Fall Sion

Young Boys befürchten Imageschagen wegen «Fall Sion»

Buhmann der Liga: Sion-Präsident Christian Constantin. (Archiv)

Buhmann der Liga: Sion-Präsident Christian Constantin. (Archiv)

Der Transfer-Streit zwischen dem FC Sion und den Liga-Verantwortlichen geht in die nächste Runde. «Als Komiteemitglied der Swiss Football League kann das Vorgehen des FC Sion weder nachvollziehen noch tolerieren», so FC-Wil-Präsident Roger Bigger.

Mit dieser Meinung steht der Präsident des FC Wil nicht allein da - im Gegenteil. Deshalb befasst sich jetzt das Liga-Komitee mit dem «Fall Sion». So fand im Vorfeld des Freundschaftsspiels zwischen der Schweiz und Liechtenstein in Vaduz eine Sitzung des Komitees statt, um einen Ausweg aus der verfahrenen Situation zu suchen.

Liga-Ausschluss war kein Thema

Dieses Meeting war bis Redaktionsschluss noch im Gange. Wie die az erfahren hat, war der Ausschluss des FC Sion aus der Super League jedoch kein Thema. Vielmehr strebt das Komitee an, sich mit Christian Constantin an einen Tisch zu setzen, um das Problem endgültig aus der Welt zu schaffen. «So wie ich ihn einschätze, ist er ein vernünftiger Mann. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Constantin an einer weiteren Eskalation interessiert ist.»

Im Gespräch mit der az führt der Präsident des FC Wil denn auch aus, dass ihm nicht nur der Streit selbst, sondern der drohende Reputationsschaden zu schaffen mache. «Dieses Theater ist für Sponsoren und TV-Vermarkter nicht nachvollziehbar.» Diese Sorge treibt auch Ilija Kaenzig um. «Die Gefahr, dass der Schweizer Fussball nachhaltigen Schaden nimmt, besteht», sagt der CEO der Berner Young Boys. Ausserdem ärgert sich der Fussballmanager, dass sich der Sion-Präsident über alle Regeln hinwegsetzt. «Meiner Meinung nach hat niemand das Recht, den Schweizer Fussball zu zerstören.» Schliesslich hätten sich alle Vereine der Super League an geltende Regeln zu halten. «Wenn die jemandem nicht passen, kann dieser ja eine private Liga gründen - und dort seine eigenen Regeln einführen.»

Mittlerweile dauert der Transferstreit über drei Jahre. 2008 verpflichtete der FC Sion den ägyptischen Torhüter Essam El-Hadary, obwohl dessen damaliger Verein al-Ahly Kairo seine Zustimmung für den Wechsel verweigerte. Daraufhin verhängte die Fifa gegen Sion eine Transfersperre über zwei ganze Transferperioden. Dieses Urteil hat Constantin nie akteptiert und letzten Freitag für die sechs neuen Spieler am Zivilgericht Martigny eine superprovisorische Spielberechtigung erstritten.

24 Stunden später wurden dieselben Profis von der Swiss Football League superprovisorisch für eine Partie gesperrt. Somit durften die Sion-Neuverpflichtungen im Basler St.-Jakob-Park für das Spiel gegen den FC Basel nicht auflaufen. Die Liga-Verantwortlichen begründeten den Entscheid damit, dass das Urteil von Martigny im Widerspruch zu den Statuten der Swiss Football League und der Fifa stünde. Wären die sechs neuen Spieler dennoch aufgelaufen, hätte dem Schweizer Fussballverband laut den Liga-Verantwortlichen ein Verfahren seitens der Fifa gedroht.

Luzern-Präsident greift Liga an

Die chaotischen Zustände vor der Partie Basel gegen Sion vom letzten Wochenende bringen wiederum Walter Stierli auf den Plan und decken ein mangelhaftes Krisenmanagement der Liga-Verantwortlichen auf. «Ich vermisse eine harte Hand, die durchgreift. Wir vom FC Luzern haben unterschrieben, dass wir das Verbandsreglement respektieren und nicht vor ein Zivilgericht gehen.» Ob der FC Luzern die Partie gegen Sion unter Protest bestreiten wird, wollte Stierli indes noch nicht beantworten. Fortsetzung folgt.

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