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Im Profifussball gibt es nur ein Motto: Money, Money, Money

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Analyse zur Fifa-Klub-WM in Katar, zur Terminhatz und warum die Teilnahme für den FC Liverpool nicht ganz uninteressant ist.

Gestern Liga-Cup in Birmingham, heute Klub-WM in Doha – es sind strenge Zeiten für den FC Liverpool. Zwei Partien in zwei Wettbewerben auf zwei Kontinenten innert 22 Stunden. Unmöglich?

Nein. So geht es: nach dem ersten Spiel ins Flugzeug hechten, auf der Reise nach Katar ein paar Stunden schlafen, halbwegs munter ins Stadion einlaufen und den Gegner aus Mexiko schlagen. So what?

Natürlich treten die Reds heute gegen Monterrey nicht mit derselben Mannschaft an, die gegen Aston Villa gespielt hat. Das wäre selbst für Jürgen Klopps Fitnessmonster etwas gar viel. Deshalb hat Liverpool am Dienstagabend sein U23-Team auf den Platz geschickt. Was allerdings gar nicht mal so etwas Besonderes ist, weil auf der Insel die Grossen den Liga-Cup oft mit der zweiten Garnitur bestreiten.

Jürgen Klopp will mit Liverpool Weltmeister werden.

Jürgen Klopp will mit Liverpool Weltmeister werden.

Die Gier nach Einnahmen ist nicht zu bremsen

Was nichts daran ändert, dass der Fall «Liverpool» exemplarisch dafür steht, wie skrupellos die internationalen und nationalen Verbände und ihre Terminplaner das Fuder überladen. Es läuft definitiv etwas schief im Profifussball, wenn es nicht mehr möglich ist, mit der ersten Mannschaft auf vernünftige Weise alle Wettbewerbstermine wahrzunehmen. «Es gab kein Datum, das für alle funktioniert hätte. Eine andere Ansetzung war schlicht nicht möglich», sagte Klopp. Die Gier nach immer mehr Einnahmen lässt sich durch nichts bremsen.

Der FC Liverpool bestreitet im Dezember neun Pflichtspiele und tritt innerhalb von fünf Wochen in fünf Wettbewerben an: in der Champions League, in der Premier League, im Liga-Cup, bei der Klub-WM sowie im FA-Cup. In jedem von diesen sind die Chancen auf den Titelgewinn intakt. Noch nie hat eine englische Mannschaft mehr als vier Trophäen geholt. Liverpool könnte nun sogar sechs gewinnen (falls der Nachwuchs das Liga-Cupspiel gestern für sich entschieden hat), denn der Uefa-Supercup steht nach dem Sieg gegen Chelsea bereits in der Vitrine.

Am Samstag soll der zweite Pokal folgen. «Wenn man mich fragen würde, ob eine Klub-WM mitten in der Saison sinnvoll ist, würde ich Nein sagen», sagte Klopp in Doha, «aber wenn wir schon mal hier sind, dann wollen wir auch gewinnen.» Zwar ist dieser Event die offizielle Weltmeisterschaft für Vereinsmannschaften mit den besten Teams eines jeden Kontinents, doch hat sie längst nicht den Stellenwert der Champions League. In dieser verdiente Liverpool 2019 für den Einzug in den Final (ohne alle anderen Prämien) 15 Millionen Euro und für den Sieg vier dazu. Der Gewinn der Klub-WM brächte, wie jener des Super-Cups, 4,7 Millionen Euro in die Kasse. 9,4 Millionen für drei Spiele. Warum nicht mitnehmen?

Liverpool hat noch nie den Weltpokal gewonnen

Der bedeutend grössere Anreiz für den FC Liverpool ist aber der Fakt, dass er die Klub-WM noch nie gewonnen hat. 2005 verlor er gegen São Paulo 0:1, 1981 gegen Flamengo gar 0:3. 38 Jahre danach winkt nun die Revanche. Denn nach dem 3:1 des brasilianischen Meisters und Siegers der Copa Libertadores gegen Al Hilal kommt es am Samstag zur Neuauflage. Vorausgesetzt, Liverpool gewinnt heute seinen Halbfinal gegen Monterrey.

Flamengo (in rot-schwarz) hat gegen Al-Hilal den Final erreicht.

Flamengo (in rot-schwarz) hat gegen Al-Hilal den Final erreicht.

Gespannt ist man, ob Xherdan Shaqiri wie zuletzt gegen Watford in der Startaufstellung steht. Für ihn wäre es die Gelegenheit, sich im Hinblick auf die WM 2022 mit den Bedingungen in diesem Land vertraut zu machen. Auch diese findet im Dezember statt.

In anderthalb Jahren wird vieles anders. Die Fifa will nun auch mit dem Klubfussball Geld scheffeln. Präsident Gianni Infantino hat durchgesetzt, dass im Sommer 2021 in China während zweieinhalb Wochen eine Pilotausgabe der neu gestalteten Klub-WM mit 24 Mannschaften als Ersatz für den Confederations-Cup stattfindet. Parallel zum Afrika- und zum Gold-Cup ... «Es wird ein Turnier, das es in dieser Grössenordnung noch keines gegeben hat», sagte Infantino. Mit horrenden Preisgeldern.

Diverse europäische Grossklubs haben wegen der Mehrbelastung ihre Bedenken angemeldet. Klopp gar von einem «absoluten Schwachsinn» gesprochen. Wetten, dass sie alle dann trotzdem auf der Matte stehen, wenn es heisst: Money, Money, Money.

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Autor

Markus Brütsch

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