Wettskandal

Wettmafia soll FC Sion und FC Chiasso «unterstützt» haben

Spieler des FC Sion in einem Spiel im Jahr 2009.

Spieler des FC Sion in einem Spiel im Jahr 2009.

Die Hintermänner des Fussball-Wettskandals, der Europa einholte, sitzen in Singapur. Das Syndikat hatte schon Ende der 90er Jahre nach Europa expandiert und soll in der Schweiz dem FC Sion und den FC Chiasso nachgeholfen haben.

Als Chef-Wettpate von «Asiagate» gilt der ethnische Chinese Dan Tan, 48, auch Tan Seet Eng genannt. Der Singapurer mit feistem Gesicht soll der Boss eines Wettsyndikats sein, das Fifa-Untersuchungen zufolge alle fünf Kontinente umspannt.

1994 war der Vorbestrafte Dan Tan aus Singapur geflohen, weil er bei der Fussball-WM in den USA angehäufte Wettschulden nicht zahlen konnte. Später arrangierte er sich mit den „Gläubigern". Sein früherer Mentor war A. Eswaramoorthy Pillay, ein ehemaliger Torwart von Singapurs Nationalteam.

In die Lehre bei «Mr. X»

Das Syndikat hatte schon Ende der 90er Jahre nach Europa expandiert. Der auch «Mr. X» genannte Pillay stand dort knietief in der Kreide. Dan Tan packte die Chance und übernahm die Organisation.

Pillay übrigens soll auch die Schweizer Fussballlubs FC Sion und FC Chiasso «unterstützt» haben. Das sagte Wilson Raj Perumal aus, ein früherer Vertrauter von Dan Tan, der 2011 von seinem Boss in Finnland verraten wurde.

Perumal, 48, besass die Firma «Football For U», die 2009 in «Exclusive Sports» umbenannt wurde mit Dan Tan als zeitweiligem Direktor. In Finnland ging Dan Tan zur Polizei und sagte, ein anderer Singapurer, in Wahrheit sein Geschäftspartner, reise unter falschem Namen mit gefälschtem Pass. Dem verhafteten Perumal wurde der Prozess gemacht. Dank Absprachen soll er allein in Finnlands Fussball-Liga fast eine Viertelmillion Dollar eingestrichen haben.

15 Millionen Euro in einem Spiel

Auch Dan Tan verdiente Millionen, doch nicht alles verlief immer nach Plan. Beim Champions League Gruppenspiel zwischen Fenerbahce und Barcelona im September 2001 liess Dan Tan plötzlich das Flutlicht ausschalten. Er hatte auf einen Fenerbahce-Sieg gewettet. Er dachte, ohne Strom werde das Match abgebrochen. Nach einem 22-minütigen Spielunterbruch wurde ein Stromgenerator angeworfen. Das Spiel ging weiter, Barcelona walzte die Türken mit 3:0 platt.

2009 wurde Dan Tan in Italien aktiv und Teilhaber von UC AlbinoLeffe, damals in der Serie B. Der Asiate war immer populärer, viele Spieler begannen sich für seine Dienste zu interessieren und schlossen Wetten ab.

Mit einem einzigen Spiel konnte Dan Tan bis zu 15 Millionen Euro einstecken. Korrupte Spieler aber, die Partien manipulierten, erhielten höchstens 800 000 Euro. Die Prämien liess Dan Tan entweder über Boten auszahlen, oder er überwies das Geld, was Ermittler schliesslich auf seine Spur brachte.

Innerhalb von zwei Jahren soll Dan Tan allein in den italienischen Serie A und B 33 Spiele getürkt haben.

Vor einem Spiel tauschte sich Dan Tan gewöhnlich per SMS mit anderen Mitgliedern des Syndikats aus. Ein Betrag wurde vereinbart und dem Spieler, der die Partie zu manipulieren versprach, ein Betrag zugesagt. Die Hälfte zahlte gewöhnlich Dan Tan, der Cheffinancier des Syndikats; die andere Hälfte übernahmen die «Ungaren», wie sie in der Organisation genannt wurden, namentlich Zoltan Kenesei, Latzslo Schultz und Balazs Polyak.

Beim Spiel Lazio gegen Lecce im Juni 2011, das Lazio 4:2 gewann, schloss Dan Tan auf einer asiatischen Wettspiel-Webseite noch eine Zwei-Millionen-Euro-Wette ab. Er hatte vier oder mehr Tore vorausgesagt.

Noch immer aktiv

Wo Dan Tan derzeit lebt, scheint niemand zu wissen. Er soll Europa zunehmend gemieden und sich auf die wettbegeisterten Chinesen konzentriert haben, wo er noch grösseres Potential sah.
Sein ehemaliger Partner Perumal ist überzeugt, dass Dan Tan und die Hintermänner des Syndikats alle in Singapur untergetaucht seien, wo sie ab und an auch zum Spass Fussball gegeneinander spielen würden. 5 gegen 5. Dan Tan sei noch immer aktiv, so Perumal, und arrangiere bevorzugt zweitklassige Länderspiele.

Ein Fifa-Ermittler sagte der singapurischen Online-Zeitung The New Paper: «Es gab bedeutende Verhaftungen, doch es wird weiterhin Spielabsprachen geben solange Personen wie Dan Tan, die diese Operationen finanzieren, nicht identifiziert und abgefertigt worden sind.»

Der grösste Fisch, der «König von Kelong», wie Dan Tan auch genannt wird, gehört erst noch an Land gezogen.

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