Challenge League

«Ich weiss schon jetzt, dass es gut kommt»: Murat Yakin ist trotz Neustart mit Nebengeräuschen zuversichtlich

Können es gut miteinander: Klub-Eigentümer Roland Klein (links) und Cheftrainer Murat Yakin.

Der FC Schaffhausen hat mit Roland Klein einen neuen Besitzer und mit Murat Yakin seinen Erfolgstrainer zurück. Die Grundsteine für einen erfolgreichen Neustart sind somit gelegt worden - ohne Nebengeräusche ging dieser aber nicht vonstatten.

Schau mal, das ist doch Murat Yakin! Manche Besucher im Lipo Park können nicht glauben, was sie sehen. Und doch: Da schleppt tatsächlich dieser berühmte Fussballtrainer Getränkekisten zum Verpflegungsstand. Wie sie dann auch noch dessen Bruder Hakan am Zapfhahn entdecken, wähnen sie sich im falschen Film.

Denn gekommen sind sie ja nicht des FC Schaffhausen wegen, sondern um die Schlagersängerin Andrea Berg zu hören und zu sehen. Doch da ihr Klub für das Catering zuständig ist und bei 8000 Fans jede Hand gebraucht wird, sind sich die Yakins nicht zu schade, mit anzupacken. Er habe früher in Basel immer am Kebabstand seiner Familie mitgeholfen, sagt Murat. Er habe ja schon oft bewiesen, nicht nur der Glamourtrainer zu sein, als der er oft dargestellt werde.

Eine Erfolgsgeschichte mit Unterbruch

Seit Juni ist Yakin zurück im Herblingertal. Hier hatte er mit dem FC Schaffhausen 2017 eine achtmonatige Erfolgsgeschichte geschrieben, mit diesem im Schnitt sagenhafte 2,33 Punkte geholt und ihn vom Tabellenkeller an die Spitze geführt. Um dann nach sechs Siegen in sechs Spielen dem Ruf der Grasshoppers zu folgen.

Yakin hatte schon im Februar auf der Trainerbank gesessen, als gegen den FC Winterthur das neue Stadion eröffnet worden war. Nach 13 Jahren der Planung hatte sich Präsident Aniello Fontana mit dem privat finanzierten 60-Millionen-Projekt – davon 16 Millionen Franken für das eigentliche Stadion mit 8000 Sitzplätzen und Kunstrasen – ein Denkmal geschaffen. Die 7700 Zuschauer waren begeistert, doch die meisten hatten es nun gesehen – und kamen nicht wieder.

Abgeschreckt von zu hohen Eintrittspreisen, einem miserablen Catering und später dann auch noch desillusioniert nach Yakins Abgang. Es mehrten sich die Gerüchte über Finanzprobleme, und nachdem Patron Fontana im Januar im Alter von 71 Jahren den Kampf gegen seine Krankheit verloren hatte, rutschte der Traditionsklub sportlich wie wirtschaftlich tiefer in die Krise.

Die Spatzen pfiffen von den Dächern, die Swiss Football League werde dem FCS keine Lizenz mehr geben und die Lichter im Lipo Park würden bald ausgehen. Schaffhausen, ein klassisches Beispiel für Vereine, die sich dank eines neuen Stadions vor einer glorreichen Zukunft wähnen und bald ernüchtert erkennen, dass dies keine Garantie für einen Aufschwung ist.

Klein als Retter im Zwist mit den Stadion-Betreibern

Es jagten sich die Spekulationen über mögliche Käufer des Klubs. Doch konkret wurde es erst, als Roland Klein sein Interesse deponierte, 100 Prozent der FC Schaffhausen AG sowie 91,8 der Stadion AG zu übernehmen und neuer Eigentümer des FC Schaffhausen zu werden. Aber nicht des Stadions, das weiter der Firma Methabau (Kopfbau) und der Fontana Invest AG (Tribünenteil) gehört.

Klein hatte lange als Geschäftsmann in Asien gelebt und mit TV-Rechten gehandelt. Sein Grossvater ist Schaffhauser und Klein selber hatte in den 80er-Jahren kurz für den FCS gespielt. Eigentlich hätte der 59-Jährige, der kurzzeitig auch Vizepräsident von GC war, gerne weiter mit der Familie Fontana zusammengearbeitet. Doch es passte nicht, und man trennte sich.

Noch immer schwelt indes ein Zwist betreffend der Stadion AG. Die früheren Besitzer behaupten, sie sei schuldenfrei. Klein sagt Nein und weigert sich, sie zu übernehmen. Er ist auch der GV ferngeblieben.

Der Anfang vom Ende

Das hat in der Stadt bei den Fans für Unruhe gesorgt und für die Befürchtung, es sei der Anfang vom Ende des FCS. Klein, in dieser Woche von seiner Hochzeitsreise zurückgekehrt, kann die Aufregung nicht verstehen.

Er betont, dass die Stadion AG nullkommanull mit dem Fussball zu tun habe und es sie im Prinzip gar nicht brauche. «Wir sind absolut auf Kurs», sagt Klein. «Der Verein ist finanziell abgesichert.» Zu seinen ersten Taten hatte gehört, die Ticketpreise massiv zu senken und das Catering neu aufzugleisen. Noch aber ziehen die Schaffhauser nicht mit, der Zuschauerschnitt von 1474 ist enttäuschend.

Beim Kader werden kleine Brötchen gebacken

Obwohl es Klein gelang, mit Rückkehrer Yakin eine grosse Trainernummer zu verpflichten, machte er von Beginn an klar, dass kleine Brötchen gebacken werden. Das Budget beträgt drei Millionen Franken und die Auflagen der Liga haben dazu geführt, dass bei der Zusammenstellung der neuen Mannschaft mit der ganz kleinen Kelle angerichtet werden musste.

«Wir haben viele junge, hungrige Spieler aus Zürich, Basel oder St. Gallen geholt. Deshalb brauchen wir auch noch etwas Zeit», sagt Yakin. Und räumt gleich noch zwei Gerüchte zur Seite: «Ich bin Trainer und nicht auch noch Sportchef. Wir machen vieles im Team. Und Geld habe ich keines in den Klub gesteckt.»

Yakin ist nicht unzufrieden. Der FCS hat GC geschlagen, gegen Lausanne einen Punkt geholt und liegt mit acht Punkten im Soll. In der Natipause hätten sie gut gearbeitet. Jetzt sei er gespannt auf den Auftritt in Aarau, sagt Yakin. «Aber ich weiss schon jetzt, dass es gut kommt mit unserem Projekt.»

Meistgesehen

Artboard 1