Fussball

Hakan Yakins Trick mit dem RAV - und warum er jetzt jedes Jobangebot annehmen muss

Erhält 6500 bis 7500 Franken von der Arbeitslosenkasse: Hakan Yakin.

Erhält 6500 bis 7500 Franken von der Arbeitslosenkasse: Hakan Yakin.

Der FC Schaffhausen profitiert bei seinem Assistenztrainer Hakan Yakin von der Arbeitslosenkasse.

Es ist ein Fall, der für Entrüstung sorgt unter Fussballfans. Hakan Yakin, ein Fussballermillionär, der unter anderem in Basel, Paris, Stuttgart oder Katar gut verdiente, profitiert von der Arbeitslosenkasse. Der Assistenztrainer des FC Schaffhausen erhält für sein 70-Prozent-Engagement zwar von seinem Verein nur einen Lohn von läppischen 2000 Franken, doch dieser wird durch die Arbeitslosenkasse Zürich aufgebessert. Yakin erhält von ihr monatlich einen Betrag zwischen 6500 bis 7500 Franken, wie der «Blick» publik machte.

Der Grund für die hohen Arbeitslosenbeiträge trotz Anstellung: Im April 2018 wurde Hakan Yakin bei den Grasshoppers als Assistenztrainer entlassen. Sein Lohn: 14'000 Franken. Yakin wurde auf dem RAV (Regionales Arbeitsvermittlungszentrum) vorstellig und erhielt Arbeitslosengeld von 12'350 Franken pro Monat. Durch die 70-Prozent-Anstellung in Schaffhausen hat sich dieser Betrag immerhin reduziert.

Und doch offenbart der Fall Fragezeichen:

Möglich ist es, weil es sich in diesem Fall um einen sogenannten Zwischenverdienst handelt, wie Irene Tschopp, Mediensprecherin des Amts für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich, erklärt. «Wenn sich jemand beim RAV meldet, legt die Arbeitslosenkasse die Entschädigung anhand des vorherigen Einkommens fest. Bei einer Zwischenanstellung reduziert sich die Entschädigung entsprechend.»

Jean-Claude Frésard, Präsident des Verbandes der öffentlichen Arbeitslosenkassen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein, ist vom Fall nicht überrascht. Er sagt: «Grundsätzlich geht es darum, dass jeder Arbeitssuchende in jenem Bereich eingestuft wird, in dem es in der Branche üblich ist. Für Angestellte in Firmen wie Migros oder Coop haben wir Tabellen, an denen wir dies einschätzen können. Das ist im Sport, insbesondere im Fussball, aber schwieriger und dadurch auch komplexer. Offenbar ist man in diesem Fall zur Beurteilung gekommen, dass diese Unterstützung angemessen ist.»

Stossend ist aber: Der Fall Yakin ist keine Ausnahme, viel mehr ist er gang und gäbe. So etwa in der Challenge League, wo Spieler finanziert werden können, die vorher in der Super League deutlich bessere Löhne bezogen. Und der klamme FC Schaffhausen profitiert unter Präsident Roland Klein nicht nur bei Yakin von diesem System. So sollen im Oktober 2019 auch vier vereinslose Spieler dank der Arbeitslosenkasse angestellt worden sein, genau so wie die bevorstehende Einstellung von Bernt Haas als Sportchef. Zur Thematik wollen sich weder der FC Schaffhausen, noch Roland Klein oder Hakan Yakin auf Anfrage äussern.

Ist auch in der Privatwirtschaft gang und gäbe

Gang und gäbe ist der Trick aber auch in der Privatwirtschaft. Das ist aber durchaus so gewollt. So sagt Tschopp: «Es ist kein Trick, der negativ ist. Sondern es ist genau im Sinne des Gesetzgebers, dass ein Arbeitssuchender einen neuen Job antritt, auch wenn er nicht in seinem Kernbereich ist oder der Lohn tiefer ist.» Eine solche Zwischenlösung ist nicht ewig möglich. So liegt das Maximum dafür je nach Alter und Unterhaltspflichten zwischen 12 und maximal 24 Monaten.

Um die Zahlungen zu erhalten, muss der Arbeitssuchende, in diesem Fall Hakan Yakin, Pflichten erfüllen. Er muss auf Jobsuche und sich aktiv bewerben. Und im Fall von Yakin durchaus auch neckisch: Bekommt er ein zumutbares Jobangebot in seinem Kernbereich Fussball, muss er es annehmen.

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