Herr Gruber ist Busfahrer in Seefeld. Und während der Nordischen Ski-WM Auskunftsbüro für verlorene Skandinavier. Denn der bescheidene Busbahnhof im Zentrum erweist sich in diesen Tagen als wahrer Irrgarten. «Wo fährt der Bus ins Gaistal?», will ein älterer Norweger wissen. Vor vier Stunden sei der letzte an diesem Tag abgefahren, lautet die ernüchternde Antwort.

Im Minutentakt strecken überforderte WM-Gäste ihre Köpfe durch die Bustüre und suchen das, was ihnen die elektronischen Fahrpläne auf dem Perron offensichtlich nicht bieten. Herr Gruber lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. «Die Touristen sind die Könige. Wir verdienen schliesslich dank ihnen unseren Lohn», erklärt er mir.

Aber selbst einer wie Herr Gruber kann sich fürchterlich aufregen. Über die während der WM überall präsenten Security-Mitarbeiter in und rund um Seefeld. Kein Grossanlass kommt ohne diese Heerscharen von Pfefferspray-bepackten Testosteron-Bolzen in ihren wahlweise gelben, roten, grünen oder schwarzen Gilets aus. Einmal im Leben wichtig sein, scheint das übergeordnete Motto ihres inneren Antriebs zu lauten.

Dies musste auch Herr Gruber feststellen. Als ihn neulich eine Gruppe freundlicher Gäste im Bus fragte, ob er sie anstatt beim Bahnhof nicht unterwegs gleich neben dem Zielgelände abladen würde, willigte er ein. Zwar gilt dort während der WM Halteverbot. Weil die Strasse für den Verkehr aber ohnehin gesperrt ist, spielt dies in der Praxis keine Rolle.

Ausser für den Security-Mitarbeiter. Dieser stürmte auf das Fahrzeug los, posierte sich breitbeinig vor dem Bus und warf Herrn Gruber allerlei nicht Druckreifes an den Kopf. Schliesslich wollte er das Corpus delicti zwecks Beweisaufnahme für diese ungeheuerliche Gesetzesübertretung auch noch fotografieren.

Jetzt wurde es Herrn Gruber doch zu viel. Er schloss die Tür, drückte aufs Gaspedal und fuhr davon. Der Security-Mitarbeiter hat es überlebt.