Generalversammlung
Neuer Vorstand, neue Statuten und Vertrauen in David Degens Team: So haben die FCB-Mitglieder entschieden

Die Ergebnisse der 127. Generalversammlung des FC Basel sind da. Die Mitglieder unterstützen den eingeschlagenen Weg von Präsident Reto Baumgartner und dem neuen Mehrheitsaktionär David Degen. Der hat allerdings noch jede Menge zu tun, damit es am Ende auch sportlich besser wird.

Jakob Weber
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Die FCB-Mitglieder hoffen, dass sie bald wieder im Stadion jubeln dürfen. Mit den Plänen von Vereinspräsident Reto Baumgartner und David Degen sind sie offensichtlich zufrieden.

Die FCB-Mitglieder hoffen, dass sie bald wieder im Stadion jubeln dürfen. Mit den Plänen von Vereinspräsident Reto Baumgartner und David Degen sind sie offensichtlich zufrieden.

Freshfocus (Archiv)

Aufbruchstimmung. Dieses Wort hat in diesen Tagen rund um den FC Basel Hochkonjunktur. Eigentlich seit dem 11. Mai, dem Tag, an dem der Besitzerwechsel von Bernhard Burgener zu David Degen verkündet wurde. Mit der Generalversammlung der AG wird dieser Besitzerwechsel am Dienstag auch offiziell vollzogen. In Zukunft herrscht dann nicht mehr Bernhard Burgener sondern das siebenköpfige Team um David Degen.

Aufbruchstimmung signalisierten bereits die Muttenzerkurve und die Unterstützer der Bewegung Yystoo. Sie hatten sich monatelang mit unterschiedlichsten Aktionen für einen Besitzerwechsel eingesetzt und der neuen Führung bereits das Vertrauen ausgesprochen. Gestern legten dann auch die Vereinsmitglieder nach. An der schriftlich durchgeführten Generalversammlung des Vereins erreichten die neuen Verwaltungsräte Zustimmungen von 85 bis 95 Prozent.

Die Ergebnisse in der Übersicht:

Statutenrevision

1852 Ja-Stimmen (angenommen)

Präsident
Reto Baumgartner: 1923 (gewählt)
Jean-Claude D. Gerber: 58

Vereinsvorstand
Reto Baumgartner: 1973 (gewählt)
Dominik Donzé: 1827 (gewählt)
Benno Kaiser: 1816 (gewählt)
Carol Etter: 1835 (gewählt)
Tobias Adler: 1649 (gewählt)
Edward Turner: 1597 (gewählt)
Jean-Claude D. Gerber: 578 

Delegierte des Vereins in der AG
Carol Etter: 1814 (gewählt)
Jean-Claude D. Gerber: 117

Verwaltungsratsempfehlung
Reto Baumgartner: 1955
David Degen: 1871
Christian Gross: 1862
Sophie Herzog: 1862
Marco Gadola: 1828
Andreas Rey: 1791
Johannes Barth: 1741

2055 FCB-Mitglieder gaben ihre Stimme ab. Das Absolute Mehr lag bei 1028.

Nachdem die FCB-Mitglieder an der letzten GV im November 2020 noch sowohl die alte Führung als auch die neuen Statuten und das Fünferticket von Yystoo ablehnten, unterstützen sie jetzt mit ihren Voten die Pläne von FCB-Präsident Reto Baumgartner und damit auch indirekt die Pläne der neuen Führungscrew um David Degen. Denn für Degen hatte sich Baumgartner bereits Ende März in einem Interview in der bz stark gemacht.

Reto Baumgartner wird erneut mit grosser Mehrheit gewählt

Jetzt wurde Baumgartner mit 94 Prozent der Stimmen erneut souverän zum Präsidenten des Vereins gewählt. Damit wird der 54-Jährige für ein Übergangsjahr Verein, AG und Holding des FC Basel präsidieren, ehe er das Vereinspräsidium abgeben und nur noch im Verwaltungsrat der Holding und der AG die Geschicke des FCB mitgestalten wird. «Das Traumergebnis von uns allen freut mich. Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und darauf können wir stolz sein», sagt Baumgartner in der Onlineveranstaltung, bei der am Montagabend die GV-Ergebnisse verkündet wurden.

