhaltung neben dem Rasen sorgen. Einerseits, weil er sich gerne reden hört und sieht. Andererseits, weil er höchst empfindlich auf Kritik reagiert. Beim SRF schirmt ihn eine Presseabteilung ab. Beim FC St. Gallen indes kriegt Hüppi den Zorn des Publikums ungefiltert ab. Wie er damit umgehen wird?

Knäbel als neuer Sportchef?

Bei seiner Präsentation tappte Hüppi schon mal in eine erste Falle. Wohl geleitet von der Euphorie kündigte er einen grossen Namen als neuen Sportchef an. Wobei er den Namen natürlich nicht nannte. Problematisch ist, dass er damit hohe Erwartungen weckt, der FC St. Gallen aber derzeit nicht der attraktivste Arbeitgeber im europäischen Fussball ist.

St. Gallens Meistertrainer von 2000, Marcel Koller, wurde schon gehandelt. Wahrscheinlicher ist indes, dass Peter Knäbel in der Ostschweiz landet. Der 51-jährige Deutsche war von 2009 bis 2014 als Technischer Direktor beim Schweizerischen Fussballverband tätig. Danach, bis zu seiner Entlassung im Mai 2016, als Sportdirektor beim Hamburger SV. Zuletzt moderierte Knäbel mit Hüppi die sechs Champions-League-Spiele des FC Basel.