Handball
Mit Vicente Cotrina steht beim RTV ein neuer Trainertyp an der Seitenlinie: «Aussen bin ich ruhig, aber drinnen habe ich Feuer»

Der RTV Basel startet am Donnerstag zu Hause gegen GC Amicitia Zürich in die neue NLA-Saison. Mit Vicente Cotrina steht ein neuer Trainer an der Seitenlinie, der sich abgrenzt und schon jetzt eine neue Spiel- und Trainingsweise mitbringt. Bis das Team aber zu 100 Prozent harmoniert, braucht es noch Zeit.

Esteban Waid
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Vicente Cotrina steht am Donnerstag erstmals in einem Pflichtspiel im Einsatz für den RTV Basel.

Vicente Cotrina steht am Donnerstag erstmals in einem Pflichtspiel im Einsatz für den RTV Basel.

Juri Junkov

Schnell wird während den Vorbereitungsspielen des RTV Basel klar, dass sich bei dem NLA-Klub etwas verändert hat. Ob beim Vorbereitungsturnier in Birsfelden, wo der RTV den Turniersieg erringen konnte, oder beim letzten Vorbereitungssieg gegen Mulhouse Rixheim – es ist ruhiger geworden an der Seitenlinie.

Mit verschränkten Armen, mal vor der Brust, mal hinter dem Rücken, beobachtet der neue Trainer Vicente «Ike» Cotrina seine Spieler auf dem Feld. Nur hin und wieder ruft er etwas hinein, oder bespricht sich mit einem Spieler auf der Bank. Mit seiner Art, sein Team zu coachen, zeigt er eine andere Herangehensweise als sein Vorgänger Darijo Bagaric, der neben seiner Trainertätigkeit auch emotionaler Antreiber war. Das weiss auch Cotrina selbst, wie er am Rande des Turniers in Birsfelden zugibt:

«Ja, ich bin ruhiger als Bagaric. Aber jeder Spieler braucht etwas anderes. Manche hatten vielleicht ein Problem damit, wenn Bagaric sie etwas laut angesprochen hat. Ein paar haben vielleicht ein Problem mit mir, weil sie mehr Emotionen brauchen. Aber ich gebe immer mein Bestes», sagt der 38-jährige Spanier. Aber er macht auch klar, dass man das nicht missverstehen solle:

«Man könnte meinen, dass ich nicht so bereit bin für ein Spiel, weil ich ruhig bin. Aber drinnen habe ich Feuer. Manchmal ist es für mich aber schwierig, dies zu zeigen.»

Selbst beschreibt er sich als einen jungen Trainer mit Ambitionen, betrachtet es daher nicht als Nachteil, dass er noch wenig Erfahrung als Cheftrainer hat. Zuletzt trainierte er die Damenmannschaft der Spono Eagles, zuvor war er Assistent beim HC Kriens-Luzern.

Aber Cotrina lebt den Handballsport. Neben seiner Tätigkeit als RTV-Trainer gibt er zwei Mal die Woche Trainings in der United School of Sport in Zürich. Der Schritt zum Cheftrainer scheint ein logischer nächster Schritt zu sein. Dazu passt es auch, bei einem langfristigen Projekt zu helfen, das den RTV bis 2029 in neue Sphären heben soll. «Es ist klar, dass ich nicht bis 2029 unterschrieben habe. Aber das Projekt ist gut, mit oder ohne mich. Es ist zwar ein Sportprojekt, aber eines mit Herz», sagt Cotrina.

Am Donnerstag darf der Trainer seinen ersten wichtigen Beitrag für das Projekt «peRspekTiVe 2029» leisten, denn dann startet der RTV in die neue Saison gegen GC Amicitia. Eine machbare Aufgabe. Noch in der vergangenen Saison standen die Basler einen Punkt über den Zürchern. Es wird eine erste Standortbestimmung für das Ziel, erneut den Klassenerhalt zu schaffen und die Playoffs zu erreichen.

«Wir sind immer noch auf dem Weg. Es ist klar, dass ich noch nicht zufrieden bin. Besonders mit den Ergebnissen. Wir müssen stabiler werden, disziplinierter. Aber das braucht Zeit, denn am Ende bin ich ein neuer Trainer mit neuen Ideen», sagt Cotrina im Rückblick auf die Vorbereitung.

Namhafte Verstärkung für die rechte Seite

Neuzugänge

Igor Cagalj, GRK Ohrid (Nordmazedonien)

Jorge Paban Lopez, GC Amicitia Zürich

Oliver Mauron, TV Endingen

Verändert hat sich bei den Realturnern aber nicht nur die Trainerposition. Drei Neuzugänge darf Cotrina in seinem neuen Team begrüssen: Kreisläufer Igor Cagalj, den rechten Flügel Oliver Mauron und den rechten Rückraumspieler Jorge Paban Lopez. Damit zeigt sich vor allem die rechte Seite verbessert. Cotrina zeigt sich zufrieden, denn vor allem bei den Transfers von Mauron und Paban war er involviert. «Alle drei Neuen sind ein Plus für das Team. Alle können der Abwehr und dem Angriff etwas geben», erklärt er.

Besonders Paban könnte sich als veritable Verstärkung entpuppen. Der Kubaner bringt viel Erfahrung mit, spielte zuletzt bei GC Amicitia, konnte aber auch schon Champions-League-Luft schnuppern. Aber auch mit Cagalj ist der Trainer mehr als zufrieden, nennt ihn einen «Hard-Worker». Alle drei werden Teil von Cotrinas neuer Spielphilosophie:

«Ich will, dass die Abwehr aggressiv ist, mit mehr Bewegung. Deswegen brauchen wir auch noch mehr Zeit, weil viele Spieler neue Aufgaben haben»,

erklärt Cotrina. Auch der Angriff ist ihm da wichtig. Dort hat Topskorer Aleksander Spende eine veränderte Rolle, tritt noch mehr als Leader auf dem Platz auf, gibt Ansagen und spielt jetzt vor allem zentral. Auch das ist Cotrinas Handschrift: «Er ist ein Spieler mit guten Entscheidungen und ich muss ihm nicht viel helfen. Er kann die Mannschaft organisieren, deswegen hat er die Mitte übernommen.»

Und das Tor treffen, das wird Spende hoffentlich weiterhin. Damit sein Trainer eben nicht zu viel schreien muss und sich auf seine Analysen konzentrieren kann, die er in sein Notizbuch schreibt. Denn Cotrina muss zugeben, dass es schon auch Situationen gibt, in denen er laut wird. Vielleicht zeigt sich das aber auch erst, wenn es plötzlich um wichtige Punkte geht.

Abgänge

Björn Buob, HC Kriens-Luzern

Severin Ramseier, Karriereende

Luca Engler, Karriereende

Artur Kravatski, kein neuer Vertrag

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