Kommentar

Zwischen Trauma und Triumph

Jubel bei Schalke nach dem 4:4 Remis gegen Dortmund.

Jubel bei Schalke nach dem 4:4 Remis gegen Dortmund.

Der Zeitpunkt schien ideal für eine erzieherische Massnahme. Der Sohnemann (7) sollte passivsportlich auf den richtigen Weg geleitet werden. Und zwar mit dem Ruhrpott-Derby.

Die kriselnden Dortmunder gegen die aufstrebenden Schalker. Was sollte da aus königsblauer Sicht schiefgehen?

Und dann das! Blankes Entsetzen. 4:0 für den Erzfeind nach 25 Minuten. Allgemeine Fassungslosigkeit. Papa schaut derart bedröppelt aus der Wäsche, dass der Sohnemann beginnt, mitleidig dessen Hand zu streicheln. Bei Halbzeit ist fertig lustig.

Die zweite Spielhälfte erspart man sich und vor allem dem Nachwuchs. Es stehen glücklicherweise wichtige Termine an (wirklich!), die ein weiteres Verfolgen des Matchs verunmöglichen. Und sowieso: Der Junge kriegt ja sonst noch ein Trauma!

Statt Gutenachtgeschichte gibts «Sportschau»-Zusammenfassung

Dumm nur, dass Vater und Sohn so eine der grossartigsten Aufholjagden der Fussballgeschichte verpassen. Logisch, muss das noch nachgeholt werden. Statt einer Gutenachtgeschichte gibts diesmal die zweite Halbzeit Dortmund gegen Schalke in der «Sportschau»-Zusammenfassung.

4:1, 4:2, 4:3 und dann in der 94. Minute das 4:4. Wahnsinn! Auch Stunden später noch geballte Fäuste und glänzende Augen!

Bleibt die Hoffnung, dass das Schalker Comeback und vor allem Papas strahlendes Lächeln beim Nachwuchs den bleibenderen Eindruck hinterlassen haben als das Dortmunder Startfurioso.

Nicht auszudenken, wenn das Christkind dereinst plötzlich ein schwarz-gelbes Trikot unter den Weihnachtsbaum legen muss. Heiligabend würde sich wie die 25. Minute am 25. November 2017 anfühlen.

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