Fussball

Zahlreiche Super-League-Spieler haben Probleme mit der Arbeitsbewilligung

Auch Basels Verteidiger-Talent Blas Riveros (18) durfte nicht im Nachwuchs Spielpraxis sammeln.

Auch Basels Verteidiger-Talent Blas Riveros (18) durfte nicht im Nachwuchs Spielpraxis sammeln.

Das Migrationsamt droht mit dem Entzug der Arbeitsbewilligung von Kickern aus Drittstaaten, sollten diese im Nachwuchs zum Einsatz kommen. Jetzt gibt es eine überraschende Wendung. Oder doch nicht?

Wenn die U21 des FC Basel heute gegen den FC Tuggen antritt, steht Djordje Nikolic (19) zwischen den Pfosten. Das wäre bis vor kurzem noch undenkbar gewesen. Denn das Migrationsamt drohte, Spielern wie dem serbischen Goalie-Talent bei einem Einsatz in der Promotion League die Arbeitsbewilligung zu entziehen. Warum?

Nikolic wurde schon zu Beginn der Saison einmal in der U21 eingesetzt. Dann aber intervenierte das kantonale Migrationsamt, beanstandete den Einsatz des Serben. Denn laut Ausländergesetz erhalten Fussballer aus Drittstaaten, aus Ländern also, die weder der EU noch der Europäischen Freihandelszone (Efta) angehören, nur eine Arbeitsbewilligung, wenn sie für ein Team in der Challenge oder der Super League geholt werden und auch dort spielen. Bei Missachtung könnten die Beamten den entsprechenden Spielern die Arbeitsbewilligung entziehen.

Kopfschütteln bei den Klubs

Die Paragrafen machten dem FCB diese Saison in mehr als einem Fall einen dicken Strich durch die Rechnung. So konnte der Ivorer Geoffroy Serey Die nach seiner mehrmonatigen Verletzungspause nicht mit Einsätzen in der U21 an die 1. Mannschaft herangeführt werden. Genauso wenig durften die Basler den im Sommer verpflichteten paraguayischen Verteidiger Blas Riveros im Nachwuchs spielen lassen. Obschon es sportlich absolut Sinn gemacht und dem 18-Jährigen die Anpassung an ein neues Land, eine fremde Sprache, einen anderen Fussball mit Sicherheit erleichtert hätte. Dasselbe gilt auch für Djordje Nikolic.

Djordje Nikolic konnte sich bisher fast ausschliesslich im Training beweisen.

Djordje Nikolic konnte sich bisher fast ausschliesslich im Training beweisen.

Die Intervention der Migrationsbehörden sorgt nicht nur in Basel für Kopfschütteln. Fast alle Super-League-Klubs sahen sich schon mit der Problematik konfrontiert. Sei es, weil sie junge Spieler aus Drittstaaten mit Einsätzen im Nachwuchs an die erste Mannschaft heranführen wollten, oder weil sie arrivierte Kräfte nach einer Verletzung mit Spielen im Nachwuchs schonend aufbauen wollten. Auch in der Challenge League flatterten bei mehreren Vereinen Beanstandungen rein.

Velko Simic erhielt zunächst gar keine Arbeitsbewilligung.

Velko Simic erhielt zunächst gar keine Arbeitsbewilligung.

Das Gesetz ist unverändert, eine Anpassung, das zeigt der Fall Simic (siehe Box), dauert in der Regel mehrere Monate, wenn nicht Jahre. Wie also ist es möglich, dass Nikolic heute gegen Tuggen spielt? Das Staatssekretariat für Migration (SEM) und die Swiss Football League sind spätestens seit dem oben erwähnten Fall in regem Kontakt, was beide Parteien bestätigen. Offenbar haben die Behörden der Liga nun signalisiert, dass man nicht mehr allzu genau hinschauen werde. Allerdings könnte das schon bald wieder anders sein, dann nämlich, wenn die Thematik zu sehr in den medialen Fokus gerät.

Derweil wird hinter den Kulissen rege an einer langfristigen Lösung gearbeitet, die den Besonderheiten im FussballGeschäft Rechnung trägt und zugleich mit der strengen Haltung der Schweiz in Migrationsfragen zu vereinbaren ist. Erschwert wird diese Aufgabe dadurch, dass man keine fussballspezifischen Regeln aufstellen kann und will. Die Vorschriften müssen also prinzipiell kompatibel mit allen anderen Sportarten sein. Auf Anfrage teilt das SEM mit: «Die Gespräche mit der Swiss Football League verlaufen konstruktiv. Zum Inhalt der Gespräche können vor Abschluss der Verhandlungen jedoch keine Angaben gemacht werden.»

Keine Vorteile für Fussballer

Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League, sagt: «Ich bin optimistisch, dass wir bald eine Lösung finden.» Das dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass er bei SEM-Vorsteher Mario Gattiker auf viel Verständnis stösst. Gattiker selbst ist Anhänger des FCZ und regelmässig im Letzigrund. Sobald sich Liga und SEM einig sind, beginnt allerdings der formelle Spiessrutenlauf mit der Konsultation der Kantone. Wie lange es dauert, bis eine Lösung präsentiert werden kann, ist kaum vorhersehbar, da den Kantonen keine Fristen gesetzt sind.

Was sicher ist: Der Bund wird ganz genau darauf achten, dass Fussballer mit den neuen Regeln gegenüber anderen Berufsgattungen nicht bevorzugt werden. Denn nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative im Februar 2014 hat der Bundesrat das Drittstaaten-Kontingent von 8500 auf 6500 gesenkt. Von diesen 6500 Aufenthalts- und Arbeitsbewilligungen gehen jährlich rund 40 bis 50 an Fussballer. Sie sind damit bei den erteilten Bewilligungen als Berufsgattung sicherlich überrepräsentiert. Gleichzeitig jedoch klagt die Wirtschaft über einen Fachkräftemangel. Kantone wie Zürich, Genf oder Basel hatten ihre Kontingente schon Mitte September ausgeschöpft. Deshalb wird das Kontingent auf Anfang 2017 auf 7500 erhöht.

Djordje Nikolic wird sich all dessen kaum bewusst sein, wenn er heute wiedermal spielen darf. Endlich. Denn seit Anfang August hat er keinen Ernstkampf mehr bestritten. Viele Einsätze dürfte er im Nachwuchs indes auch nicht kriegen. Das SEM wird wohl nicht lange wegschauen.

Meistgesehen

Artboard 1