Champions League

YB-CEO Greuel zu allfälliger Champions-League-Qualifikation: «Übermütig werden? Nie im Leben!»

Die Champions League im Visier: Kevin Mbabu will mit den Young Boys ins Schaufenster der Königsklasse.

YB hat sich auf ein allfälliges Champions-League-Abenteuer vorbereitet. Bernhard Heusler, ehemaliger Präsident des FC Basel, kennt die Fallstricke.

Im Büro von Wanja Greuel steht ein Champions-League-Pokal aus Pappe. Er erinnert den YB-CEO an die Königsklasse. Nach dem Scheitern in der Qualifikation gegen Mönchengladbach hat ihm der beste Freund mit diesem Geschenk Mut machen wollen. Darauf ist zu lesen: «one day … YB will be in».

Jetzt sind die Berner so nahe an der Königsklasse wie noch nie. In den Playoffs gegen Dinamo Zagreb sind sie leicht favorisiert. «Grundsätzlich fiebere ich bei jedem Spiel mit, weil ich ein grosses YB-Herz habe», sagt Greuel. «Bei diesen Partien aber zittere ich noch mehr.» Fast 20 Millionen Franken an fixen Prämien stehen auf dem Spiel. «Die Qualifikation für die Champions League ist auch für mich ein Traum», sagt Greuel. «Die sportliche und kommerzielle Bedeutung ist mir bewusst. Wir bekämen neue Möglichkeiten, unser Unternehmen voranzubringen.»

  

Natürlich wartet YB nicht erst ab, ob der Wurf gelingt. «Wir sind für beide Szenarien gewappnet», sagt der 40-Jährige. «Wir sind uns bewusst, was in der Champions League betreffend Betrieb, Ticketing und Hospitality auf uns zukäme. Dass wir explodieren würden wegen der Telefonanfragen und E-Mails.» Greuel hat seine Mitarbeiter bereits darauf eingeschworen, dass möglicherweise strube Zeiten auf sie zukommen. «Alle haben signalisiert, dass sie bereit wären», sagt Greuel.

Selbstverständlich weiss Greuel, dass sich schon etliche Klubs an der Champions League die Finger verbrannt haben. Dass YB sich «überlupfen» könnte, hält er aber für ausgeschlossen: «Nie im Leben! Wir würden eine Qualifikation als einmalige Sache betrachten und wissen genau, wie wir budgetieren müssten. Den Fehler, im Hoch zu viel Geld auszugeben oder langfristige Verbindlichkeiten einzugehen, würden wir nie machen.»

Die grosse Versuchung

Genau das aber haben schon viele getan. Die Versuchung, in der Champions League das Heil zu suchen, ist gross. Um jeden Preis an die üppigen Fleischtöpfe kommen wollte schon 1997 Christian Constantin mit dem FC Sion. Nach dem Doublegewinn blähte er das Kader auf, verpflichtete für die CL-Qualifikationsspiele drei teure Franzosen und schraubte das Salärbudget in eine wahnwitzige Höhe.

Doch mit einer 1:4-Heimniederlage gegen Galatasaray ging der Schuss nach hinten los, das Kartenhaus stürzte ein und zwei Monate später kündigte Constantin seinen Rücktritt an, einen gewaltigen Schuldenberg hinterlassend.

Andere Präsidenten wie Hannes Kartnig von Sturm Graz spielten mit ihren Klubs sogar drei Mal in der Champions League, verloren den Boden unter den Füssen und gerieten finanziell an den Abgrund. Die Liste von Champions-League-Opfern lässt sich locker um Vereine wie Leeds United, Celta Vigo, Molde, Unirea Urziceni und Otelul Galati verlängern.

Und dann gibt es ja noch das Beispiel des FC Thun, der sich 2005 überraschend für die Champions League qualifiziert hatte und danach überrollt wurde. Der damalige Präsident Kurt Weder erinnert sich: «Wir stockten personell auf und arbeiteten rund um die Uhr.» 19 Millionen Franken nahmen die Thuner insgesamt ein. Doch nach dem goldenen Herbst ging es bergab. «Wir machten Fehler, vergriffen uns bei der Trainer- und Spielerwahl und bezahlten viel zu hohe Löhne», sagt Weder. Das Geld schmolz wie Schnee an der Sonne, und 2008 stieg Thun ab.

Heusler, der Mr. Know-how

Der Mann mit dem grössten Know-how in der Champions League hierzulande ist Bernhard Heusler. Die erste Kampagne des FC Basel 2002/03 hatte er noch als Fan miterlebt. Er sagt im Rückblick: «Das war für das Selbstverständnis des Klubs ein eigentlicher Durchbruch.»
Bei den fünf Teilnahmen zwischen 2008 und 2015 stand er dann in der Verantwortung. Und erinnert sich an ein Gespräch mit Chefscout Ruedi Zbinden im Jahr 2007, in dem es darum ging, dass es nach mehrjähriger Durststrecke nun an der Zeit sei, den europäischen «Footprint» aufzufrischen.

«Die Klubführung war längst zur Erkenntnis gelangt, dass einer Qualifikation für die Champions League eine zweite und dritte folgen müsse, um nachhaltig zu wirken», sagt Heusler. Um das zu schaffen, müssten aber viele Mosaiksteine zusammenpassen.
«Ganz zentral ist, dass der Klub sich von Erfolgen und medialen Lobpreisungen nicht dazu verleiten lässt, vom Weg abzukommen», sagt Heusler.

Spagat zwischen Königsklasse und heimischer Liga

Der FCB habe den Spielern – auch via Prämienreglement – immer klargemacht: aufpassen! Die Champions League sei fantastisch. Doch richte sich die Strategie nicht nach ihr aus, die Hausaufgabe sei der nationale Markt, den man beherrschen wolle. «Die grösste Herausforderung ist es, sich im Spagat zu bewegen zwischen den riesigen Umsätzen, die man in der Königsklasse generieren kann, und den Einnahmen aus den heimischen Wettbewerben.»

Dies haben die Basler in all den Jahren hervorragend hingekriegt. Heusler sagt: «Es lauert permanent die Gefahr, sich zu überschätzen und in der persönlichen Eitelkeit zu gefallen, wenn zum Beispiel auf der anderen Seite einer wie Chelseas Roman Abramowitsch steht.» Man müsse dann aufpassen, sich bei Transfers nicht zu «verrennen» und das Lohnniveau im Griff zu haben.

«Wir konnten die Champions League nur dank Sonderefforts aller Mitarbeiter stemmen. Den Apparat aufzublasen, bloss weil der Gegner über das zehnfache Budget verfügt, ist fatal», sagt Heusler. Der langjährige frühere Präsident des FCB ist indes überzeugt: «YB kann das alles packen!»

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