Immer wieder verletzt – immer wieder aufgestanden, weitergekämpft und am Schluss gewonnen. Dominique Gisin wurde in ihrer Laufbahn wahrlich nicht vom Glück verfolgt. Insgesamt neun Knieoperationen musste die tapfere Engelbergerin über sich ergehen lassen. Etliche andere Verletzungen sind in ihrer Karriere dazugekommen. 

Heute gab Gisin ihren Rücktritt bekannt. «Für mich ist das ein sehr emotionaler Moment. Es war eine wundervolle, verrückte Reise für mich. Heute ist der Tag, an dem ich meinen Rücktritt erkläre.»

Motivationsprobleme nach dem Olympiasieg

Die 29-jährige wollte zurücktreten, wenn sie ihr ganzes Potential ausgeschöpft hatte. Nach dem Olympiasieg wurde es für Gisin schwieriger, sich zu motivieren. «Es war schwieriger geworden, mich für das Konditionstraining zu motivieren. Ich habe mir überlegt, was ich in Zukunft anders machen könnte und mir ist nichts in den Sinn gekommen.»

Der Abschied fällt Gisin offensichtlich nicht leicht. Immer wieder muss sie kurz unterbrechen. Tränen kullern der Schweizer Sportlerin des Jahres 2014 über die Wangen. Nach ihrem Rücktritt will die Engelbergerin sich wieder auf ihr Physik Studium konzentrieren. «Ich werde mein Studium an der ETH Zürich wieder neu aufnehmen im kommenden Herbstsemester.» Auch an der Pilotenlizenz ist sie dran. Der praktische Teil beginnt im Sommer.

Kreuzbandriss stoppte den Aufstieg

An ihrem ersten Weltcuprennen in Lake Louise 2005 stürzt die heute 29-jährige schwer. Nach Bestzeit im Abfahrtstraining riss sich Gisin im Rennen das Innenband des rechten Knies. Sie kämpfte sich über den Europacup zurück in den Weltcup und feierte anfangs 2007 ihren ersten Podestplatz. In der Abfahrt von Altenmarkt-Zauchensee wurde sie Zweite.

Bei ihren ersten Weltmeisterschaften im schwedischen Åre zeigte Gisin eine gute Leistung und erreichte den fünften Rang. Kurz darauf wurde der Aufstieg Gisins jäh gestoppt. Ende Februar 2007 verletzte sich der Jungspund beim ersten Trainingslauf für die Abfahrt in Tarvisio. Sie zog sich einen Kreuzband- und einen Innenbandriss am linken Knie sowie einen Innenband-Anriss am rechten Knie zu.

Aufgeben gibt’s nicht für Gisin. Sie kämpft sich abermals zurück und feierte 2009 ihren ersten Weltcupsieg in der Abfahrt von Altenmarkt-Zauchensee. Nur sechs Tage später bestätigte sie ihren Erfolg mit einem Sieg in der Abfahrt von Cortina d’Ampezzo.

Bangen um Olympia 2010

Die Engelbergerin schien gerüstet, um an Olympia 2010 in Vancouver für Furore zu sorgen. Jedoch verletzte sie sich einen Monat vor den Spielen und zog sich einen Riss im Innenmeniskus zu. Aus der Traum von Olympia? Denkste! Gisin stand einen Monat nach ihrer Verletzung tatsächlich im Starthaus in Vancouver. Doch aus dem Medaillentraum wurde nichts. Im Zielhang stürzte die 29-jährige und zog sich eine Gehirnerschütterung zu.

An den Weltmeisterschaften in Garmisch-Patenkrichen schrammte Gisin nur knapp am Podest vorbei. Als vierte in der Super Kombination und als achte in der Abfahrt blieb ihr eine Medaille an Grossanlässen weiterhin verwehrt. Abfahrt, Super-G und Super Kombination war der ehrgeizigen Engelbergerin nicht mehr genug. Im Oktober 2011 startete sie in Sölden zu ihrem ersten Weltcup-Riesenslalom und wurde prompt elfte. Im Januar 2012 verletzte sich Gisin am Meniskus und musste die Saison 2011/2012 vorzeitig abbrechen.

Und dann passte alles

Die 29-jährige zeigte eine solide Comeback-Saison 2012/2013 und blieb von grösseren Verletzungen verschont. So konnte sich Gisin im Sommertraining 2013 voll auf ihr Ziel Olympia 2014 in Sotschi konzentrieren. Am 12. Februar 2014 war der grosse Tag gekommen. Das Leiden und der Kampfgeist haben sich am Schluss doch noch ausgezahlt. Gisin wurde überraschend Olympiasiegerin und teilte sich die Goldmedaille mit Tina Maze.  

Im Dezember 2014 ist Gisin als Sportlerin des Jahres ausgezeichnet worden. In dieser Saison verpasste die Engelbergerin die Weltmeisterschaften aufgrund einer erneuten Verletzung am Knie. Nun, nach zehn Jahren Spitzensport, ist also Schluss. Gisin beendete heute ihre Karriere mit einem zwölften Platz im Super-G von Meribel. 

Dominique Gisin gewinnt in Sotschi Olympia-Gold