Wie steht Auto Sport Schweiz zum E-Prix?

Der Verband selbst ist jedem Rennen gegenüber positiv. Das ist unsere Aufgabe, wir wollen Autorennen in der Schweiz.

Sowohl in Zürich als auch in Bern gab es Proteste. Haben solche Anlässe Zukunft in der Schweiz. Haben Autorennen in der Schweiz Zukunft?

Ich muss eine Vorbemerkung machen. Wir sind nicht Organisator des Rennens. Schon in Zürich hatten wir das Problem und in Bern war es noch ausgeprägter: Der Organisator hat nicht mit uns zusammengearbeitet. Wir haben es ihm nahegelegt, wir wollten ihn unterstützen. Aber es kam nie zu einer Zusammenarbeit.

Warum nicht?

Der Veranstalter funktioniert so. Er will immer alles allein machen. Es fehlt an Führungsstruktur und deshalb hatten wir den Eindruck, dass es nicht gut kommen kann und uns rausgehalten.

Warum kam es zu den Widerständen in Bern?

Als ich die Strecke sah – Sie müssen wissen, ich bin Berner, ich kenne die Stadt -, habe ich gesagt: Das kann doch nicht sein. Das kann man nicht machen. Mir war sofort klar, dass das Obstberg-Quartier eine Woche lang leiden wird. Es war auch klar, dass es so Opposition geben wird. Natürlich, das wird sicher super Fernsehbilder geben mit dem Aargauer Stalden, dem Muristalden, dem Bärengraben – das ist unbestritten. Aber der Preis dafür ist zu hoch.

Eine falsche Streckenführung. Wo hätten Sie denn Alternativen gesehen?

Es hätte mit Sicherheit andere Möglichkeiten gegeben. Die wären einfach nicht so zentral und mitten in der Stadt gewesen.

Aber genau das ist doch das Ziel der Formel E: Die Rennen sollen mitten in der Stadt sein.

Schauen Sie, ich war in Rom beim Formel-E-Rennen. Auf allen Plakaten und Werbebannern sah man das Kolosseum. Als ich zwei Tage vor dem Rennen um das Kolosseum lief, habe ich nichts gesehen von der Formel E. Ich bin dann mit der Metro bis zur letzten Station gefahren, in ein Verwaltungsgebiet, in dem am Wochenende nichts läuft, am Stadtrand, dort fand das Rennen statt. Man hätte hier etwas ähnliches machen müssen. In Bern hat es auch eine Menge Verwaltungsgebäude, das wäre möglich gewesen. Gebiete die nicht so stark bewohnt sind.

Es kam zu einer Velo-Demonstration. Laut Veranstalter hat es Sachschäden in der Höhe von 400‘000 Franken gegeben. Was halten Sie davon?

Ich schäme mich als Berner für das, was am Donnerstagabend hier abgegangen ist. Ich habe heute mit Leuten aus etwa zwölf verschiedenen Ländern gesprochen. Alle waren sie überrascht, dass es so solche Sachbeschädigungen überhaupt gibt in der Schweiz. Da musste ich leider sagen, dass wir das fast jedes Wochenende in der Reitschule haben.

Für die Reklamationen der Anwohner haben Sie aber Verständnis, oder?

Ja, ich verstehe, dass sie sich entrüsten darüber, dass sie sehr eingeschränkten Zugang zu ihren Wohnungen und Häusern haben. Aber wenn man eine Rennstrecke in diesem Gebiet baut, braucht es diese Massnahmen, keine Frage.

Erweisen die Veranstalter Ihren Interessen einen Bärendienst, weil man die Bevölkerung so erzürnt?

Er hilft uns auf jeden Fall nicht. Es tut unserem Sport nicht gut, dass es so viel Opposition gibt. Aber ich muss es so sagen: Ich habe ein gewisses Verständnis für die Opposition. Natürlich gibt es auch positive Rückmeldungen, aber bei weitem nicht nur.

Ihr Ziel bleibt es, dass in der Schweiz Rennen gefahren werden. Wie realistisch ist dieses Ziel?

Wir müssen uns keine Illusionen machen, eine Rundstrecke wie zum Beispiel in Hockenheim werden wir in den nächsten Jahrzehnten nie haben. Wir haben das Land dafür gar nicht. Aber es gäbe die Möglichkeit, eine Rennstrecke wie wir sie in Lignières haben, auszubauen. So etwas wäre möglich.