Auch die Statutenrevision wurde mit einem halben Jahr Verspätung deutlich angenommen. Die nötige Zweidrittelmehrheit konnte diesmal erreicht werden, weil Baumgartner und seine Vorstandskollegen die Statuten gemeinsam mit den Mitgliedern noch einmal überarbeitet hatten. Das bedeutet, dass die FCB-Mitglieder in Zukunft mehr Rechte geniessen und zum Beispiel nur noch 5 Prozent Zustimmung benötigen, um eine ausserordentliche GV einzuberufen. Ausserdem hat die oder der Delegierte des Vereins in der AG unabhängig von AG und Holding zu sein und eine geschichtsträchtige Präambel von Benedikt Pfister, Nils Widmer, Remo Nyffenegger ziert die neuen Statuten.

Im FCB-Vereinsvorstand sitzen in Zukunft sechs Personen. Zu den drei Ehemaligen gesellt sich das vom Verein vorgeschlagene Dreierticket um die 36-jährige Sportjuristin Carol Etter, den 33-jährigen Marketingexperten Tobias Adler und den 34-jährigen Finanzexperten Edward Turner. Der einzige zusätzliche Kandidat Jean-Claude D. Gerber wurde nicht gewählt. Auch Adler nimmt das Wort Aufbruchstimmung in den Mund: «Es ist schön, wie jetzt alle wieder an einem Strang ziehen und welche Aufbruchstimmung herrscht.»

Als neue Delegierte wird Carol Etter am Dienstag bereits ein erstes Mal im Verwaltungsrat der AG die Interessen des Vereins vertreten und dafür sorgen, dass Verein und AG wieder eine Einheit werden.

Carol Etter, Tobias Adler und Edward Turner ergänzen ab sofort den Vereinsvorstand.

Carol Etter, Tobias Adler und Edward Turner ergänzen ab sofort den Vereinsvorstand.

FCB

Auch die Fans spielen in dieser Einheit eine wichtige Rolle. Die Hoffnung steigt, dass zu Beginn der neuen Saison wieder tausende Fans ins Joggeli dürfen. Mit Covid-Zertifikat sollen in der Schweiz ab Ende Juni bereits wieder 5000 Besucher zu Grossveranstaltungen im Freien zugelassen werden. Und wenn der FCB dann Ende Juli die ersten Spiele bestreitet, könnten sogar noch mehr Zuschauer erlaubt sein.

Der FCB hat ein ambitioniertes Zuschauer-Ziel

Der FC Basel hofft, von der Aufbruchstimmung im Klub und in der Region profitieren zu können. Der Saisonkartenverkauf ist in vollem Gange. Das ambitionierte Ziel von 20’000 Dauerkarten wurde ausgerufen. Die vielen Fans sollen nicht nur wieder die Mannschaft anfeuern sondern auch den Verein finanziell absichern. 28 Millionen Franken beträgt das strukturelle Defizit des FC Basel in diesem Jahr, wie David Degen gegenüber der «Basler Zeitung» erklärte. Durch diverse Sparmassnahmen aber gerne auch durch eine Steigerung der Einnahmen soll dieses Defizit weiter verringert werden.

Die Weichen für eine erfolgreichere Zukunft sind gestellt. Aktuell ist das Vertrauen in Degen und Baumgartner offensichtlich gross. Aber vor allem Degen wird sich schnell an Resultaten messen lassen müssen. Dessen ist auch er sich bewusst. Aktuell ist er zusammen mit der Sportkommission, in der ausser Degen auch Christian Gross, Ruedi Zbinden und Philipp Kaufmann sitzen, damit beschäftigt, das Kader für die kommende Saison zusammenzustellen. Einen Sportchef soll es weiterhin nicht geben. Dafür einen Innen-, Links- und Rechtsverteidiger, einen Spieler fürs Zentrum und bei einem allfälligen Cabral-Abgang einen Mittelstürmer. Es gibt also noch einige Deals zu fixieren.

Einen Monat Vorbereitung: Dann gilt es ernst

Am kommenden Montag ist Trainingsauftakt. Am Mittwoch geht die erste Mannschaft dann für zehn Tage ins Trainingslager nach Crans Montana. Sie hat einen Monat Vorbereitung Zeit, bis es am 22. Juli zum ersten Ernstkampf in der Conference League Qualifikation kommt. Dann soll die Aufbruchstimmung auch auf dem Rasen ersichtlich sein.