Dass die Slowaken ihr Eishockey lieben, wurde in der ersten WM-Kolumne bereits angetönt. Ein richtiges Gefühl für den Enthusiasmus rund um die einheimische Nationalmannschaft erhält man aber erst, wenn man sich in einem der zahlreichen Pubs in Bratislava ein Spiel der Slowakei zusammen mit den Einheimischen am Bildschirm anschaut.

So geschehen im Duell gegen Kanada. Um es vorwegzunehmen:Es ist kein Spiel für schwache Nerven. Zumindest, wenn das Herz für eine der beiden beteiligten Equipen schlägt. Als neutraler Beobachter ist es spektakulär, spannend, dramatisch – kurz: ein Genuss. Diese Partie bietet alles, was das Eishockey-Herz begehren kann.

Entsprechend geht es auch im Pub hoch zu und her. Unbändige Jubelstürmer wechseln sich mit angsterfüllten Schreien quasi im Minutentakt ab. 2:0 führen die Slowaken. Die Kanadier gleichen zum 2:2 aus. Im zweiten Drittel legt wieder das Heimteam zwei Längen vor, ehe die Kanadier aufdrehen und ihrerseits drei Treffer in Serie erzielen.

Ungläubiges Starren

Im letzten Drittel sieht man das Anrennender Slowaken, denen tatsächlich noch der Ausgleich gelingt. Doch dann kommt die Szene, welche die Herzen der slowakischen Fans im Lokal reihenweise brechen lässt. Kanada gelingt durch Mark Stone 1,8 Sekunden vor der Schlusssirene im Powerplay der Siegtreffer zum 6:5.

Schlagartig ist es still im Pub. Ungläubiges Starren auf den Bildschirm. Das Bier, das vorher literweise in die Kehlen geflossen ist, bleibt unangetastet auf den Tischen stehen. Ein paar flüchten vor die Tür für eine Frustzigarette. Bei den andern steigt langsam, aber sicher der Frust an die Oberfläche.

Ein nicht gepfiffenes Foul eines Kanadiers unmittelbar vor dem Siegtreffer wird im Fernsehen gezeigt. Man schimpft und gestikuliert in Richtung Bildschirm. In der Hoffnung, die Flüche mögen auch im fernen Kosice gehört werden. Dort pfeifen die Zuschauer derweilen die kanadische Nationalhymne aus. Nicht gerade die feine Art. Aber eben: Die Slowaken sind mit ganzem Herzen dabei. Jetzt ist es gebrochen.