Wenn in acht Tagen in Zug das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest lanciert wird, freut sich auch die lokale Wirtschaft: 350 000 Besucher, ein Budget von 37 Millionen und die grösste temporäre Arena der Welt lassen den Rubel rollen. Nicht immer aber war das Nationalspiel mehrheitsfähig. Im Mittelalter entwickelte es sich abseits von Regularien und Organisationen.

In der Literatur ist von «regellosem Balgen und Rutzen» die Rede. Anhänger dieser Form des Kräftemessens wurden damals als aufmüpfige Querschläger wahrgenommen. Ihr Tun galt als «anrüchiges Vergnügen» und wurde mit «Nachtbubenstreichen» gleichgestellt. Besonders stossend war, dass die Schwinger ihrem lasterhaften Vergnügen vornehmlich an Sonntagen nachgingen – wenn von sittsamen Bürgern der Kirchgang erwartet wurde.

Die Staatsgewalt setzte dem Treiben im 16. Jahrhundert ein Ende und verhängte in den Kantonen Nidwalden und Appenzell ein Schwingverbot. In Nidwalden hielt sich der entsprechende Gesetzespassus bis 1908. 81 Jahre später fand in Stans das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest statt. Und es muss sich um eine späte Rache der Sägemehlgötter gehandelt haben, dass der hochfavorisierte Innerschweizer Eugen Hasler im Schlussgang gebodigt wurde.

Vom Nordostschweizerischen Schwingfest ausgeschlossen

In der Neuzeit drohte dem Nationalspiel Gefahr von konspirativen Elementen – von jungen Schwingern, die ihre Haarpracht ostentativ zur Schau stellten. Die Schwingobrigkeit fackelte nicht lange und schloss 1971 drei Kämpfer vom Nordostschweizerischen Schwingfest aus. Grund: zu lange Haare – und die Weigerung, einen Coiffeur aufzusuchen.

Der Chef der Technischen Kommission des Verbandes, Otto Brändli, fasste das Urteil in Worte: «Wer lange Haare trägt, schwitzt mehr und kann weniger denken.» Ernst Marti, Vorstandsmitglied des ESV, meinte gar: «Die Ansichten vieler Langhaariger entsprechen nicht dem Wesen der Schwingerei. Sie vergiften unseren Staatsgedanken, untergraben die Heimatgefühle und rebellieren gegen die Gesellschaftsordnung.»

Am Eidgenössischen 2019 sind Haarkontrollen nicht vorgesehen. Sollte es zu haarsträubenden Diskussionen kommen, ist guter Rat nah: In Zug finden sich 45 Coiffeursalons. Fast alle haben am Samstag offen.