Ein bisschen muss der FC Basel nach vollendeter Aufgabe noch warten, um zur Mathematik schreiten zu können. Das Spiel Luzern-YB ist erst 45 Minuten später zu Ende. 3:2 gewinnen die Berner – damit ist um 22:22 Uhr klar: Der FCB muss am kommenden Sonntag in Vaduz mehr Punkte holen als YB gegen Zürich, um zum siebten Mal in Serie als Meister festzustehen. Höchstens vier Punkte fehlen noch zum Titel.

«Es bleibt also spannend», verabschiedet der FCB-Animator die Fans nach dem nie gefährdeten 3:0-Sieg ihrer Lieblinge gegen Lugano in die Frühlingsnacht. Er kann damit nur den Zeitpunkt des Titelgewinns gemeint haben. Aber Spannung in dieser Meisterschaft? Man mag sich nicht erinnern.

Der Tag seines ersten Meistertitels als Trainer kommt für Urs Fischer also immer näher. So wirklich damit beschäftigen mag er sich damit gleichwohl nicht. «Jetzt wird es wohl noch langweiliger, wenn ich mich immer wiederhole, aber wir werden den Fokus auch weiterhin auf das nächste Spiel legen.» Fast schon euphorisch tönen da die Worte von Matchwinner Breel Embolo, der sagt: «Bald haben wir unser Ziel erreicht – hoffentlich schon am Sonntag!»

Fischer sprach in seiner Analyse von einer souverän erledigten Aufgabe. Er sprach aber auch einige leicht kritische Worte. «Wir haben im Gegensatz zu den letzten Spielen etwas den Biss und den Willen vermissen lassen.» Gerade für Embolo traf dies zu. Er verpasste es, das Spiel früher in günstige Bahnen zu lenken. Zu harmlos präsentierten sich die Tessiner Abstiegskandidaten.

Die «Light-Version» von Alaba

Der Basler Sieg gegen Lugano lässt sich am besten an vier Figuren erklären. Zum einen sind da Breel Embolo und Renato Steffen. Das Duo ist für das 1:0 und das 2:0 verantwortlich. Steffen liefert jeweils die Vorarbeit. Einmal per Kopf. Einmal per rechtem Fuss. Embolo vollendet zweimal. Erzielt damit sein zweites Doppelpack in dieser Meisterschaft. Die Krise scheint überwunden. Auch, weil er seit dem Ausfall von Marc Janko wieder zuvorderst spielen kann.

Die beiden sind damit für das Zählbare auf der Resultattafel verantwortlich. Es hätten durchaus mehr Tore werden können. Chancen dazu waren genügend vorhanden. Allein, es mangelte an Präzision, oder eben, wie von Fischer erwähnt, manchmal auch am letzten bisschen Entschlossenheit.

Blicken wir nun aber auf zwei Figuren, die nicht direkt an den Toren beteiligt waren. Und gleichwohl ein Grund sind, warum der FCB souverän durch die gestrige Aufgabe gleitet, Alexander Fransson und Taulant Xhaka.

Als der Schwede Fransson im Winter zum FCB stiess, sagte er: «Ein bisschen Angst habe ich schon, was für eine Aufgabe da auf mich zukommt.» Man sollte diesen Satz nicht missverstehen. Nach den ersten Eindrücken, die Fransson in Basel hinterlassen hat, besteht keinerlei Gefahr, als hätte er zu wenig Selbstvertrauen oder Qualität für seine Rolle als Nachfolger von Mohamed Elneny. Im Gegenteil. Die Aussage zeugt einfach von gesundem Respekt. Fransson kann für den FCB sehr bald zu einem grossen Gewinn werden. Warum, das zeigt er mit seinem starken Auftritt gegen Lugano. Ballsicher, laufstark, präsent im Mittelfeld – er spielt nahe an herausragend.

Kommen wir zu Taulant Xhaka. Xhaka kann alles, Mittelfeld, Aussenverteidiger, Innenverteidiger. Er ist so etwas wie die «Light-Version» von Bayern-Star David Alaba. Gestern spielt Xhaka zuerst im Mittelfeld, so bissig als würde der Meistertitel an einem seidenen Faden hängen. Nach dem Ausfall von Walter Samuel wird Xhaka eben zum souveränen Innenverteidiger.

Am Dienstag in Mönchengladbach hat Granit Xhaka gesagt: «Die KlubVerantwortlichen hier wissen sehr genau, dass es noch einen anderen Xhaka gibt.» Ein Verlust von Taulant Xhaka? Vielleicht wäre das für den FCB sogar schlimmer als ein Transfer von Wunderkind Embolo.

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