Reaktionen

«Wir wären für ihn durchs Feuer gegangen» – das sagen Köbi Kuhns Wegbegleiter

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Kein Nationaltrainer war so populär wie er – nicht nur bei den Fans, auch bei seinen Wegbegleitern stand der einstige Regisseur bei FC Zürich hoch im Kurs. Das sind ihre Reaktionen auf den Tod von Köbi Kuhn (†76).

Karl Odermatt: «Immer ­dicke Freunde»

Karl Odermatt

Karl Odermatt

Sie haben unzählige Schlachten geschlagen. Gegeneinander. Miteinander. Köbi Kuhn im schneeweissen Trikot des FC Zürich, Karl Odermatt im Rot und Blau des FC Basel; oder dann zusammen im roten Leibchen mit dem weissen Kreuz, dem Dress der Nationalmannschaft. «Eine italienische Zeitung, ich glaube der ‹Corriere della Sera›, schrieb einmal, Köbi und ich seien eines der besten Mittelfeldpaare in ganz Europa», erinnert sich Odermatt.

«Doch jetzt bin ich einfach nur tief traurig und richtig geschockt, dass Köbi nicht mehr da ist.» Noch vor zwei Wochen habe er ihn am Spitalbett besucht und gesehen, wie schlecht es dem langjährigen früheren Weggefährten gegangen sei. Natürlich sei Köbi ein grossartiger Fussballer gewesen, vor allem aber auch ein wunderbarer Mensch, sagt Odermatt. «Klar, auf dem Platz waren wir Feinde, wenn der FCB gegen den FCZ spielte, aber in der Nati immer dicke Freunde.»

Wenn der 76-Jährige über Kuhn spricht, sieht er in diesem immer einen grossen Sportsmann vor sich. «Ich mag mich an eine Geschichte erinnern, die genau das unterstreicht», erzählt der Basler. «Nachdem wir mit dem FCB den Cupfinal verloren hatten, gewannen wir in der Meisterschaft 4:0 und holten damit den Titel. FCZ-Captain Köbi sorgte dann dafür, dass uns seine Mannschaft Spalier stand, als wir den Pokal abholten. Eine unglaubliche und wunderbare Geste zugleich», sagt Odermatt. Und er habe ihn später dafür bewundert, wie er als Trainer aufgetreten sei. «Er war für die Spieler wie ein Vater. Köbi war als Trainer zur richtigen Zeit am richtigen Ort.»

Hansruedi Hasler: «Bescheiden und zurückhaltend»

Hansruedi Hasler.

Hansruedi Hasler.

Dass es überhaupt so weit kam, hatte Kuhn zwei Leuten zu verdanken. Hansruedi Hasler, dem früheren Technischen Direktor des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV), und Ernst Lämmli, dem Delegierten der Nationalmannschaften. Ersterer erinnert sich: «Köbi Kuhn war damals im FCZ als ­Juniorentrainer tätig. Präsident Sven Hotz hatte ihm diesen Job wohl mehr aus Dankbarkeit für seine grosse Karriere beim FCZ gegeben, als in ihm einen grossen Trainer zu sehen.» Hasler aber ahnte, dass in Kuhn mehr steckte und holte ihn 1995 als U18-Nationaltrainer zum SFV. «Er hatte ein wahnsinniges Auge für die Qualität der Spieler», berichtet Hasler. Eine grosse Gabe Kuhns sei es gewesen, den Spielern Selbstvertrauen zu vermitteln. Zusammen mit Lämmli habe er es 2001 geschafft, dass Kuhn Trainer der A-Nati wurde. «Wir sahen uns dann in unserer Einschätzung seiner Qualitäten ­bestätigt. Er hatte immer ein goldenes Händchen in der Auswahl der Spieler», sagt Hasler. «Mit Köbi verlieren wir einen fantastischen Menschen, bescheiden und zurückhaltend trotz grosser sportlicher Erfolge. Dass er nicht mehr da ist, tut weh», sagt Hasler.

Raphael Wicky: «Sah immer zuerst den Menschen»

Raphael Wicky.

Raphael Wicky.

Raphael Wicky wusste bei unserem Anruf noch nichts von Kuhns Tod. Der Trainer der aktuellen amerikanischen U17-Nationalmannschaft hatte viele Jahre unter Kuhn in der Schweizer Nati gespielt, war bei der EM 2004 in Portugal und der WM 2006 in Deutschland dabei. «Im Vergleich mit dem heutigen Fussballbusiness war er ein atypischer Trainer. Er wurde nie laut und war nie aggressiv, aber das Zusammensein hat trotzdem immer funktioniert», sagt Wicky. «Ich hatte eine schöne, unvergessliche Zeit mit Köbi. Man kann schon sagen, dass ich heute als Trainer versuche, auch auf eine so menschliche Art zu arbeiten, wie er es immer getan hat», sagt der 42-Jährige. «Er blieb bei allem Druck jederzeit menschlich und sah immer zuerst den Menschen und erst dann den Spieler.»

Daniel Gygax: «Ein Lebemensch»

Daniel Gygax

Daniel Gygax

Das kann Daniel Gygax, 38, nur bestätigen. Den früheren FCZ-Profi hat Kuhns Tod hart getroffen. «Ich hatte gerade noch mit den Junioren des FC Zürich trainiert, als ich die Nachricht erhielt, dass er gestorben ist. «Mir ist es kalt den Rücken hinuntergelaufen, und ich hatte Hühnerhaut», erzählt Gygax. Er habe Köbi viel zu verdanken. Er habe ihn zum U21- und zum A-Natispieler gemacht. «Er war ein sehr menschlicher Trainer und führte uns an der langen Leine.» Wenn sie im Training oder sonst mal einen Seich gemacht hätten, sei Köbi nie richtig böse geworden. Er sei halt selber als junger Spieler einmal so gewesen und habe deshalb Verständnis für ihre Flausen gehabt, sagt Gygax. Manchmal habe er mit ihnen nach einem guten Spiel sogar noch ein Gläslein Wein getrunken. «Kuhn war ein Lebemensch», sagt Gygax. «Zum letzten Mal habe ich ihn bei der Vernissage seines Buches gesehen. Er hatte aber so viel zu tun, dass es nur zu einem Smalltalk reichte. Leider.»

Philipp Degen: «Vater und Freund»

Philipp Degen.

Philipp Degen.

Auch Philippe Degen, der bei der WM 2006 mit dabei war, findet für den Verstorbenen nur lobende Worte. «Köbi war ein grossartiger Mensch und Trainer. Er hat uns Spielern viel vermittelt. Das Trainingslager bei der WM 2006 in Bad Bertrich bleibt unvergessen», sagt Degen. «Köbi hat uns den Fussball vorgelebt und war zugleich Vater und Freund für uns. Wir wären für ihn durchs Feuer gegangen.»

Köbi Kuhn - sein Leben in Bildern:

Autor

Markus Brütsch

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