Fussball

Ist das die Rettung des Profifussballs? Sportklubs erhalten nun ihre Darlehen vom Bund

Symbolbild des Stadion Bergholz in Wil.

Symbolbild des Stadion Bergholz in Wil.

Das Parlament befürwortet die Anpassung der Darlehen für Fussball- und Eishockeyklubs. Was bedeutet das?

Sind dank der Darlehen die Vereine nun gerettet?

Seit März fallen den Profi-Vereinen in Fussball und Eishockey alle Ticketeinnahmen weg. Dank den Darlehen erhalten die Klubs nun die Möglichkeit, die Löcher bezüglich den laufenden Kosten zu decken. Trotzdem bleibt die Situation angespannt. Zwar können ab Oktober zwei Drittel der Sitzplätze wieder gefüllt werden, je nach epidemiologische Lage könnte sich das aber auch rasch wieder ändern. Für einige besonders gebeutelte Vereine könnten übrigens schon die 25 Prozent, die sie an Sicherheiten nachweisen müssen, schwierig aufzutreiben sein. Die Darlehen betragen maximal 25 Prozent des Betriebsaufwand der Saison 2018/19.

Müssen die Vereine ihre Löhne senken?

Wenn ein Sportklub Darlehen beantragt und dieses nicht innerhalb von drei Jahren zurückbezahlt, verlangt der Bund unter Berücksichtigung der jeweiligen Lohnstruktur Kürzungen bis zu 20 Prozent. Das bedeutet konkret: Hat ein Verein aus Sicht des Bundes schon jetzt eine gesunde Lohnstruktur, muss er die Löhne weniger senken als Vereine, die übermässig viel für Ihre Angestellten bezahlen. Es stellt sich die Frage, wie dies in der Praxis genau beurteilt wird. Bereits getätigte Lohnkürzungen während der Covid-19-Pandemie werden berücksichtigt.

Werden die Darlehen je zurückbezahlt?

Grundsätzlich haben die Sportvereine 10 Jahre Zeit, um die Darlehen zu begleichen. Doch wie dies in der Realität tatsächlich aussieht, steht noch in den Sternen. Das Parlament hat sich entgegen der Empfehlung des Bundesrats nämlich für einen Rangrücktritt entschieden. Was enorm technisch und kompliziert klingt, bedeutet: Die Vereine können durch das Aufnehmen der Darlehen nicht in die Verschuldung hineingeraten. Der Bund verzichtet auf die Erfüllung seiner Forderung, wenn ein Unternehmen in die Insolvenz geraten würde. Somit würden die Vereine erst dann das Geld zurückbezahlen, wenn sie dies finanziell verkraften können. Derzeit ist es aber eher so, dass die meisten Vereine selbst in Boom-Jahren keine schwarzen Zahlen schreiben.

Wofür wird das Geld eingesetzt?

Grundsätzlich sind die Darlehen dafür gedacht, dass sie den laufenden Betrieb sicherstellen können. Primär wird das Geld tatsächlich dafür eingesetzt. Ob einige Vereine die Bundesgelder für hohe Transfererlöse ausnützen werden, kann nur spekuliert werden. Im Eishockey gibt es keinen Absteiger, wodurch grosser sportlicher Druck wegfällt. Dennoch ranken sich Gerüchte, nach denen dank den Darlehen noch grosse Transfers getätigt werden sollen. Auch im Fussball gab es in diesem Sommer wenig Wechsel, ob die Darlehen daran etwas ändern, wird sich zeigen.

Haben die Sportverbände endlich bewiesen, dass sie lobbyieren können?

Das Klischee, wonach das Parlament eher für die Kulturbranche als für die Sportbranche schaut, bleibt wohl auch nach diesem Entscheid bestehen. Dennoch hat das Parlament bewiesen, dass sie sich der Wichtigkeit des Spitzensports durchaus bewusst sind. Den Profiligen ist es in Gesprächen mit Parlamentarier und Kommissionen gelungen, die Wichtigkeit des Spitzensports hervor zu heben. Insgesamt hängen 100000 Arbeitsplätze an der Sportwirtschaft. Der Sport generiert 1,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts.

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