Bundesliga

Geht er? Bleibt er bei Dortmund? Wie Lucien Favre ganz Fussball-Deutschland in Aufregung versetzt

Er spricht in Rätseln: Lucien Favre.

Er spricht in Rätseln: Lucien Favre.

Vorzeitiger Abschied im Sommer? Oder doch noch eine Chance auf das späte Titel-Glück? Die Zukunft von Lucien Favre als Dortmund-Trainer ist offen. Die sportliche Entwicklung spricht für ihn, aber wie gross ist die Sehnsucht im und um den Verein nach einem Menschenfänger wie Jürgen Klopp?

Ein einziger Satz hat gereicht, um ganz Fussball-Deutschland in Aufregung zu versetzen. Ein Satz von Lucien Favre, der ziemlich typisch für ihn ist. Er lautet: «Ich werde in ein paar Wochen darüber sprechen.»

Favre ist ein Meister, wenn es ums sprachliche Dribbling geht. Wer mit ihm spricht, findet sich schnell in einem Labyrinth wieder. Erzeugt von Favres Worten. Es scheint oft, als wolle er verhindern, dass die Menschen um ihn herum nachvollziehen können, was in seinem Kopf gerade so vorgeht. Könnte ja irgendwann irgendeinem Gegner einen Vorteil verschaffen auf dem Fussballplatz.

Am späten Dienstagabend war es wieder mal so weit. Gerade hatte Favres Dortmund das Spitzenspiel der Bundesliga gegen die Bayern mit 0:1 verloren. Es war nicht so, dass Dortmund einen schlechten Auftritt hingelegt hätte. Es war nur wieder einmal so, dass es am Ende halt doch nicht ganz gereicht hat gegen den grossen Rivalen. «Wieder nur fast erfolgreich», schrieb die Süddeutsche Zeitung beispielsweise. Und weil das so ist, provoziert so eine Niederlage eben Fragen.

Zum Beispiel diese: Haben Sie Angst, dass nun wieder überall die Diskussion losgeht, dass Lucien Favre den BVB einfach nicht zum Titel coachen kann? Spätestens da, also etwa zwei Minuten nach Schlusspfiff, war dieses unterhaltsame und durchaus sehr gute Fussballspiel plötzlich nur noch eine Randnotiz. Dass Bayern München womöglich gerade der entscheidende Schritt zum achten Titel gelungen ist – völlig nebensächlich. Es dominierte nur noch die Favre-Frage.

Die böse Erinnerung an den Abschied von Favre in Mönchengladbach und Berlin

Als er zur Antwort ansetzte, war Favre schlicht Favre. Er wollte tunlichst verhindern, dass zu viele Dinge, die es ganzheitlich zu betrachten gilt, nun in den Emotionen direkt nach einem grossen Spiel verhandelt werden. Darum wählte er den Satz: «Ich werde in ein paar Wochen darüber sprechen.» Schliesslich gibt es bis dahin noch sechs Meisterschaftsspiele – die Favre unbedingt gewinnen will. Um zu beweisen, dass die Formkurve seines BVB weiter nach oben zeigt. Wie das ja auch schon vor diesem Gipfeltreffen (neun Sieg aus zehn Spielen) der Fall war.

Allein, mit der Ruhe war es danach vorbei. Fussball-Deutschland entschlüsselte das nächste Favre-Rätsel dahingehend, dass er über einen vorzeitigen Abschied nachdenkt. Dass er Dortmund also trotz Vertrag bis 2021 verlassen wolle.

Nun, der Reflex ist nicht ganz unverständlich, schliesslich hat Favre in der Vergangenheit sowohl bei Hertha BSC Berlin wie auch Borussia Mönchengladbach die Bundesliga-Bühne ziemlich abrupt verlassen und dabei für ziemliche Ratlosigkeit gesorgt. Wird es also wieder ähnlich sein? Einige Stimmen brachten sogar schon Ex-Bayern-Trainer Niko Kovac ins Gespräch.

Dortmund-Chef Watzke: «Es gibt überhaupt keinen Anlass für eine Trainer-Diskussion»

Vielleicht hat Favre noch vor dem Einschlafen realisiert, wie seine Gedanken gerade gedeutet werden. In eine Richtung jedenfalls, die ihm so gar nicht passte. Also entschloss er sich, am Mittwochmorgen seine Gedanken zu präzisieren. «Ich werde weitermachen. Ich habe einen Vertrag. Diesen Vertrag werde ich erfüllen. Es gefällt mir hier.»

Viel Aufregung um nichts also? So einfach ist es kaum. Da kann der BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke noch so sehr behaupten, dass es «überhaupt keinen Anlass für eine Trainerdiskussion» gebe. Die entscheidende Frage lautet: Reicht es, wenn Favre auf die gute Entwicklung seiner Puzzleteile verweist? Darauf, dass ein Team zusammenwächst, das in der nächsten Saison die Bayern herausfordern kann, zumindest vielleicht? Oder wird die Sehnsucht der Menschen im und um den Verein nach einem Antreiber à la Jürgen Klopp doch zu gross?

Neuer Anlauf auf den Titel mit Favre? Vorzeitiger Abschied im Sommer? Die Suche nach Antworten gestaltet sich gerade ziemlich schwierig. Wie im Labyrinth eben.

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